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/ Wort zum Tag

Ich möchte etwas sehen von der Kraft Gottes!

Die Bibelstelle Markus 16,20 – ausgelegt von Renate Schmidt.

Die Jünger zogen aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen.

Markus 16,2

Die Jünger gehen also los und laden andere ein zu Jesus. Und da passiert was: der Herr wirkt mit ihnen und bekräftigt das Wort durch die mitfolgenden Zeichen. Diese Zeichen werden vorher genannt: Dämonen austreiben, in neuen Sprachen reden, gefährliche Schlangen und tödliches Gift schaden ihnen nicht, Kranke werden gesund … Man konnte damals etwas sehen von der Kraft Gottes!

Das macht mich so sehnsüchtig! Oh, ich möchte auch etwas sehen! Bekümmert schaue ich zurück auf meinen aktiven Dienst – und sehe vor allem „Rückbau“: Das Pfarrhaus leer, Gottesdienste reduziert, Yogakurs im Gemeindehaus… Wo ist da Aufbruch, Begeisterung, neues Leben? Fehlanzeige.

Ja, ich weiß: es ist eine „Saat auf Hoffnung“, das sagt man immer wieder. Ist das nicht leere Tröstung? Oder sind nur meine Augen blind? Zugegeben: Schlangen und Gift sind nicht mein Problem – das war wohl damals nötig, in einer Welt mit solchen Gefahren. Aber dass Kranke gesund werden – das wünsche ich einigen Menschen meiner Umgebung!

Gucke ich vielleicht in die falsche Richtung? Muss ich eher genauer hinsehen?

Meine Bekannte Moni hat in unserem Dorf ein Bistro – und sie hat es auf dem Herzen, Frauenfrühstück zu machen. Sie ist patent und gläubig – auch durch eine Lebensgeschichte „mit Kurven“. 17 Frauen sind wir jedes Mal, mehr nicht – aus Platzgründen, und um noch ein Gespräch zum Thema führen zu können. Jedes Mal ist das Frühstück sofort ausgebucht; wir fragen uns manchmal, ob es den – meist älteren – Frauen nur darum geht, einen Vormittag rumzukriegen – oder um Gott näher zu kommen? Keine Ahnung, aber die Frauen kommen gerne, und es ist eine gute Stimmung. Dabei wird jedes Mal zu Beginn und am Ende gebetet, wir singen ein paar Lieder, kommen ins Gespräch über Lebensthemen – neben einem leckeren Frühstück natürlich!

Letztes Mal sagte eine Frau beim Verabschieden – mit Sehnsucht in der Stimme: „Ich hätte auch gerne so einen Glauben!“ Ist das nicht schon ein Zeichen, dass eine Heilung in Gange ist – die Heilung eines tiefen Schmerzes, den sie erfahren hat – weil sie ihren Mann verloren hat?

Moni und ich sind einfach losgegangen – so wie die Jünger damals. Wir predigen sozusagen „an allen Orten“ – nicht in einer Kirche mit Kanzel, aber an Tischen im Bistro. Sollen wir in Panik kommen, weil nach acht Treffen „noch nichts passiert ist“? Ist es nicht schon Zeichen genug, dass die Frauen gerne kommen – und bei manchen vielleicht eine Sehnsucht wächst nach einem Leben mit Gott?

Ja, ich wünschte mir mehr, natürlich! Aber ein Riesentrost ist für mich, was in der Bibel steht: Der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort: ER wirkt – ER bekräftigt! WIR sind nur losgegangen und haben das getan, was wir auf dem Herzen hatten. Wir sind nur Mitarbeiter Jesu, das entlastet vom Druck des Erfolgs.

Das erinnert mich an die erste Zeit mit meinem Mann: Er ist groß und hat lange Beine. Wenn wir spazieren gegangen sind, Hand in Hand – bin ich oft neben ihm „hergehoppelt“: er macht einen langen Schritt – ich brauche anderthalb Schritte für die gleiche Strecke. Gar nicht so einfach, ruhig und zügig miteinander zu laufen.

Ist es nicht auch so mit Jesus? Wir laufen zusammen. Ich hopple nebenher, hastig und bemüht, in seinem Rhythmus zu gehen. Er geht ruhig daneben. Wenn er alleine laufen würde – wäre es einfacher für ihn. Aber er will uns beteiligen an seinem „Lauf in der Welt“.

Dass ich als Rentnerin noch weiter tätig bin in der Verkündigung – darüber staunen andere oft. Ist das nicht auch ein Zeichen: Die Botschaft ist es wert, weitergesagt zu werden – auch ohne Pflicht? Ein Zeichen für die Kraft Gottes!?

Manchmal sehe ich die kleinen Zeichen nicht, wie die Sehnsucht bei dieser Frau, oder wie ein „Sorgenkind“ von mir schon viel offener geworden ist – sagen andere! – und nun regelmäßig in eine Gemeinde geht? Ich bin oft sehr ungeduldig – aber ich will auf Jesus sehen und in seinem Tempo gehen!

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