/ Wort zum Tag
Gott hat das letzte Wort
Die Bibelstelle Nehemia 13,2 – ausgelegt von Wolfgang Ortmann.
Unser Gott wandte den Fluch in einen Segen.
Die Losung der Herrnhuter Brüdergemeine für den heutigen Tag klingt gut, hat aber auch eine bedrückende Seite. Von einem möglichen Fluch im Leben ist die Rede: Im Buch Nehemia, Kapitel 13, Vers 2 heißt es: „Unser Gott wandte den Fluch in einen Segen.“ Kommt Ihnen das bekannt vor? Es gibt Situationen im Leben, die sich zunächst wie ein Fluch anfühlen. Ein Weg, den man gerne gehen wollte, wird versperrt. Ein Plan zerbricht. Menschen enttäuschen. Gott scheint ein Gebet zu überhören. Wir fragen uns: Warum passiert das jetzt? Aber Gott hat besondere Möglichkeiten: Er kann Dinge wandeln. Darauf macht Nehemia aufmerksam. Er erinnert an eine bedrohliche Situation des Volkes Israel. Jahrzehnte waren die Israeliten unterwegs aus Ägypten in die neue Heimat, die Gott ihnen versprochen hatte. In der Nähe von Jericho wird ihnen der Weg versperrt. Die Feinde Israels wollen das Volk mit Hilfe eines Sehers namens Bileam verfluchen, um es leichter zu besiegen. Doch Gott lässt den Fluch über sein Volk nicht zu. Was gegen Israel gerichtet war, wird am Ende zur Hilfe für das Volk. Es wird zum Segen. Das ist ein wunderbares Beispiel für Gottes Möglichkeiten.
Gott kann Sie und mich nicht nur vor dem Bösen bewahren. Er kann sogar das, was gegen uns gerichtet ist, gebrauchen, sodass daraus etwas Gutes entsteht. Vielleicht kennen Sie solche Erfahrungen selbst. Etwas, das zunächst wie ein Rückschlag aussah, wurde später zu einer großen Hilfe. Eine Enttäuschung mit einem Menschen, der für Sie wichtig war, führte zu einer neuen Begegnung. Eine verschlossene Tür öffnete einen anderen Weg. Eine schwere Zeit hat ihren Glauben vertieft. Das bedeutet nicht, dass alles, was Ihnen und mir widerfährt, deshalb auch gut ist. Die Bibel verklärt Leid nicht. Es gibt Schmerz im Leben, den wir einfach nicht verstehen. Aber wir können darauf vertrauen, dass Gott größer ist als das, was uns begegnet. Jemand mag uns verfluchen, aber Gott hat das letzte Wort. Menschen lehnen uns ab, aber Gott kennt unseren Wert. Eine Situation erscheint hoffnungslos, aber Gott sieht Möglichkeiten, die wir noch nicht sehen. Vielleicht stehen Sie gerade an einem Punkt, an dem Sie nur den Fluch erkennen: Sorgen, Unsicherheit, Verlust oder Enttäuschung. Dann können Sie voller Hoffnung beten: „Herr, ich verstehe nicht, warum gerade alles so ist. Aber ich vertraue darauf, dass du größer bist als diese Situation. Wende du, was gegen mich gerichtet ist, dir will ich vertrauen.“
Gottes Antwort kommt nicht immer sofort. Manchmal braucht es Geduld. Manchmal erkennen wir erst viel später, wie Gott geführt hat. Aber Gottvertrauen gründet nicht darauf, dass wir den Ausgang kennen. Es gründet darauf, dass wir den kennen, der den Ausgang in seiner Hand hält. Darum können wir mit Hoffnung weitergehen. Was zunächst wie ein Fluch aussieht, ist für Gott nicht das Ende der Geschichte. Der Gott Nehemias ist auch heute derselbe Gott wie vor zweieinhalbtausend Jahren. Er kann Wege öffnen, wo wir keine sehen. Er kann Herzen verändern, wo wir keine Möglichkeiten erkennen. Gott kann eben aus schweren Erfahrungen Segen wachsen lassen. So können wir heute darauf vertrauen, dass Gott sieht und tut, was für uns gut ist. Und wir können von ihm die Gewissheit erbitten, dass er in jeder Situation das letzte Wort hat.
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