/ Wort zum Tag
Offen für Gottes Wirken
Die Bibelstelle Matthäus 25,21 – ausgelegt von Reinhard Holmer.
Seid getrost und lasst eure Hände nicht sinken: denn euer Werk hat seinen Lohn.
Das Bibelwort für den heutigen Tag steht in 2. Chronik 15 Vers 7 und lautet:
Seid getrost und lasst eure Hände nicht sinken: denn euer Werk hat seinen Lohn.
Es ist eine spannende Zeit für das Volk Israel. Die große Zeit von König David und seinem Sohn Salomo ist vorbei. Das Großreich Israel ist zerfallen, angrenzende Völker, die unter David erobert werden, sind wieder abgefallen und das Stammland ist gespalten in ein Nord- und Südreich. Es ist eine lange Liste von Königen, die im Alten Testament in den Büchern der Könige und Chronik genannt werden. Die Regierungszeiten der einzelnen Könige sind sehr unterschiedlich lang. Der König Asa, an den das heutige Losungswort der Herrnhuter Brüdergemeine gerichtet ist, regiert vierzig Jahre. Bei anderen dauert die Regierungszeit nur wenige Monate. Entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg einer Regierung ist die Stellung des Königs zu dem Gott Israels. Immer wieder lese ich den Satz: „Und er tat, was dem Herrn gefiel“ oder umgekehrt: „was dem Herrn missfiel.“ Die Stellung vor Gott wird an der eigenen Haltung deutlich. In unserem Bibelwort sind die erhobenen Hände genannt. Sie sind eine Gebetshaltung, die nach oben offen ist und deutlich macht: Ich brauche Gott, ich will alles von ihm erwarten. Eine solche Haltung ist nicht selbstverständlich, denn von Natur aus wollen Menschen von niemandem abhängig sein. „Selbstbestimmt leben“ ist angesagt.
Auch die Herrscher in Israel stehen in der Gefahr, sich auf die eigenen Möglichkeiten zu verlassen, auf ihren Reichtum, auf ihre Macht, auf die Stärke ihrer Armee. Alle diese Dinge sind an sich nicht schlecht. Jedes Land braucht materielle Reichtümer, braucht Möglichkeiten zur Verteidigung. Problematisch wird es, wenn ich mich allein darauf verlasse. Denn das ist doch klar: Je größer der Wohlstand, je mächtiger die eigenen Streitkräfte, desto weniger muss ich mich auf Gott verlassen. Gebet scheint dann nicht mehr nötig. Ich kann die Hände sinken lassen, weil ich nicht mehr alles von Gott erwarte, sondern alles selbst regeln kann.
Ich werde bei diesem Vers an ein Ereignis aus der Wüstenwanderung des Volkes Israel erinnert. In 2. Mose 17 kann ich diese Geschichte nachlesen. Die Amalekiter, ein Nomadenvolk im Süden Palästinas, versuchten den Einzug des Volkes Israel in das gelobte Land zu verhindern. Mose, der Anführer des Volkes Israel, stellt sich nicht selbst zum Kampf gegen die Feinde, sondern beauftragt Josua, diesen Kampf zu führen. Er selbst will in der ganzen Zeit des Kampfes beten. Dazu stellt er sich auf einen Hügel. So kann er selbst den Kampf beobachten und wird zugleich von den Kämpfern gesehen. Zum Gebet erhebt Mose seine Hände als Zeichen, dass er auch hier alles von Gott erwartet.
Solange Mose seine Hände erhoben hat, behalten die Israeliten im Kampf die Oberhand, wenn er aber seine Hand sinken lässt, siegt Amalek. Es wird deutlich: Alles hängt am Gebet, Mose darf nicht nachlassen. Aber mit der Zeit werden ihm die Arme lahm. Er kann sie nicht immer hochhalten und dann kommt Israel in Bedrängnis. Das sehen auch seine Begleiter, Aaron und Hur. Deshalb stellen sie sich links und rechts neben ihn und stützen seine Arme, bis die Sonne untergeht. Am Ende des Tages besiegt Israel die Feinde, aber nicht, weil sie so stark sind oder Josua ein so tüchtiger Heerführer ist, sondern weil Gott zu ihnen steht. Ausdrücklich beauftragt Gott Mose: Schreibe dies zum Gedächtnis in ein Buch und präge es dir und dem ganzen Volk ein: Ihr könnt getrost sein, wenn ihr eure Hände nicht sinken lasst. Das gilt bis heute: Wenn wir alles von Gott erwarten, dürfen wir in unserem Tun getrost sein und werden erleben, dass auch unserer Hände Arbeit ihren Lohn bekommt.
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