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Was dem Leben Sinn gibt

Der Bibeltext Prediger 2,1-11.24-26 – ausgelegt von Uli Limpf.

Ist’s nun nicht besser für den Menschen, dass er esse und trinke und seine Seele guter Dinge sei bei seinem Mühen? Doch dies sah ich auch, dass es von Gottes Hand kommt. Denn wer kann fröhlich essen und genießen, wenn nicht ich? Denn dem Menschen, der ihm gefällt, gibt er Weisheit, Verstand und Freude; aber dem Sünder gibt er Mühe, dass er sammle und häufe und es doch dem gegeben werde, der Gott gefällt. Auch das ist eitel und Haschen nach Wind.

Prediger 2,1–11.24–26

Die Frage nach dem gelungenen Leben

Habe ich das Beste aus meinem Leben gemacht? Manchmal kommt diese Frage in Krisenzeiten des Lebens hoch: z. B. dann, wenn man bei einem Menschen eine schwere Krankheit diagnostiziert und es auf Messers Schneide steht, was aus seinem Leben wird.

Die meisten Menschen stellen die Frage aber zu einem Zeitpunkt, an dem eigentlich alles rund läuft, zu einem Zeitpunkt, an dem es wirklich niemand erwartet.

Ich habe die Frage bei der Frau eines Kollegen entdeckt. Sie hatten früh geheiratet, so Anfang 20.

Bald kam das erste Kind, dann das zweite und das dritte. Als sie irgendwann Mitte dreißig war, überlegte sie intensiv, ob sie noch das Abitur nachholen soll – in Abendkursen. Irgendwie lebte sie immer mit dem Gefühl: Ich habe etwas im Leben verpasst. Ich hätte gerne eine andere, eine bessere Ausbildung gemacht.

Ich habe die Frage bei einem alten Landwirt in meiner ersten Gemeinde entdeckt. Er musste die elterliche Landwirtschaft übernehmen. Aus beengten Verhältnissen heraus hatte er einen Aussiedlerhof gebaut, den Betrieb vergrößert. Geheiratet, 5 Kinder und sein Leben lang nur geschuftet. Eines seiner Kinder hat den Hof übernommen.

Immer wenn ich zu ihm kam, sinnierte er über diese Frage: War das okay, wie ich es gemacht habe? Hätte ich es nicht ganz anders in meinem Leben machen sollen?

Haben diejenigen das Beste aus ihrem Leben gemacht, die sehr reich geworden sind, oder diejenigen, die wirklich berühmt geworden sind?

Salomos Suche nach Erfüllung

Auch Salomo sinniert im zweiten Kapitel des Predigerbuches über diese Frage nach: Habe ich das Beste aus meinem Leben gemacht?

Salomo hat viele Lebensmodelle, viele Sinnmöglichkeiten für sein Leben ausprobiert. Was hat er nicht alles unternommen, um dem Leben auf die Spur zu kommen?

Salomo sagte sich: „Ich will es mit den Freuden des Lebens versuchen und herausfinden, was sie zu bieten haben! Doch ich merkte, dass auch dies vergeblich ist und keine Erfüllung bringt.“ (Prediger 2,1; HFA)

Er hat gelebt, dass die Fetzen fliegen. Wie modern doch Salomo schon damals war – oder wie altmodisch wir doch heute sind. Ich will tun, was mir Spaß macht. Ich will essen und trinken, Feste feiern und fröhlich sein, wenn es sein muss bis zum Rausch, bis zum Exzess. Im 1. Buch der Könige, Kapitel 5, wird beschrieben, was das den Königshof gekostet hat.

Unter anderem täglich 90 Sack Mehl, 30 Rinder und hundert Schafe. Doch am Schluss sagt Salomo: Alles eitel und Haschen nach Wind. Es hat mir nichts gebracht.

Auch das zweite Lebensmodell Salomos ist heute aktuell. Salomo arbeitete bis zum Umfallen, um darin den Sinn des Lebens zu finden. In den Versen 4–8 beschreibt er das:

„Ich schuf große Dinge: Ich baute mir Häuser und pflanzte Weinberge. Ich legte Ziergärten und Parks für mich an und bepflanzte sie mit Obstbäumen aller Art. Ich baute große Teiche …“ (HFA).

Salomo war der Erbauer eines der Weltwunder der Antike, des Tempels in Jerusalem.

Er hätte stolz sein können auf sein Lebenswerk. Doch als er einmal nüchtern und tiefgreifend Bilanz zieht über seiner Hände Arbeit, kommt er zu dem ernüchternden Urteil:

„Doch dann dachte ich nach über das, was ich erreicht hatte, und wie hart ich dafür arbeiten musste, und ich erkannte: Alles war letztendlich vergebens – als hätte ich versucht, den Wind einzufangen! Es gibt auf dieser Welt keinen bleibenden Gewinn“ (HFA).

Salomo investierte in Kultur – insbesondere in die Musik – und gönnte sich auch im Blick auf Sexualität alles, was ein Mann sich damals ausdenken konnte. Mit seinen vielen Frauen wurden alle erotischen Phantasien wahr. Die nüchterne Bilanz ist die, dass ihm das viele Probleme eingebracht und ihn am Ende sogar von Gott abgebracht hat.

Salomo kommt auf seiner Entdeckungsreise des Lebens zu der mehr als ernüchternden Erkenntnis: Es lohnt sich nichts, nichts macht mich wirklich glücklich:

Wer will das schon hören? Wollen junge Menschen das hören, die das Leben noch vor sich haben und so vieles so unglaublich attraktiv finden? Wollen Menschen im mittleren Alter das hören – jetzt, wo man endlich das Geld und die Zeit hat, sich etwas leisten zu können? Wollen ältere Menschen das hören, die sich noch viele gute Jahre wünschen, weil das Leben ja so kurz war …?

Jede neue Generation probiert es wieder aus: Ich will Spaß haben, ich will etwas zustande bringen. Ich will mich gut fühlen. Ich will lachen. Salomo sagte: „Immer nur lachen ist töricht, und das Vergnügen – was hilft es schon?“ Man könnte trübsinnig werden, wenn man Salomo so zuhört. Man könnte Nihilist werden, könnte zum Ergebnis kommen: Es gibt keinen Sinn im Leben …

Die Wende zur Dankbarkeit

Im Predigerbuch, eben in diesem so ernüchternden zweiten Kapitel, kommt es dann doch noch zu einer Wende. Zu einer Wende, wie man sie gar nicht mehr erwarten würde. Alle bisherigen Überlegungen und Einsichten des Predigers hatten Gott ja als Sinnfaktor ausgespart. Wenn Salomo nun doch noch mit einer Antwort Gottes herausrückt, so darf man ihm glauben, dass er das nicht als frommen Schluss draufsetzt, sondern dass er das erlitten und erlebt hat.

Sinnerfüllung findet der Mensch nicht in dem, was er aus seinem Leben herausholt, sondern darin, dass er dankbar nimmt und genießt, was Gott ihm zum Leben schenkt. So kann man die abschließenden Sätze des Abschnitts verstehen:

„Das Beste, was ein Mensch da tun kann, ist: essen und trinken und die Früchte seiner Arbeit genießen. Doch ich weiß: Das kann nur Gott ihm schenken! Denn wer kann essen und genießen ohne ihn?“

Salomo stellt der hedonistischen Lebenseinstellung eine von Gottesfurcht geprägte Einstellung gegenüber. Die ganzen pessimistischen Urteile über den Wert des menschlichen Lebens bekommen so ein anderes Vorzeichen. Der gottesfürchtige Mensch ist nicht auf sich und seine Wünsche und Bedürfnisse fixiert. Er sieht sich in der Abhängigkeit von Gott und kann so auch noch in Mühen Freude finden.

Was aus dem Text bleibt

Was nehme ich mit aus diesem zweiten Kapitel des Predigerbuches?

1. Es ist ein Schatz, wenn ein Mensch zufrieden und dankbar sein kann. Es ist nur möglich, wenn man Gott an seiner Seite weiß. Paulus setzt diese Linie später im NT fort, wenn er an Timotheus schreibt: 1. Timotheus 4,4: „Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird.“

Was ich dankbar aus Gottes Hand nehme, das ist gut und das hinterlässt keine Leere, wenn es vorbei ist, sondern eine tiefe Zufriedenheit.

2. Das Leben feiern

Darf man das Leben genießen? Darf man sich im Leben etwas gönnen? Ja, sagt Salomo. Es ist unheilig, wenn man im Leben nur arbeitet. Es ist heilig, wenn man das Seine tut und dann aber auch das Leben genießt. Deshalb will ich lernen, das Leben zu feiern.

3. Bei Jesus ausruhen

Was tun, wenn die Mühsal und der Ärger im Leben, die Sinnlosigkeit und Verzweiflung überwiegen? Tausend Jahre nach Salomo antwortet Jesus darauf mit den Worten:

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken“ (Matthäus 11,28).
Jesus lädt mich ein, bei ihm Ruhe zu finden.

Ich meine, wenn wir diese drei Dinge beherzigen, dann wird unser Leben sinnvoll und rund:

Zufrieden und dankbar sein – arbeiten und genießen und bei Jesus zur Ruhe zu kommen. Das sind für mich tragfähige Antworten auf die wirklich großen Fragen des Lebens.

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