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/ Bibel heute

Initiative ergreifen

Der Bibeltext Hosea 6,1-6 – ausgelegt von Renate Brunck-Rieger.

»Kommt, wir wollen wieder zum HERRN; denn er hat uns zerrissen, er wird uns auch heilen, er hat uns geschlagen, er wird uns auch verbinden. Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, dass wir vor ihm leben. Lasst uns darauf achthaben und danach trachten, den HERRN zu erkennen; so gewiss wie die schöne Morgenröte bricht er hervor und kommt über uns wie der Regen, wie Spätregen, der das Land feuchtet.«[...]

Hosea 6,1–6

Aufruf zur Umkehr

Da ergreift einer die Initiative! „Hey Leute, lasst uns …“ So redet einer, der einen Plan hat. Einer, der andere für seine Idee gewinnen will. Ein Aufruf: „Auf,“ „kommt,“ „lasst uns …“ weckt eine Stimmung des Aufbruchs und des Gemeinschaftsgefühls. Menschen werden zusammengerufen, um gemeinsam etwas zu bewegen. Haben Sie sich auch schon mal durch einen Aufruf bewegen lassen? Es gibt Aufrufe, die zu einem Slogan geworden sind und sogar legendär wurden. Zum Beispiel: „Yes - we can.“ Das war 2008 der Wahlkampfslogan des früheren US-Präsidenten Barak Obama. Er wollte Menschen gewinnen und davon überzeugen: Veränderung ist möglich, wenn wir gemeinsam handeln. Hoffnungsvoll wurde ein politischer Aufbruch angestoßen. Oder: im August 2015 sagte unsere ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Pressekonferenz die berühmten Worte: „Wir schaffen das!“ Sie reagierte auf die außergewöhnliche Krisensituation und den Zustrom von geflüchteten Menschen in Deutschland. „Wir schaffen das“ vermittelte Zuversicht und Zutrauen in unsere Gesellschaft und Politik. Diese Aussage wurde schnell zum Symbol der Willkommenskultur. Es kam tatsächlich so viel in Bewegung, so viel ehrenamtliches Engagement für geflüchtete Menschen auch in unseren Gemeinden und Kirchen. Die Erfahrungen und Begegnungen aus dieser Zeit sind mir noch in guter Erinnerung.

Umkehr zu Gott

Der Aufruf in unserem Bibeltext hat keine politische Veränderung im Blick. Hier geht es um persönliche Umkehr. - Es heißt: „Kommt, wir wollen zum Herrn umkehren!“. Es geht also nicht um „wir schaffen das“, sondern um: „wir sind falsch abgebogen - wir müssen zurück zu Gott.“

Das Nordreich Israels erlebt so viel Scherben und Schmerz durch eigene Sünde wie Götzendienst und politische Allianzen. Statt auf Gott zu vertrauen, suchten sie Hilfe bei anderen Staaten. Es geht auch nicht um eine schlechte Außenpolitik. Es geht darum, dass Israel seine Sicherheit in Systeme, in Menschen und Strukturen sucht. In einer Analyse wie „zur Lage der Nation“ wird ein Zusammenhang erkannt. In Gottes Handeln liegt das Gericht und die Macht zur Heilung. Ihre Not ist kein Zufall und nicht nur Politik. Vielmehr sehen sie darin Gottes Handeln als Folge ihres Weges mit Gott bzw. gegen Gott. Deshalb folgt der Einsicht der Aufruf zur Umkehr: „Kommt, wir wollen zum Herrn umkehren!“

Gottes Gericht und Treue

Es ist vielleicht wie, wenn ich nach einer Untersuchung vom Arzt komme und mit einer schlechten Diagnose nach Hause gehe. Es gibt dann oft keine Alternative. Es gibt keine Wahl zwischen Krankheit oder Arzt. Ich werde mich in der Regel therapieren lassen. So auch in unserem Text: Wenn schon Chaos, Scherben und Schmerz im Land, dann begibt man sich lieber in Gottes Hand. Der Gott Israels „zerreißt“ und „schlägt“ nicht willkürlich, sondern ist wie ein Chirurg: der schneidet, um zu retten. Er will das Zerbrochene und Zerrissene heilen.

Gottes Gericht ist real, aber nicht endgültig. Er zerbricht, um bald wieder aufzurichten. Die im Text genannten „zwei, drei Tage“ können als Redewendung zu verstehen sein. Gemeint ist eine kurze und begrenzte Zeit. Dann wendet Gott das Blatt. Er liebt sein Volk und leidet mit seinem Volk. Er hat ja einen Bund mit Ihnen geschlossen. Er und sein Volk gehören zusammen. Gottes Volk ist berufen, mit Gott in Beziehung zu leben. Israel fehlt wohl jedes Verständnis von diesem Wissen, dieser persönlichen Beziehung. In seiner Entfremdung ist das Wissen um die Zusammengehörigkeit verloren gegangen. Aber Gott steht zu seinem Volk und will es zurückgewinnen, Er überlässt es nicht dem Tod. Er führt sein Volk schnell wieder ins Leben vor sein Angesicht. Das ist die Botschaft.

Neues Leben vor Gottes Angesicht

Es scheint, dass Gott selbst eine Umkehr für sein Volk möglich machen wird. Im Licht des Neuen Testaments erfüllt sich endgültig, was hier angedeutet wird: aus Gericht wird neues Leben vor Gottes Angesicht. Neues Leben vor Gottes Angesicht ist wie mit Gott in einer Beziehung leben. Seine Liebe will unser Leben und unsere Herzen verändern. Gott sehnt sich so sehr nach dieser beständigen Liebe.

Gott ist treu. Er will unser Versorger sein. Gottes Treue basiert nicht auf unserem Handeln. Ich bin so froh, dass das nicht so ist. Gottes Wesen ist Treue. Treue ist sein Charakter, seine Natur. In Vers 3 lesen wir: „Gottes Kommen ist wie die Morgenröte, die hervorbricht“. Ein starkes Bild für Gottes Treue. Die Morgenröte kommt jeden Tag. Sie ist verlässlich, unaufhaltsam und nicht von uns abhängig. Ebenso steht die Morgenröte für einen Neuanfang. Sie ist das Licht nach der Nacht und bringt Hoffnung und Zukunft.

Auch der Regen ist ein Bild für Gottes Kommen. Wenn Regen fällt, macht er das Land fruchtbar, erfrischt und erneuert es. Gott schenkt Leben! In seiner Liebe nimmt Gott die Israeliten damals und uns heute mit. Er will uns erkennen lassen, wer er ist und wer wir sind. So vergleicht Gott Israels Liebe mit einer Wolke am Morgen und mit dem Morgentau. Die Wolke und der Morgentau sind kurzlebig und oberflächlich. Sie können gar nicht anders, als schnell wieder weg zu sein.

Die Morgenröte und der Morgentau stehen nun anschaulich nebeneinander. So lässt Gott seine Sehnsucht nach uns sichtbar werden: seine Sehnsucht nach unserer Liebe, nach unserem Herz, nach Beständigkeit und Hingabe. Er will keine oberflächliche Frömmigkeit. Nach außen hin viel Religion, nach innen wenig Herz. Das Bild spricht klare Worte und fordert eine Umkehr. Eine echte Umkehr liegt in unserer Verantwortung und geschieht im Herzen. Gott sucht Menschen, die seine Liebe und Gnade annehmen. Gott sucht Menschen, die aus seiner Liebe und Gnade andere lieben. Schaffen wir das? „Yes, we can!“ - Ja, wir können es schaffen, weil Gott wirkt. Denn: ohne uns geschieht keine Umkehr – und ohne ihn gelingt keine Umkehr. Vielleicht kann ich es dann so sagen: Yes, HE can. Ja, Gott kann in uns, oder: Christus in uns – und wir antworten. Zusammen schaffen wir das!

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