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/ Bibel heute

Recht und Freiheit eines Apostels (2)

Renate von Boddien über 1. Korinther 9,19-23.

Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, auf dass ich möglichst viele gewinne. Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne. Denen unter dem Gesetz bin ich wie einer unter dem Gesetz geworden – obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin –, damit ich die unter dem Gesetz gewinne. Denen ohne Gesetz bin ich wie einer ohne Gesetz geworden – obwohl ich doch nicht ohne Gesetz bin vor Gott, sondern bin im Gesetz vor Christus –, damit ich die ohne Gesetz gewinne.[...]

1. Korinther 9,19–23

Worum geht es Paulus im Kern in diesem Abschnitt? Er will möglichst viele für das Evangelium, für den Glauben an Jesus Christus gewinnen. Das Wort "gewinnen" kommt allein in diesem kurzen Text 5 mal vor. Warum ist ihm das so wichtig? In den Versen 22, 23 finden wir die Antwort: „Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten." Und er ergänzt noch ein weiteres Ziel: „Alles tue ich, um an der Verheißung des Evangeliums teilzuhaben.“ Hier geht es also um Paulus selbst. Paulus wünscht sich, durch seinen Einsatz, sein Vorgehen, dass Viele das verheißene Heil erlangen. Sein Leiden bzw. Zurückstecken für das Evangelium zahlt sich auf diese Weise aus, dass andere Menschen Christen werden. 

Ich spüre in diesem Text: Sein Herz brannte dafür, Menschen zum Glauben an Gott, an Jesus, zu führen. Er machte das nicht aus frommem Pflichtgefühl, sondern aus Liebe zu Jesus. Er hat ja den auferstandenen Herrn auf seinem Weg nach Damaskus ganz persönlich erlebt.  Paulus wollte dort in Damaskus Christen verfolgen, festnehmen und nach Jerusalem bringen lassen. Plötzlich umstrahlte ihn ein Licht vom Himmel und er stürzte zu Boden. Jesus erschien ihm und fragte ihn damals: „Saul, Saul warum verfolgst du mich? Ich bin Jesus, den du verfolgst.“ Paulus erblindete und wurde nach Damaskus geführt. Gott heilte ihn dort und erfüllte ihn mit dem Heilligen Geist. Danach verkündete Paulus öffentlich: „Jesus ist Gottes Sohn.(Apg. 9,20). Kehrt um und glaubt an Jesus!“

Nach seiner Bekehrung hat er noch viele weitere Wunder und Gotteserfahrungen erlebt. In der Apostelgeschichte finden wir viele Bericht darüber (ab Kap.13), dass durch Paulus viele Menschen zum Glauben kamen. Mit Gottes Hilfe hat er zudem Tote auferweckt, Kranke geheilt und Dämonen ausgetrieben.

Ich kann mich natürlich nicht mit Paulus vergleichen. Aber Gott schenkt uns auch heute noch Wunder und ist persönlich erfahrbar. Er führt und behütet uns und er berührt immer wieder unser Herz. Manchmal öffnet er uns neue Türen. Haben Sie das auch schon einmal erlebt? Strecken Sie sich danach aus und beten Sie dafür? Wenn ich nach einem Gebet aufmerksam darauf achte, kann ich immer wieder Gottes Wirken erkennen. Für mich sind das Zeichen seiner Liebe und seiner Nähe zu mir. Diese Erfahrung ist so begeisternd und tief berührend, dass ich Paulus´ brennendes Herz gut verstehen kann.

Wie ging Paulus nun vor, um möglichst viele Menschen für den Glauben an Jesus Christus zu gewinnen? In Vers 19 heißt es: „Da ich von niemand abhängig war, habe ich mich für alle zum Diener gemacht...“ Er war finanziell unabhängig, da er sein Brot als Zeltmacher verdiente. Paulus fühlte sich aber auch geistlich frei durch seinen Glauben an Jesus Christus: „Wenn Euch der Sohn frei macht, dann seid ihr wirklich frei (Joh. 8,36).“ Beachtlich ist, dass er auf seine Freiheit verzichtete und freiwillig anderen Menschen diente.

Paulus schreibt: „Für Alle bin ich alles geworden, um möglichst Viele zu gewinnen:

- Den Juden ein Jude, den Heiden ein Heide, den Schwachen ein Schwacher. Allen bin ich alles geworden, um jedenfalls einige zu retten.“ Was meint er damit? Paulus versetzte sich in die Lage seiner Gegenüber. Er stellte sich auf sie ein, um sie auf Neudeutsch "abzuholen", wo sie gerade standen. Er überlegte, wie er Brücken bauen könnte, um sie mit dem Evangelium zu erreichen. Bei den Juden beachtete er bspw. die jüdischen Religionsgesetze. Bei den Heiden hielt er sich nicht daran, sondern versuchte sie aus ihrer Götterwelt heraus für Gott zu gewinnen. Inhaltlich machte er jedoch keine Abstriche beim Evangelium, indem er etwa die Auferstehung oder das Kreuz wegließ. Es war keine grenzenlose Anpassung. Denn Paulus schreibt, dass er sich an das Gesetz Christi gebunden fühlt. Damit ist die grenzenlose Liebe Gottes gemeint, die uns in Jesus Christus begegnet. Es bedeutet auch, dass Paulus sein Leben der Herrschaft und der Wegführung Jesu unterstellt hat.

Was heißt das für uns heute? Erfahrungsgemäß kann der Glaube an Jesus Christus häufig durch persönliche Beziehungen vermittelt werden. Dazu gehört liebevolle Zuwendung, Anteilnahme am Leben der anderen und gegenseitiges Sich-Öffnen. Ich hörte gerade, dass sich in diesen Krisenzeiten mehr Jugendliche und Erwachsene für den Glauben öffnen. Sie suchen nach etwas, das trägt in der Not, das Orientierung und Halt gibt. Ergreifen wir doch diese Chance und überlegen uns, wer aus der Familie oder dem Freundes- und Bekanntenkreis für Glaubensthemen jetzt offen sein könnte! Und bitten wir Gott dann um Weisheit und Führung, wie wir diese Menschen am besten erreichen können. Er freut sich über dieses Gebet und hilft gern! Er kann die Herzenstüren der Menschen öffnen und sie vorbereiten. Gott kann außerdem Gelegenheiten schenken und uns zeigen, ob ein Anruf, ein Treffen oder eine Einladung zum Essen am besten wäre und wann das geschehen sollte. Wichtig ist, dann auch zu erwarten, dass Gott eingreift und auf Zeichen und Hinweise zu achten.

Und dann sind wir an der Reihe. Ich bitte Gott vor solchen Gesprächen oft, mir die richtigen Worte auf meine Lippen zu legen. Wichtig ist, mit ganz einfachen Worten und ganz selbstverständlich über Gott und meinen Glauben sprechen zu können. Dabei sind Zeugnisse hilfreich, was ich mit Gott erlebt habe. Menschen sind dann oft sehr überrascht und beeindruckt, dass Gott auch heute so konkret erfahrbar ist. Sind Sie schon auf Spurensuche gegangen? Haben Sie schon mal bewusst überlegt, wo Gott in Ihrem Leben eingegriffen hat, sie geführt oder behütet hat? Dann erzählen Sie es weiter, auch als Ermutigung für andere! Auch Zitate aus der Bibel haben Kraft. Dafür ist wichtig, sich regelmäßig mit der Bibel zu beschäftigen. Jesus spricht: „Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben (Johannesevangelium, Kapitel 5, 24).“

Unser Glaube an Gott, an Jesus Christus, ist also entscheidend, um zum ewigen Leben zu gelangen. Lasst uns mithelfen, dass möglichst viele zum Glauben an Gott und an die gute Botschaft des Evangeliums kommen! Jetzt sehen die Chancen gut aus. Nutzen wir sie!

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