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Getröstet von Gott: Wie Sie selbst zum Trost für andere werden

Die Bibelstelle 2. Korinther 1,4 – ausgelegt von Günter-Helmrich Lotz.

Gott tröstet uns in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.

2. Korinther 1.4

Weil unsere Tochter bei der Geburt ganz blau war, kam sie sofort in die Kinderklinik. Als ich sie dort am Brutkasten aufsuchte, konnte ich es an ihren Augen gleich erkennen. Sie hatte das Down-Syndrom. Für uns brach eine Welt zusammen. Am nächsten Morgen musste ich unseren fünfjährigen Sohn in den Kindergarten bringen. Dort wusste man, dass wir ein Baby erwarteten. Ich wurde groß angeguckt. „Wir haben eine Tochter“, sagte ich mit wenig Begeisterung. Ein ‚aber‘ musste ich anfügen, aber sie hat das Down-Syndrom. Kurze Betroffenheit. Dann sagte die Kindergartenleiterin: „Wir haben noch keinen Tag mit unserem Stephan bereut.“ Ihr Stephan hatte ebenso das Down-Syndrom. Dieser eine Satz traf wie ein Blitz in meine dunkle Stimmung. Wenn diese Frau als Betroffene das sagt, dann kann es doch gar nicht so schlimm sein. Dieser eine Satz hat mir Mut und Zuversicht gegeben. Gleichzeitig habe ich gelernt, welch einen Unterschied es ausmacht, ob eine Betroffene spricht oder jemand nur Allgemeinplätze von sich gibt, wie ‚das schaffen sie schon‘ oder ‚diese Kinder sind doch ein Sonnenschein‘.

Besonderen Trost brauchten auch bereits die ersten Christen. Sie waren besonderen Anfeindungen ausgesetzt und Verfolgung. Dabei hat der Apostel Paulus festgestellt: Gott tröstet uns in aller unserer Bedrängnis. Wie kann Gott Menschen trösten? Das geschieht oft durch Menschen wie in meinem Fall. Oder es kann ein Bibelwort sein, dass mir neuen Mut macht. Oder im Gebet gewinne ich neue Zuversicht.

Das, was Paulus beschreibt, war eine wertvolle Erfahrung für ihn und für viele seiner Mitchristen. Aber eben nicht nur für sie. Das ist das Besondere.

Denn Leid zu erfahren und Trost zu empfangen, kann sich noch viel weitreichender auswirken. Der Apostel fährt nämlich fort: damit auch wir trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind‘. Wer Leid und Trost selbst erfahren hat, besitzt eine Voraussetzung, andere in ihrer Not zu trösten, wie es ein Unbeteiligter kaum vermag.

Von daher beinhalten die Worte des Apostels eine zweifache Herausforderung. Wenn er sagt, dass Gott uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, dann ist unser Vertrauen gefragt. Wir brauchen die Erwartung nicht aufgeben, dass Gottes Trost uns auch heute in einer scheinbar trostlosen Situation erreichen will. Nicht zu Unrecht nennt Paulus Gott, den Gott allen Trostes.

Die zweite Herausforderung besteht darin, dass die Trosterfahrung durch Gott eine Befähigung bedeutet. Leiderfahrung macht sensibel für das Leid anderer. Und wer das Leid anderer wahrnimmt, das dem eigenen ähnelt, der kann als Betroffener Mut machen und aufrichten - so wie es die Kindergartenleiterin damals bei mir getan hat. Und sie lag nicht falsch. Ihre Ermutigung hat durchgetragen und sich bestätigt.

Gott tröstet auf vielfältige Weise und macht aus Getrösteten Tröster. Beides ist gefragt.

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