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/ Wort zum Tag

Versteckspiel nicht nötig

Friederike Deuschle über Psalm 139,11-12.

Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag.

Psalm 139,11–12

„Hören sie auf mit dem Versteckspiel. Wir wissen doch, was Sie getan haben.“ So sagt es der Kriminalkommissar im Verhör zu einem Verdächtigen Und dann: Das Geständnis. Erst stockend, nach und nach immer flüssiger. Der Verdächtige weiß: Sein Geständnis bedeutet nicht, dass er straffrei davonkommen wird. Er wird die Folgen seines Tuns tragen müssen. Und doch: Irgendwie ist er froh, erleichtert, dass endlich alles ans Licht kommt. Denn Sich-Verstecken-müssen, mit niemandem ehrlich reden können ist schwer. Es ist anstrengend und kostet Kraft. Wer etwas zu verbergen hat, der ist vielleicht auf freiem Fuß, aber er ist doch nicht wirklich frei.

Ich werde nicht polizeilich gesucht, doch trotzdem kenne ich dieses Gefühl, dass ich mich am liebsten verstecken würde. Denn auch ich werde immer wieder schuldig. Oft gar nicht mal mit Absicht, nur aus Unachtsamkeit – aber doch so, dass ein Schaden entsteht oder andere Menschen verletzt werden. Und dann ist die entscheidende Frage: Schaffe ich es, meine Schuld einzugestehen, zuzugeben, dass ich einen Fehler gemacht habe? Schaffe ich es, auf die Person, die ich verletzt habe, zuzugehen, um Verzeihung zu bitten, oder da, wo es möglich ist, den entstandenen Schaden wieder gut zu machen? Schon oft habe ich erlebt, wie gut das tut. Ja: Schuld zuzugeben kostet Überwindung, aber es ist auf jeden Fall besser, als ein Versteckspiel zu beginnen.

Doch auch wenn ich das weiß, heißt das noch lange nicht, dass ich es tatsächlich immer schaffe. Manchmal ist es eben doch einfacher zu schweigen, den Problemen aus dem Weg zu gehen, so zu tun, als ob nichts gewesen wäre. Und dazu kommt: Je länger ich das Versteckspiel treibe, desto schwieriger wird es, da wieder herauszukommen.

In der Bibel werde ich daran erinnert: Vor Gott kann ich mich nicht verstecken. Er sieht alles, was ich tue, ja, er kennt sogar meine Gedanken.

In Psalm 139 lese ich: „Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag.“

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die diese Vorstellung unangenehm oder sogar beängstigend finden: Gott sieht alles. Vor ihm kann ich mich nicht verstecken.

Mir selbst aber geben diese Worte Mut. Denn ich weiß: Auch dann, wenn ich selber es nicht mehr schaffe, das Versteckspiel zu beenden, wenn ich mich verrannt habe, gefangen bin in mir, auch dann ist Gott noch da.

Er bringt Licht ins Dunkel. Kein unbarmherziges, grelles Licht, sondern ein warmes, freundliches Licht. Gott will mich ja nicht verurteilen oder in die Pfanne hauen. Er will heilen, will mir helfen, neu anzufangen.

Und deshalb: Weil er alles weiß, weil er mich kennt und versteht und es gut meint mit mir, deswegen muss ich mich nicht verstecken vor ihm. Ich kann ihm alles sagen. Ich kann ihm sagen, was schiefgelaufen ist, kann mit dem Schaden, den ich angerichtet habe, zu ihm laufen und ihn um Hilfe bitten.

Das tut gut. Und es hilft mir trotz all meiner Fehler zuversichtlich in den Tag zu gehen. Denn ich weiß: Auch dann, wenn ich schuldig werde, wenn ich mich am liebsten verstecken würde, Gott ist da. Er vergibt. Er hilft mir, zu meiner Schuld zu stehen und neu anzufangen.

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Kommentare (1)

Ulrich H. /

Vielen Dank für diese ermutigende Bibelauslegung. Daumen hoch dafür :o)!