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Paulus in Rom

Der Bibeltext Apostelgeschichte 28,17-31 – ausgelegt von Marion Christa Nickel.

Es geschah aber nach drei Tagen, dass Paulus die Angesehensten der Juden bei sich zusammenrief. Als sie zusammengekommen waren, sprach er zu ihnen: Ihr Männer, liebe Brüder, ich habe nichts getan gegen unser Volk und die Ordnungen der Väter und bin doch als Gefangener aus Jerusalem überantwortet in die Hände der Römer. Diese wollten mich losgeben, nachdem sie mich verhört hatten, weil nichts gegen mich vorlag, das den Tod verdient hätte. Da aber die Juden widersprachen, war ich genötigt, mich auf den Kaiser zu berufen, doch nicht, als hätte ich mein Volk wegen etwas zu verklagen.[...]

Apostelgeschichte 28,17–31

Die Verteidigungsrede des Paulus in den Apostelgeschichte 28,17-20 vor den Juden in Rom enthält eine Reihe wichtiger Beweise seiner Unschuld, die möglicherweise auch eine Rolle spielten, als er später vor den Kaiser Nero gerufen wurde. Die sieben wichtigen Verteidigungsreden des Paulus sind nachzulesen in den Kapiteln 22, 23, 24, 26 und 27 der Apostelgeschichte. Es wurde viel von Theologen darüber diskutiert, ob Paulus zwei Gefangenschaften oder eine Gefangenschaft in Rom in der Zeit von 60-68 n. Chr. durchmachte. Die Tradition der Kirchenväter von Bischof Klemens bis Bischof Eusebius befürworten zwei Gefangenschaften mit einem Jahr der Freiheit dazwischen.

Nach dem Abenteuer auf Malta und die von Gott geführte Weiterreise nach Rom zeigte sich der römische Hauptmann außergewöhnlich milde gegenüber Paulus. Er brachte Paulus in Rom nicht in einem Gefängnis unter, wie die anderen Gefangenen, sondern separat in einer Herberge, in einer Mietwohnung.

Dort wurde er von einem Soldaten bewacht und war angekettet, doch hatte er alle Freiheit, das Evangelium zu verkündigen. Lukasv, der Verfasser der Apostelgeschichte, begleitete Paulus auf seinen Missionsreisen und soll ihm auch nach Rom gefolgt sein. Es fällt mir auf, dass Lukas in der Apostelgeschichte oft nicht namentlich genannt wird. Verschiedene theologische Erklärungen besagen, dass die Anwesenheit des Lukas an der Pluralform „wir“ in den Texten der Apostelgeschichte erkennbar werde. Lukas nahm sich also bewusst zurück, damit Paulus und das Evangelium im Vordergrund blieben. Es wäre möglich, dass Lukas der Bote war, der die Einladungen an die Ersten der Juden, also einflussreiche Juden, überbrachte. Lukas als Arzt und Evangelist diente Paulus auch als Sekretär. Aus diesem Zusammenhang wird sichtbar, dass ein guter Freund auch in schwierigen Zeiten verlässlich für den anderen da ist. Es gehört zu Gottes Grundregeln, dass Christen einander helfen und füreinander da sind und sich auch seelsorgerliche Unterstützung geben. Lukas blieb selbst dann ein treuer Freund, als sich alle anderen von Paulus abgewandt hatten.

Aufgrund der Einladung kamen viele der angesehenen Juden zu Paulus in die Wohnung. Paulus lehrte und bezeugte ihnen das Reich Gottes. Er predigte ihnen von Jesus aus dem Gesetz des Moses und aus den Propheten vom frühen Morgen bis zum Abend. Ausführlicher als irgendein anderer Schreiber im Neuen Testament entfaltete Paulus das Wesen des Gesetzes vom Sinai; das Fundament und das Mittel der Rechtfertigung vor Gott allein aus Gnade durch Glauben an Jesus Christus; sowie der Heiligung und der Verherrlichung des an Jesus Christus Gläubigen.

Das Gebet Jesu im Johannes-Evangangelium Kapitel, 17, in den Versen 1-5 zu seinem Vater im Himmel gibt einen wichtigen Aufschluss über diese wechselseitige Beziehung hinsichtlich der Verherrlichung zwischen Gott, dem Vater, und seinem Sohn und den Nachfolgern Christi. Paulus lehrte die Juden auch über Tod und Auferstehung von Jesus Christus und die Gnade des Evangeliums, denn es ist Gottes Gnade, die den Menschen zur Buße und Umkehr leiten will – so beschreibt und bezeugt Paulus es im Römerbrief.

Das erinnert mich an eine andere Bibelstelle im Lukas-Evangelium Kapitel 24 - und zwar als sich Jesus nach seiner Auferstehung den Emmaus-Brüdern anschloss. Die zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus waren aufgrund der Kreuzigung von Jesus sehr niedergeschlagen. Sie hatten seine mächtigen Taten gesehen, seiner Verkündigung der frohen Botschaft zugehört und wurden seine Nachfolger. Doch nun war Jesus gekreuzigt worden. Sie hatten zwar von einigen Frauen gehört, sie hätten Jesus lebend gesehen, aber sie konnten sich das nicht vorstellen. In ihrer Resignation verbarg sich Enttäuschung und Unglaube.

Als sie Jesus diese Ereignisse auf dem Weg berichteten, begann Jesus sie zu lehren und sprach: „O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war und schließlich offenbarte er sich ihnen.“ 

Als Paulus am Abend seine Lehre abschloss, geschah folgendes: Die einen ließen sich überzeugen von dem, was er sagte, die anderen aber glaubten nicht. Ich kann mir vorstellen, dass Paulus in gewisser Weise verstimmt war über diese unerfreuliche Situation. Er sprach hart zu den Juden: Mit Recht hat der Heilige Geist durch den Propheten Jesaja zu euren Vätern gesprochen: 
„Geh hin zu diesem Volk und sprich: Mit den Ohren werdet ihr’s hören und nicht verstehen; und mit Augen werdet ihr’s sehen und nicht erkennen“ (Jesaja 6,9-10).
So sei es euch kundgetan, dass nun den Heiden dies Heil Gottes gesandt ist; und sie werden hören.

Nach dieser herben Reaktion des Paulus zerstritten sie sich. Sie verließen Paulus und debattierten auf ihrem Heimweg lautstark über das Gehörte.

Kenne ich das nicht auch aus meinem Alltag, dass Worte fallen wie: „Du verstehst nicht, was ich dir sagen will.“ Das drückt aus: Was du sagst oder tust, ist nicht wahr, nicht richtig! Es ist vielmehr unnormal, unvernünftig. Konflikte können daraus entstehen und der Friede ist gestört. Das sehe ich auch anhand dieser Geschichte.

Die meisten Menschen hören nicht richtig zu, um zu verstehen. Nur wenige beherrschen die Kunst des aktiven Zuhörens. Oft ist auch Gleichgültigkeit im Spiel, dass sie gar nicht hören wollen. Es geht in ein Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus. Auch Ablehnung kann ein Grund sein, weshalb jemand nicht richtig zuhört und dadurch kein Verständnis erlangt. Aktives Zuhören bedeutet, dem Wort Gottes volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Hierzu augenfällig die Bibelstelle aus dem Hebräerbrief 4,2. Dort lese ich:
„Das Wort der Verkündigung nützte jenen nicht, weil es bei denen, die es hörten, sich nicht mit dem Glauben verband!“

Das Wort Gottes ermahnt, dass das Gehörte nicht nur oberflächlich gehört werden soll, sondern im Glauben verankert werden muss, um Früchte zu tragen. Daher seien Sie achtsam und offen für Gottes Wort: Hören Sie auf das, was Gott Ihnen in seinem Wort sagt. Lassen Sie es in Ihrem Herzen wirken, damit Sie nicht von Zweifeln abgelenkt werden, so wie es den jüdischen Hörern bei Paulus erging.

Hintergrundinfos zur Apostelgeschichte: 

 

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Kommentare (2)

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Rike /

Dass Paulus über die Reaktion der Juden verstimmt gewesen ist und deshalb das Zitat aus Jes 6 gesagt hat, steht nicht im Text, ist also eine persönlich Annahme der Autorin. Paulus kannte von seinen mehr

Maik W. /

Vielen Dank für die Auslegung und besonderen Dank für die interessanten Hintergrundinformationen.