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Funktionstüchtig
Der Bibeltext Epheser 4,25-32 – ausgelegt von Marion Radermacher.
Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen und gebt nicht Raum dem Teufel.[...]
Ein Brief kommt an - Paulus schreibt an die Gemeinde in Ephesus
„Die Post ist da! Wunderbar, ein Brief von Paulus!“ Das mögen sich die Christen in Ephesus vielleicht gedacht und alle zusammengetrommelt haben. Jeder will hören, was ihnen ihr lieber Apostel Paulus zu sagen hat.
Die Gemeinde als Leib - ein Bild voller Tiefe
Nachdem sie das meiste gelesen haben, weist Paulus sie in unserem heutigen Text darauf hin, dass sie als Christen, als Gemeinde Jesu, ein Leib sind. Das ist ein schöner bildhafter Vergleich, den ich mir gut vorstellen kann. An einem Leib, einem Körper gibt es viele Glieder. Zu einem Leib gehören ebenso unterschiedliche Organe und alles wiederum besteht aus Millionen von einzelnen Zellen, die in einem überaus präzisen Zusammenspiel funktionieren.
In meiner Krankenpflegeausbildung vor vielen Jahren staunte ich im Physiologieunterricht darüber, wie genial alles in unserem Körper bis ins Kleinste geschaffen ist. Was alles nötig ist und geschieht, um selbst minimalste Bewegungen wie ein Augenzwinkern zu ermöglichen. Jede einzelne Zelle ist ein kleines Kraftwerk, das seinen Beitrag zur Aufrechterhaltung des großen Ganzen leistet. Wenn es irgendwo hakt, wenn ein Botenstoff fehlt oder ein Mineral, wenn schädliche Substanzen von außen eindringen, dann wird das ganze harmonische Zusammenspiel gestört. Mitunter kann das dann schwerwiegende Folgen haben.
Wenn die Gemeinde Jesu also solch ein Körper ist, dann kann sie nur harmonieren, wenn alle Glieder, alle Zellen, möglichst reibungslos ihre Aufgaben erfüllen. Und wenn sie Frieden halten. Sie funktionieren eben nur im Miteinander. Und da wird Paulus in seinem Brief sehr praktisch und nennt verschiedene Themen deutlich beim Namen.
Konkrete Verhaltensregeln: Wahrheit, Zorn, Diebstahl und Reden
Wie steht es mit der Wahrheit? Lässt man ruhig einmal „5 gerade“ sein oder nimmt es mit Aussagen nicht so genau? Wie sieht es mit Notlügen aus? Werden sie wirklich durch entsprechende Umstände gerechtfertigt?
„Lasst es sein“, sagt Paulus ganz klar. Hört mit dem Lügen auf, auch wenn es bislang zu eurem Alltag gehörte. Bleibt bei der Wahrheit, denn ihr gehört doch zusammen. Ihr wollt einander doch vertrauen können. Wie soll das gehen, wenn jeder annehmen muss, belogen zu werden? Jesus selbst hat von sich gesagt, dass Er die Wahrheit ist. Auf Ihn kann ich mich verlassen. Er führt mich nicht in die Irre. Sein Wort ist wahr. Und wenn ich zu Seinem Leib gehöre, kann ich nicht in der Lüge verharren.
Als nächstes geht es Paulus um den Zorn. Zorn ist ein heftiges Wort, wie ich finde. Aber Zorn fängt ja im Kleinen an. Zuerst ist da vielleicht ein Umstand, eine Auseinandersetzung, die mich ärgerlich macht. Wird die Sache nicht aus der Welt geräumt, setzt sich der Ärger in mir fest. So hat er Zeit, Wurzeln zu schlagen und zu wachsen und schließlich irgendwann aus mir herauszubrechen. In solch einem Zornesausbruch sind schnell Worte gesagt, die andere verletzen; sind vielleicht auch Taten getan, die ich hinterher bereue.
Und davor warnt Paulus: „Lasst die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn“, schreibt er. Ich soll dem Ärger, dem Zorn, erst gar nicht die Zeit geben, sich in mir auszubreiten. Ich soll die Dinge möglichst bald bereinigen, solange sie noch nicht begonnen haben, mich zu zerfressen. Denn dadurch gewinnt der Teufel Raum in meinem Herzen. Ich öffne ihm quasi die Tür, sodass er eintreten kann. Das ist dann genauso, als wenn in meinen Körper Bakterien oder Gifte eindringen, die nach und nach von ihm Besitz nehmen und ihn umbringen wollen. So weit darf es keinesfalls kommen! Paulus weiß um die Gefahren und möchte die Epheser davor bewahren.
Auch das Thema Diebstahl spricht er an. Anscheinend ist es in der Gemeinde nicht allen bekannt, dass die Bereicherung an fremdem Gut ein Unrecht ist. Aber das neue Leben in Jesus soll durch alle Lebensbereiche hindurch sichtbar sein – nicht nur in andächtigen Gottesdiensten und Gebeten. Es soll sich auch im Alltag zeigen. Und Paulus geht sogar noch einen Schritt weiter. Wer ein Dieb ist, soll nicht nur aufhören, zu stehlen. Nein, er soll sogar sein Leben in die Hand nehmen, ehrlicher Arbeit nachgehen und anderen abgeben. Die Verhältnisse sollen also genau umgedreht werden: Wo andere Menschen vorher durch den Dieb ärmer wurden, soll er jetzt andere durch seine Gaben reicher machen. Das wird sicher manchen Geschädigten ins Nachdenken bringen und auf ein neues Leben durch Jesus hinweisen.
Aber nicht nur Lügerei, Zorn und Diebstahl liegen Paulus am Herzen. Er sieht auch Veränderungsbedarf im Reden. Wie schnell sind unbedachte Worte ausgesprochen und wie schnell sind nicht anwesende Personen der Gegenstand von Spott und Hetze. Das verdirbt jede Gemeinschaft und wirkt ebenfalls wie Gift im Leib Jesu. So darf es nicht sein. Paulus ermutigt die Christen, ihr Verhalten auch in diesem Bereich zu verändern. Menschen sollen durch Worte aufgebaut und nicht abgewertet werden; sie sollen ermutigt und nicht entmutigt werden. Auch im Reden der Christen soll Jesus sichtbar werden. Freundlich, barmherzig und vergebungsbereit soll es im Alltag zugehen.
Der Heilige Geist - Kraft und Schlüssel für ein erneuertes Leben
Eine ordentliche Auflistung von Verhaltensregeln gibt Paulus hier also vor. Aber wie soll das alles umsetzbar sein? Wie kann das Leben als Christ so erneuert werden?
Den Schlüssel dazu verrät Paulus in Vers 30: die Gemeinde Jesu, Sein Leib ist ja nicht auf sich allein gestellt! Ein Christ hat den Heiligen Geist erhalten, wodurch Gott selbst in den Gläubigen wohnt! Ist das nicht genial? Der Heilige Geist bewahrt zum einen für die Ewigkeit; wie ein Siegel auf einem Brief sagt Er: „Diese Person gehört zu Gott, für immer und alle Zeiten!“
Und zum anderen bewirkt Er, dass gute Verhaltensweisen, sogenannte gute Früchte in den Gläubigen wachsen können. In seinem Brief an die Gemeinden in Galatien benennt Paulus es ganz klar: „Wenn dagegen der Heilige Geist unser Leben beherrscht, wird Er ganz andere Frucht in uns wachsen lassen: Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“ (NLB)
Ich brauche mich also nicht alleine abzumühen! Ich habe alle Anlagen durch den Heiligen Geist bereits in mir! Was für eine Erleichterung! Allerdings muss ich Ihm auch Raum in meinem Herzen geben, damit Er mich mehr und mehr erfüllen kann und gute Früchte wachsen lässt. Deshalb möchte Paulus nicht, dass der Geist betrübt und zurückgedrängt wird – denn ohne Ihn kann ich als Christin nichts tun!
Aber mit Ihm und durch Ihn wird die Gemeinde Jesu zu einem funktionierenden Körper, der auch durch Krisen hindurch bestehen bleibt.
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