Navigation überspringen

/ Wort zum Tag

Geborgen in Gottes Händen

Die Bibelstelle Lukas 23,46 – ausgelegt von Bernhard Berends.

Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.

Lukas 23.46

Meine Hände sind doch ein Wunderwerk, sehr beweglich, nach allen Seiten hin drehbar. Mit meinen Händen kann ich etwas festhalten, etwas ergreifen. Ich kann sie auch zu Fäusten ballen und damit zuschlagen. Mit meinen Händen kann ich jemanden herunterdrücken und erniedrigen. Ich kann sie auch jemandem hinhalten und ihm helfen, sich aufzurichten. Ich kann auch die Hände formen, um darin etwas aufzubewahren. Mir steht dabei das Bild eines Küken vor Augen, das in der Mulde zweier Hände geborgen ist.

Auch im übertragenen Sinn spreche ich von den Händen, so, wenn ich sage: „Ich begebe mich in die Hand eines anderen.“ Das bedeutet dann: Ich vertraue mich diesem Menschen an. Ja, er hat mich dann in der Hand, aber ich vertraue darauf, dass er Gutes für mich tut und bewirkt.

Als Jesus am Kreuz hängt, da ruft er: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.“ Es sind die letzten Worte des sterbenden Jesus. „Und als er das gesagt hatte, verschied er.“ So lesen wir im Lukasevangelium. Diese Worte stehen im Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeine.

Seinem Tod am Kreuz gingen für Jesus schwere Stunden voraus. Er wurde wie ein Schwerverbrecher behandelt, zum Tode verurteilt und wie ein Terrorist gekreuzigt.

In der Bibel wird berichtet: Jesus ergab sich nicht in sein unabänderliches Schicksal. Sein Sterben war auch keine Kapitulation vor der römischen Staatsmacht oder der jüdischen Obrigkeit. In der Bibel wird ausdrücklich betont: Er, der Sohn Gottes, der ohne Sünde ist, er ging diesen Weg ans Kreuz, weil er seinem Vater, weil er Gott gehorcht. Und in der Bibel wird immer wieder betont: Er ging diesen Weg um unsertwillen. Er büßte für unsere Schuld.

Als es so weit war, als er merkte, dass sein Leben zu Ende ging, da sprach er dieses Gebet: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände“. Ganz bewusst legte er sein Leben in Gottes Hände, in die Hände seines himmlischen Vaters. Er wusste: In diesen Händen bin ich gut aufgehoben. Sie bringen mich durch die dunkle Macht des Todes hindurch ins Licht der Ewigkeit.

Ich habe als Pastor und Seelsorger gelegentlich Menschen auf der allerletzten Wegstrecke ihres Lebens begleitet. Und es hat mich berührt, wenn sie ihr Leben ganz bewusst dem Herrn über Leben und Tod anvertraut haben. Und ich hoffe, dass ich, wenn meine letzte Stunde bevorsteht, auch so beten kann: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände.“

Ja, und auch am Ende jedes Tages kann und darf ich so beten, wenn ich im Bett liege und den Tag in meinen Gedanken vorbeiziehen lasse. Ich denke an schöne Begegnungen und angenehme Gespräche, auch an Sorgen, die mich bewegen, oder von denen mir erzählt wurde, an das, was ich an dem Tag erreichen und bewältigen konnte. Alles lege ich am Ende des Tages in Gottes Hände zurück. Ja, mein ganzes Leben vertraue ich ihm jetzt an, und ich kann ruhig einschlafen. Mein Leben ist ja in Gottes großen Händen geborgen - ein schönes Bild für die Fürsorge Gottes: Seine Hände, die mich umgeben, wie die Hände eines Menschen einem kleinen Küken Geborgenheit geben.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie diesen Tag mit allem, was er Ihnen auch bringen mag, am Ende in Gottes Hände legen können, ja, dass Sie sich selbst, Ihr Leben, Ihren Geist den großen Händen unseres Gottes anvertrauen können.

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht. Bitte beachten Sie beim Schreiben Ihres Kommentars unsere Netiquette.