Navigation überspringen

/ Wort zum Tag

Formbar

Die Bibelstelle Jesaja 64,7 – ausgelegt von Dagmar Janssen.

HERR, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.

Jesaja 64,7

„Herr, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk.“ – (Jesaja 64,7)

Diese Erkenntnis formuliert der Prophet Jesaja im Namen des Volkes Gottes. Sie ist eingebettet in dem Bekenntnis, in der Vergangenheit selbstsüchtige Wege gegangen zu sein und die eigene Gerechtigkeit als Maßstab des Handelns genommen zu haben. Israel steht schuldbeladen vor Gott und greift nach des Töpfers Hand, wie nach einem rettenden Strohhalm.

Und wer kennt das nicht von sich: Ein falsches Wort, ein Fehler im Job, Streit in der Familie – und schon kommen sie, die leisen Stimmen im Inneren: „Du bist nicht gut genug.“ „Andere kriegen das besser hin.“ Selbstzweifel nagen an mir, oft stärker als ich es mir eingestehen will.

Und dann steht da dieser Satz aus der Bibel: Wir sind Ton. Und Gott ist der Töpfer.

Das klingt zunächst nach etwas Formlosem, vielleicht sogar Wertlosem. Ton ist weich, verletzlich, leicht zu verformen. Aber genau darin liegt seine Stärke: Ton ist gestaltbar. Er kann etwas werden. Und vor allem: Er ist in den Händen eines Künstlers.

Wenn ich mich selbst betrachte, sehe ich oft nur das Unfertige. Die kleinen Risse, die Unebenheiten, das, was noch nicht passt. Und ich fühle mich eher wie ein misslungenes Stück Ton als wie ein gelungenes Kunstwerk. Unser Gehirn ist darauf programmiert, Fehler stärker wahrzunehmen als Gelungenes. Ich erinnere mich länger an Kritik als an Lob. Ich sehe schneller, was fehlt, als das, was da ist.

Doch der Blick des Töpfers ist ein anderer.

Ein Töpfer sieht nicht nur, was gerade ist. Er sieht, was entstehen kann. Er kennt das Material, seine Möglichkeiten, seine Grenzen. Und er arbeitet geduldig. Schritt für Schritt. Mit Druck – ja, manchmal auch das. Aber nie ohne Ziel, nie ohne Sinn.

Wenn ich glaube, ich muss perfekt sein, dann setze ich mich selbst unter einen Druck, der mich eher zerbrechen lässt als wachsen. Der biblische Gedanke ist ein anderer: Du bist nicht dein eigenes Projekt. Du musst dich nicht selbst formen bis zur Perfektion. Du wirst geformt von einem, der dich von Geburt an kennt.

Das kann entlasten. Und vielleicht ist genau dieser Gedanke der Schlüssel zu einem gesunden Selbstwert: nicht aus sich selbst heraus perfekt sein zu müssen, sondern sich als gewollt zu verstehen, als bewusst geformt.

Das bedeutet nicht, dass alles in meinem Leben glatt läuft. Auch ein Gefäß aus Ton hat seine Spuren, die im Prozess entstehen. Sie gehören dazu. Sie erzählen eine Geschichte. Und vielleicht lerne ich, meine eigenen „Risse“ anders zu sehen: nicht nur als Makel, sondern als Teil dessen, was mich einzigartig macht.

Wenn Gott der Töpfer ist, dann ist Ihr Leben kein Zufallsprodukt. Dann sind Sie kein misslungenes Experiment. Dann sind Sie ein Werk in Arbeit – mit Würde, mit Wert, mit einer Form, die vielleicht noch nicht fertig ist, aber längst Bedeutung hat.

Der Ton in den Händen des Töpfers weiß nicht, was er einmal wird. Aber er darf darauf vertrauen, dass die Hände, die ihn formen, gut sind. Das möchte ich Ihnen heute kraftvoll zusprechen. Sie sind in des Töpfers Hand geborgen, gewollt und liebevoll geformt, bis Sie dem Töpfermeister immer ähnlicher werden.

Sie möchten noch tiefer in die Bibel eintauchen? Wir empfehlen unsere Sendereihe:

Anstoß

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht. Bitte beachten Sie beim Schreiben Ihres Kommentars unsere Netiquette.