/ Bibel heute
Sabbatjahr und Erlassjahr
Bibelauslegung von Friedhelm Appel über 3. Mose 25,1-12.
Und der HERR sprach zu Mose auf dem Berge Sinai: Rede mit den Israeliten und sprich zu ihnen: Wenn ihr in das Land kommt, das ich euch geben werde, so soll das Land dem HERRN einen Sabbat feiern. Sechs Jahre sollst du dein Feld besäen und sechs Jahre deinen Weinberg beschneiden und die Früchte einsammeln,[...]
Mit dem 3. Buch Mose tauchen wir ein in die Gesetzesbestimmungen für das Volk Israel zur Zeit von Mose. Es sind Lebensregeln, die ihre Gültigkeit z. T. bis heute haben. Diese Bestimmungen sind Ausdruck und Grundlagen guter Beziehungen: einmal das Verhältnis von Menschen zu Gott, einmal der Lebensalltag zwischen den Menschen und einmal die kulturellen Verhaltensweisen im Staat.
Das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen klären sie mit den Opfergesetzen, z.B. dem Sühnopfer: Die Trennung des Menschen von Gott hat den Tod zur Folge. Und stellvertretend für den Tod des Menschen soll zeichenhaft ein Tier sterben.
Aber auch für den Lebensalltag gibt es hilfreiche Tipps und gute Hinweise für ein bestimmtes Verhalten bei der einen oder anderen Situation.
Und nicht zuletzt geht es um eine Vorahnung auf Gottes Reich. In dieser Anfangszeit ist Israel noch ein theokratischer Staat. D.h., Gott regelt das ganze Staatswesen. Hier gibt Gott einen Vorgeschmack auf sein kommendes Reich.
Unser Textabschnitt lässt sich diesem dritten Aspekt zuordnen. Die Sabbatjahre und das Erlassjahr sind ganz wertvolle Hinweise auf Gottes gutes Reich, das er für seine Leute bereit hält.
Nun, was ist für uns heute wichtig?
Die Opferriten finden im Tempel in Jerusalem statt. Aber im Jahre 70 nach Christus wird der Staat Israel ausgelöscht, Jerusalem zerstört und der Tempel dem Erdboden gleich gemacht. So können seit dieser Zerstörung des Tempels diese Opferriten nicht mehr durchgeführt werden. Dieser geschichtliche Aspekt zeigt auf, wie ernst Gott das Opfer von Jesus am Kreuz von Golgatha nimmt. Das Opfer von Jesus gilt ein für alle Mal. Es braucht kein weiteres Opfer mehr. Das stellvertretende Sterben von Jesus am Kreuz ist kein Symbol. Jesus am Kreuz ist das tiefste und zugleich herrlichste Handeln Gottes für uns. Der Tod ist besiegt. Jeder, der die Stellvertretung von Jesus für sich in Anspruch nimmt, muss seine Fehler nicht mehr mit dem eigenen Tod bezahlen.
Es gilt: Mit der Beziehung zu Jesus ist das komplette Gesetz gültig und erfüllt!
Deshalb ist es richtig, dass wir auf Jesus schauen, wie er die guten Lebensordnungen Gottes an uns weitergibt. Es sind Orientierungspunkte, Leitplanken, Hilfestellungen.
Es geht also für uns Christen nicht darum, staatliche Ordnungen nach dem Alten Testament zu erzwingen. Aber es geht um unsere persönliche Lebensgestaltung und Korrekturfähigkeit.
Zum Beispiel bestärkt Jesus die Einehe. Und er bezieht sich nicht nur auf Mose, sondern vor allem auf die Zeit der Schöpfung, auf Adam und Eva.
Jesus nimmt auch das Sabbatgebot auf. Und er ordnet es ebenso von der Schöpfung her, wie es ursprünglich gemeint war: „Der Sabbat ist für den Menschen gemacht…“. (Markus 2,27)
Gott hat die Welt geschaffen in sechs Tagen und verweilte am siebten Tag. Der Sieben-Tage-Wochen-Rhythmus soll uns helfen zu verweilen.
Ist dieser Sieben-Tage-Wochen-Rhythmus nicht ein Segen für die Menschheit? Israel musste diesen Sieben-Tage-Rhythmus einüben. Der Wochenrhythmus und der Ruhetag sollten in Fleisch und Blut übergehen. Nach der ägyptischen Sklavenzeit, in der man jeden Tag und jede Stunde zur Arbeit bereit sein musste, war der Ruhetag ein Tag der Befreiung. 40 Jahre lang hat Israel diesen sieben Tage Rhythmus trainiert – in der Wüste. Und zwar als Gott das Volk mit Manna versorgte. An sechs Tagen konnten sie arbeiten und Manna sammeln. Am siebten Tage sollten sie ruhen. Da bekamen sie kein Manna, sondern konnten entspannen und das genießen, was sie am Tag zuvor gesammelt und erarbeitet hatten.
Israel hat diesen sieben Tage Rhythmus weitergelebt. Zumindest sollten sie es. Und als Israel in den verschiedensten Jahrhunderten in alle Welt zerstreut wurde, haben sie diesen Sieben-Tage-Rhythmus mitgenommen. So ist er auch im christlichen Leben aufgenommen worden. Und so hat er sich bis heute über alle Welt ausgebreitet.
Sechs Tage kannst du arbeiten, aber einmal solltest du einen Ruhetag einlegen. Der Ruhetag ist für dich, für Leib, Seele und Geist. Genieße es. Verweile. Am besten, du checkst an diesem Ruhetag dein Leben. Du lässt die Wunden heilen. Reparierst die Fehlentscheidungen. Du richtest dich neu aus auf das Ziel deiner Lebensreise.
Das ist schon eine megacoole Lebenshilfe: Gegen Ausbeutung, gegen Burnout, gegen Machtmissbrauch, gegen Erpressung und Fremdbestimmung. Jeder Mensch soll sich in Freiheit Zeit nehmen dürfen, seine Identität zu klären, seinen Weg auszurichten und sein Leben vor Gott auszubreiten.
Ruhe ist wichtig.
Sie hilft, Menschen, Ereignisse und Dinge wertzuschätzen; und das ganz unabhängig von wirtschaftlichen Maßstäben. Eine neue Ethik erscheint für die neue Woche. Ruhe nimmt sich Zeit, sie fördert die Beziehungen und ist so ein Teil von Liebe. Ruhe lenkt unseren Blick vom Vordergründigen auf das Wesentliche. Ruhe lässt uns wahre Werte leichter erkennen. Ruhe genießen, die Gemeinschaft, das Essen, aufmerksam sein, verweilen.
Ruhe – und ich bin einfach da, weil ich da bin. Das bin ich mir wert. Und du bist da, ich sehe dich. Gott ist da. Ich verweile bei ihm. Das ist er mir wert. Gott verweilt bei mir - das bin ich ihm wert.
Ruhe – das ist pulsierende Ewigkeit. Gott sei Dank, gibt es den Ruhetag. Und jetzt setzt Gott noch einen drauf:
Das Sabbatjahr. Es sollte eine gesellschaftliche Auswirkung der Ruhezeit sein. Keine Ausbeutung des Landes oder der Menschen. Das sollte es sein.
Neuorientierung nach sieben Jahren. Israel hat das wohl kaum umgesetzt. Wir Christen kennen das auch kaum. Aber im persönlichen Leben gibt es diesen Rhythmus.
Nach sechs Jahren gibt es ein neues, aufregendes Orientierungsjahr. Mit etwa sieben Jahren komme ich in die Schule, mit 14 gibt es einen Erwachsenenritus. Mit 21 beginnt eine Selbstständigkeit. Vielleicht gibt es auch nach 7 weiteren Jahren eine berufliche Veränderung oder einen Umzug. Schauen wir uns doch mal unsere persönlichen Lebensabschnitte genauer an.
Ruhen und Reifen gehören zusammen. Je langsamer ich vorangehe, desto schneller kann ich wachsen. Das sagte mir einer meiner Söhne, als er in so eine neue Lebensphase eingetreten ist.
Aber das ist noch nicht das Ende von Gottes Segen aus dem Ruhe-Rhythmus. Nach sieben mal sieben Jahren, also im 50. Jahr soll es ein Erlassjahr geben. Wurde das bisher je umgesetzt? Ich weiß nichts davon.
Jetzt kann alles zurück auf Los. Mit neuem Gepäck, mit neuem Startkapital. Ein Neuanfang ist möglich, jederzeit. Schulden erlassen, aus Gefangenschaft befreit. Fehlinvestition, Besitz, Streit und Neid. Alles erlassen. Alles neu. Gehe - gehe befreit in die Zukunft!
© Ruth Schneider / ERF
Ihr Kommentar
Kommentare (1)
Wir haben tatsächlich ein Erlassjahr erlebt. Wir haben, nachdem die Kinder nun erwachsen sind, unser Haus verkauft, beruflich eine Entscheidung gefällt (ich war Selbstständig und wir haben meinen … mehrFirmenanteil verkauft), um ein Sabbatical zu machen. Unter anderem sind wir für ein halbes Jahr in den USA wandern gewesen und nutzen dieses Jahr, um uns neu von Gott für den nächsten Lebensabschnitt aufzustellen.
Das dieses Jahr für uns auch ein Erlassjahr werden würde, hatten wir garnicht im Sinn, bis Gott uns darauf aufmerksam gemacht hat.
Auf einmal waren wir schuldenfrei. Das Haus und die Firma haben dazu geführt, daß wir seit 25 nie ohne Schulden waren. Ohne es zu merken waren wir Sklaven der Banken, des Finanzamtes und der Versicherungen geworden. Die neu von Gott geschenkte Freiheit ist enorm und wir wollen auf keinen Fall mehr dahin zurück. Natürlich muss ich noch für unseren Lebensunterhalt arbeiten, aber ich darf das mit Gott ganz neu definieren.
Ich kann nur ermutigen, in dem Lebensabschnitt, wenn man um die 50 ist und noch genug Energie und Gesundheit hat - und das passt etwa mit der Zeit, in der das Erlassjahres stattfinden soll- mutige Schritte zu gehen und sein Leben Gott neu anzuvertrauen, statt nur auf die langsam in Sicht kommenden Rente zu schauen. Gott ist treu und belohnt das!
Das Leben ist und bleibt spannend und die Liebe zu meinem Herrn wird immer größer.
Was gibt es Besseres?