/ Wort zum Tag
Kontakt zu Jesus
Die Bibelstelle Johannes 6,37 – ausgelegt von Reinhard Arnold.
Jesus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.
Da stehe ich nun vor einer geschlossenen Tür. Ich habe auf die Klingel gedrückt und warte. Bisher hat sich noch nichts gerührt. Ob wohl überhaupt jemand da ist? Und wenn ja, wie wird er oder sie auf mein Anliegen reagieren? Werde ich schroff abgewiesen oder willkommen geheißen und hereingebeten? Das ist so eine spannende Sache mit Hausbesuchen. Aber als Pfarrer gehören sie zu meinem Alltag.
Die unterschiedlichsten Erfahrungen konnte ich hierbei schon sammeln. Einmal, als ich einer betagten Seniorin zum Geburtstag gratulieren wollte, schloss die Tochter die Tür gleich wieder vor mir zu mit den Worten: „Das passt heute gar nicht, meine Mutter hat Geburtstag!“
Manchmal trösteten mich in solchen Augenblicken die Worte Jesu aus dem Johannesevangelium, Kapitel 6, Vers 37: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“
Es ist beruhigend zu wissen, dass es bei Jesus keine Einschränkungen gibt. Bei ihm kann nicht eine falsche Begrüßung oder eine Ungeschicklichkeit von vornherein das Gespräch verhindern oder belasten. Jesus empfängt offen jeden, der zu ihm kommt. Er macht keine Einschränkungen, fordert keine Voraussetzungen. Wer kommt, darf zu ihm.
Klingt ja ganz einfach. Aber wie soll das praktisch aussehen? Ich habe ja keine Adresse, die ich einfach in mein Navigationssystem eingeben kann und dann auf Starten drücke. Da ist keine Haustür, vor der ich stehen und warten kann.
Natürlich weiß ich, was zu tun ist. Schon als kleines Kind habe ich es gelernt. Kontakt zu Jesus nehme ich auf, indem ich bete.
Beten – eine komische Sache. Reden mit jemanden, den ich nicht sehe, nicht höre, der mir nicht mit deutlicher Stimme sofort antwortet.
Aber ich kenne doch andere Formen der Kommunikation, die auch mit Einschränkungen verbunden sind. Früher, als wir uns noch Briefe geschrieben haben; da musste ich auf Antworten warten und wusste vorher nicht so ganz genau, wie die Reaktion wohl ausfallen wird. Heute am Telefon ist die Zeit der Ungewissheit auf ein Minimum verkürzt, bis mein Gegenüber antwortet. Aber da fehlt dann immer noch das Mienenspiel, das manchmal die Worte entscheidend ergänzt.
Ja, Beten ist anders als ein normales Gespräch. Aber das kann ich lernen. Schließlich habe ich sogar das Sprechen gelernt, als ganz kleines Kind, nur aufgrund der Reaktionen meiner Eltern und meiner Umwelt.
Da ist es doch gut, dass am Anfang diese Zusage steht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“
Jesus will und wird mir helfen, wenn ich den Kontakt zu ihm suche.
Ich finde seine Antworten in dem, was ich erlebe. Ich finde seine Antworten in den Gedanken, die mir plötzlich kommen. Ich finde seine Antworten in dem, was mir aus Worten meiner Gesprächspartner plötzlich klar wird. Ich finde seine Antworten, in dem, wie mein Leben weiter verläuft und was mit mir geschieht.
Natürlich muss ich lernen, genau hinzusehen, hinzuhören, hinzuspüren. Dabei hilft mir die Gemeinschaft meiner Mitchristinnen und Mitchristen, die auf demselben Weg sind und mit denen ich mich über meine Erfahrungen austauschen kann.
Gemeinsam mit ihnen bin ich eingeladen, diese Erfahrung mit Jesus zu machen: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.
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