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/ Bibel heute

Treue zum Evangelium (1)

Elisabeth Küfeldt über 2. Timotheus 1,1-12.

Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes nach der Verheißung des Lebens in Christus Jesus, an Timotheus, mein geliebtes Kind: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und Christus Jesus, unserm Herrn! Ich danke Gott, dem ich diene von meinen Vorfahren her mit reinem Gewissen, wenn ich ohne Unterlass deiner gedenke in meinem Gebet, Tag und Nacht.[...]

2. Timotheus 1,1-12

Der zweite Brief des Apostel Paulus an seinen lieben Freund und Mitarbeiter Timotheus ist sehr persönlich geschrieben.

Das merken wir gleich am Anfang, da nimmt Paulus ihn und uns an ganz persönliche Orte seiner Seele und seiner Erinnerungen mit: 

Wir sind mit ihm in seinem Gebetskämmerchen, wo er Tag und Nacht an Timotheus denkt; er nimmt uns mit zur letzten Begegnung mit ihm, die wohl recht tränenreich endete; dann wandern seine Erinnerungen an den Familientisch zuhause bei Timotheus, wo Paulus den tiefen Glauben von Mutter Eunike und Großmutter Lois erlebt hat; er erinnert seinen geistlichen Sohn Timotheus an den Sendungsgottesdienst, in dem Paulus ihm die Hände aufgelegt hat beim Segen, mit der Bitte um den Heiligen Geist; und dann geht’s wieder zurück in die Gefängniszelle in Rom, in der Paulus gerade sitzt und Briefe schreibt; in die Gefangenschaft, die nach menschlichem Ermessen in Schande und Tod mündet – und wo sich für Paulus umso schärfer herausschält, für was sich zu leben und zu leiden lohnt: die ewige Seligkeit, die Verheißung des Lebens.

„Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen, und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht!“ – das ist kein blutleerer Lehrsatz, sondern der Triumph über alle Angst, alles Grauen, allen Kleinmut, der einen in so einer Zelle schon anfallen kann. Anfallen ja, aber nicht überwinden, so hat es Paulus erlebt, so buchstabiert er es täglich für sich durch. Und so schreibt er es seinem geistlichen Sohn Timotheus.

Diese sehr persönlichen Zeilen geben mir viel zu denken, vieles und verschiedenes, das ich Ihnen zum Nach-Denken geben möchte.

Zum einen: Für wen investieren wir so viel Zeit und Gebet, wie Paulus es tut bei Timotheus. Wem öffnen wir so unser Herz, wem schreiben wir Briefe, die sich aufzuheben lohnen? Das macht Mühe, ja, kostet Zeit, ja, das Schreiben ist vielleicht auch nicht jedem gegeben, aber ein Versuch wäre es doch wert. Eine sorgfältig gewählte Postkarte, ein liebevoller Gruß, die Versicherung „Ich bete täglich für Dich“ – so schwer ist das nicht!

Zum anderen: Wie dankbar können wir für alle Eunikes und Lois‘ sein: für Menschen, die uns etwas von ihrem Glauben weitergegeben haben, in der Familie, in der Jungschar, im Reli-Unterricht, in der Nachbarschaft. Vielleicht wäre das heute mal eine Anregung für Ihr Gebet, dass Sie all die Menschen durchgehen und für sie danken, die in Wort und Tat Zeugen von Gottes Liebe für Sie waren.

Zum dritten: Paulus geht ja sehr konkret davon aus, dass sein Segen, sein Hände-Auflegen etwas bewirkt hat in Timotheus, und er macht ihm Mut, das zu „erwecken“, ich würde sagen: das zu nutzen; darauf zu vertrauen, dass der Heilige Geist in ihm wirkt und Gaben schenkt und Früchte schafft.

Das habe ich in ganz verschiedenen Zusammenhängen so erlebt. Als Pfarrerin ist mir die Segnung bei meiner Ordination ein Schatz, aus dem ich immer wieder Kraft ziehe. Dass ich mir die Aufgaben nicht selber gesucht habe, sondern da hinein gesandt bin – das entspannt mich. Dass ich nicht in meiner Weisheit Seelsorgegespräche führen muss, sondern immer mit einem Ohr hin zum Heiligen Geist, das macht mir Mut. Ich hoffe, in Ihrer Gemeinde ist es üblich, dass diejenigen, die eine Aufgabe übernehmen, dafür auch gesegnet werden. Wenn nicht, dann bitten Sie doch Ihren Pfarrer oder die Kirchenvorstände darum!

Aber auch zu anderen Zeiten habe ich eine persönliche Segnung als sehr hilfreich, ja, als kraftvoll erlebt. Eine ist mir besonders in Erinnerung:

Als unsere Kinder geboren wurden, hatten mein Mann und ich sehr bewusst entschieden, dass ich mir Zeit nehmen darf für die Erziehung dieser kleinen Wesen – aber das war dann doch oft wenig inspirierend, eher ungeheuer ermüdend und oft genug unbefriedigend. Vor allem, als mein Mann ganz begeistert eine Mitarbeiterfreizeit mitleitete, und Abend für Abend überglücklich von den tiefen Gesprächen und schönen Erlebnissen erzählt hat – da kam mir „Kinder an- und ausziehen“, Spielzeug hinterherräumen, kochen, wieder aufräumen (in Endlosschleife!) grauenvoll banal vor. Ich wollte doch auch irgendwas Tolles für Gott machen! Ich habe mich damals dann in meiner Verzweiflung segnen lassen für meinen „Beruf“, meine Berufung als Mutter – und tatsächlich: der Stachel der Eifersucht ist verschwunden! „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht (und der Unzufriedenheit und der Eifersucht), sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“, das ist wirklich wahr! Nutzen wir doch die Möglichkeit, uns segnen zu lassen!

Ein Letztes möchte ich Ihnen zum Nach-Denken geben: Paulus schreibt seinen Brief, während an seinem Horizont deutlich der Tod droht, und auch seinem Freund Timotheus stehen als Christen schwierige Zeiten bevor.

Für uns in unserer freiheitlichen Ordnung ist das Leiden und Sterben um unseres Glaubens willen zurzeit, Gott sei Dank, kein Thema.

Aber dass der Tod, die Vergänglichkeit unseres Lebens alles überschattet, ist ja dennoch wahr. Und manche erleben es am eigenen Leib, dass die Kraft nimmer so da ist wie früher – und es „riecht“ ein erstes Mal nach Sterben; oder wenn eine schlimme Diagnose die Familie erschüttert, dann rückt der Tod grausam nahe.

Da gilt es, dem Paulus zuzuhören, der in der römischen Zelle der Angst entgegenschleudert: Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen! Ja, der Tod hat Macht, er zerreißt Familien, zerstört Lebenswerke, bricht unser Herz, aber er ist an einen Stärkeren geraten. Die Macht wurde ihm genommen, als Jesus aus dem Grab auferstanden ist.

Als meine Mutter im Sommer letzten Jahres verstorben ist, habe ich eine sehr ungewöhnliche Beileidskarte bekommen. Darauf war ein Post-It, ein Notiz-Klebezettel zu sehen, darauf stand: „Komme gleich wieder“.

Ich musste schmunzeln damals, auch wenn’s für meine Mutter natürlich nicht galt. Aber Jesus hätte so ein Post-It hinterlassen können. „Komme gleich wieder“ – so sehr ist er der Herr auch über den Tod, dass er „gleich“, nach drei Tagen, wieder gekommen ist. Jesus ist der Herr über mein und Ihr Leben. Und Sterben. Und über diesen heutigen Tag. Gott sei Dank!

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Kommentare (1)

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Ulla S. /

Danke für den sehr sehr guten Beitrag! Erhalt mich sehr ermutigt, noch mehr zu tun im Gebet und in der Segnung! Danke dafür !