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Die Richtschnur meines Lebens

Die Bibelstelle 5. Mose 5,32 – ausgelegt von Dorothee Döbler.

So habt nun acht, dass ihr tut, wie euch der HERR, euer Gott, geboten hat, und weicht nicht, weder zur Rechten noch zur Linken.

5. Mose 5,32

Je älter meine Mutter wurde, umso mehr lebte sie in der Vergangenheit. Sie hatte die Kriegsjahre noch bewusst miterlebt, wurde ausgebombt und musste bei Null anfangen, sich ihr Leben aufzubauen. Immer wieder erzählte sie davon. Ich weiß, dass es mich lange genervt hat, immer die gleichen Geschichten zu hören. Aber je älter ich wurde, umso wichtiger wurden sie mir. Sie erklären mir, welcher Motor hinter dem Handeln meiner Mutter steckte, warum meine Mutter zu der Persönlichkeit wurde, die ich kannte und die mich prägte.

Wenn ich zurückschaue, kann ich vieles besser verstehen, was im Heute ist. Es hat mich berührt, dass auch in der Bibel ein ganzes Buch einer Rückschau gewidmet ist, das 5. Buch Mose. Das Volk Israel wurde von Mose aus der Sklaverei in Ägypten herausgeführt. Sie wollten in ein Land gehen, das Gott ihnen versprochen hatte, in das Gelobte Land. Diese Wanderung dauerte 40 Jahre. Und so waren viele der Menschen, die seinerzeit in Ägypten aufgebrochen waren, schon gestorben, als das Volk endlich an der Grenze dieses verheißenen Landes stand. Mose, ihr Anführer vom ersten Tag an, lebte noch. Aber er spürte, dass sein Ende nahe war. Und darum wollte er den Nachgeborenen noch einmal erzählen, wie es zu dem Aufbruch gekommen war, welche Hindernisse ihnen im Weg lagen, welche Kämpfe gegen andere Völker sie bestehen mussten. Vor allem wollte er ihnen von dem erzählen, der zu dem Aufbruch aufgerufen hatte: von Gott. Gott hatte einen Bund mit diesem Volk geschlossen. Es stand unter seinem besonderen Schutz. Im Gegenzug dazu musste das Volk versprechen, nur diesen einen Gott anzubeten und bestimmte Regeln des Miteinanders einzuhalten. Zehn Gebote waren es, die Gott vorgab und Mose auf zwei Steintafeln diktierte. Ganz eindringlich wiederholt Mose in seiner Rede an das Volk diese Gebote und endet mit den Worten:

„So habt nun acht, dass ihr tut, wie euch der HERR, euer Gott, geboten hat, und weicht nicht, weder zur Rechten noch zur Linken.“ (5. Mose 5,32)

Er will damit sagen: vor euch liegt eine schwierige Zeit, wenn ihr in das neue Land kommen werdet. Wahrscheinlich wird es zu Kämpfen kommen mit den Menschen, die jetzt dort leben. Aber Gott hat es so gewollt, Er hat euch dieses Land versprochen. Und er wird euch begleiten, wenn ihr euch an seine Gebote haltet. Dann bleibt ihr unter seinem besonderen Schutz!

Die Zehn Gebote hatten ihre Gültigkeit nicht nur für das Volk Israel damals, sie gelten auch heute noch. Teilweise sind sie sogar in unsere Verfassung eingeflossen. In ihrer tiefen Wahrheit geben sie mir vor, wie ich mich Gott und meinen Mitmenschen gegenüber verhalten soll, so dass Friede zwischen den Menschen bleibt. Und der Friede wird verlässlicher, je weniger ich davon abweiche, nicht nach rechts und nicht nach links.

So sehr mich die Erfahrungen meiner Mutter geprägt haben, noch mehr haben mich die 10 Gebote geprägt, die für mich in meinem Leben zu einer verbindlichen Richtschnur wurden und durch die ich mich unter dem Schutz Gottes weiß.

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