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Hiobs erste Antwort an Elifas (2)

Ursula Hecht über Hiob 7,7–21.

Bedenke, dass mein Leben ein Hauch ist und meine Augen nicht wieder Gutes sehen werden. Und kein lebendiges Auge wird mich mehr schauen; sehen deine Augen nach mir, so bin ich nicht mehr. Eine Wolke vergeht und fährt dahin: so kommt nicht wieder herauf, wer zu den Toten hinunterfährt;[...]

Hiob 7,7–21

Wer von Ihnen fühlt sich nicht gelegentlich wie Hiob?

Enttäuscht, zermürbt, kraftlos – am Ende mit Hoffnung, Lebenskraft, vielleicht sogar mit dem Glauben?

Das Buch Hiob ist ein Text für Menschen, die Leid durchleben. Schreibtischtheoretiker sollten ihn auslassen. Denn Leid lässt sich nicht in Kategorien pressen. Es kommt unerwartet und trifft jeden anders. Leid blockiert die Fähigkeit, klar zu denken. Es verzerrt das Zeitempfinden und beeinträchtigt den Lebenswillen. Wer leidet, will, dass es aufhört, irgendwie.

Und so betet Hiob und sagt, was er denkt. Nicht mit wohlgesetzten Worten, sondern aus der Verbitterung seines Herzens. Er versteht nicht, warum Gott sich von ihm abwendet, warum ihm der Boden unter den Füßen zu entgleiten droht. Er, der alles hatte, der reich, angesehen, bekannt war, wird bald in völlige Vergessenheit geraten sein. Selbst Gott wird ihn nicht wiederfinden.

Aber hier irrt Hiob, denn es gibt keinen Ort, an dem ein Mensch vor den Augen Gottes verborgen wäre. Gott weiß, wo sich seine Geschöpfe aufhalten: im Leben und im Tod. Vielleicht liegt genau hier Hiobs größtes Problem: er kennt Gott gar nicht richtig. Was hätte er denn über ihn wissen können?

Gott ist da.

Er hört. Hiob kann mit ihm reden. Gott ist heilig. Er verdient Anbetung. Gott gibt und nimmt. Sein Handeln ist gerecht. Er ist der Herr über die ganze Welt.

So könnte Hiob gedacht haben, bis zu dem Tag X, an dem die merkwürdige Unterhaltung zwischen Gott und dem Teufel stattfand. Von da an änderte sich für Hiob alles. Nein, nicht alles, denn sein Glaube an Gottes Gerechtigkeit bleibt bestehen – zwar irgendwie beschädigt, aber dennoch als tiefe Überzeugung. Doch seine Sicht auf Gott ändert sich mit zunehmendem Leid - und damit auch seine Selbstwahrnehmung: Mehr und mehr fühlt sich Hiob als Spielball von Gottes Willkür, als unschuldig Angeklagter, als Gejagter eines unerbittlichen Gegners, der ihn sogar bis in seine Träume hinein nicht zur Ruhe kommen lässt. Wie passt das zu dem Gott, den er zu kennen glaubte?

Wieso?

Hat Hiob je erfahren, wieso ihm dies alles widerfuhr? Hätte es etwas genutzt? Hilft es uns zu wissen, warum plötzlich die Krebsdiagnose im Raum steht, der Partner die Arbeit verliert oder die Privatinsolvenz droht? Das Warum tröstet nicht. Es verstärkt eher das Leid: Warum? Warum ich? Warum passiert das jetzt? Warum hört es denn nicht auf?

Warum lässt Gott das zu? Tatsächlich klagt Hiob Gott an. Wieso kommt Hiob zu keinem Zeitpunkt auf die Idee, dass nicht Gott, sondern der Teufel hinter all dem stecken könnte? Weil Hiob den Gegenspieler Gottes überhaupt nicht auf der Rechnung hat! Folglich kann nur Gott der Urheber seines Leides sein, denn von dessen Allmacht ist Hiob nach wie vor überzeugt. Und das bringt ihn in eine Zwickmühle der Gefühle.

Glauben im Leid?!

So geht es vielen Menschen. Sie glauben an Gottes Existenz, fühlen sich aber von ihm getäuscht. Sie können nicht an seine Liebe glauben, weil ihre Erfahrung ihnen etwas anderes zu sagen scheint. Sie sehen sich selbst als Opfer und Gott als Täter. Sie halten ihn vielleicht für allmächtig, aber eben nicht für gnädig, gerecht und gut. Sondern für willkürlich, rachsüchtig oder desinteressiert. Sie fallen auf die Listen des Teufels herein, sogar ohne ihn für eine reale Person zu halten. Aber das ist er. Keine Märchengestalt mit Pferdefuß, sondern ein mächtiger Engelfürst, der seit dem Tag seines eigenen Falls gegen Gott kämpft. Erst mit dem Geschehen auf Golgatha wird die Macht des Teufels gebrochen. Aber zu Hiobs Lebzeiten liegt das noch weit in der Zukunft. 

Hiobs Geschichte ist kein Gleichnis, sondern ein echtes Schicksal. Es steht in der Bibel, um uns zu warnen: vor Fehleinschätzungen von Gott und uns selbst. Hiobs Wissen über Gott war lückenhaft, in mancher Hinsicht war er völlig im Irrtum. Im Gegensatz zu Hiob haben wir heute die Bibel und wir können nachlesen, wie Gott wirklich ist: Gott ist der Herr, seit Anbeginn der Welt bis in Ewigkeit. Was er sagt, das wird geschehen. Er ist allmächtig und absolut zuverlässig, gerecht und gut. Keiner ist wie er.

Prüfungen

Gott segnet. Nicht als Belohnung für gutes Benehmen. Sondern als Ausdruck seiner Güte. Gott prüft, nicht um zu schaden, sondern um sich intensiver zu offenbaren. Gottes Prüfungszeiten sind hart. Sie können schmerzhaft und unverständlich sein. Sie brauchen Zeit. Aber sie trainieren Geduld und Gottvertrauen. Wer durchhält, erntet persönlichen Segen. Das war nicht nur bei Hiob so. Diese Methode wendet Gott immer noch an, bei allen, die seinen Namen anrufen.

Deshalb ein paar Worte zur Ermutigung für alle, die sich gerade wie Hiob fühlen:

Sie können sich ganz sicher sein, dass Gott Sie genau kennt. Er weiß um Schwäche und Vergänglichkeit, denn er hat die Menschen geschaffen. Gott verliert Sie nie aus dem Blick.

Bringen Sie ihm Ihre Klagen, in Ehrfurcht vor seiner Heiligkeit, im Glauben an seine Allmacht. Klagen Sie ihm Ihr Leid. Werden Sie nicht bitter, denn Bitterkeit ist eine Wurzel des Übels, die sich schnell und schädlich ausbreitet. Klage vor Gott befreit, Bitterkeit nimmt gefangen. Gott hört Gebet und weiß genau, was Sie brauchen. Er wendet sich nicht ab und verschanzt sich auch nicht. Gott ist nicht der gnadenlose Jäger, sondern der gute Hirte. Er ist der Wächter Ihres Lebens und er weiß genau, wie lang es sein wird. Selbstverwünschungen beleidigen ihn.

Güte Gottes

Anders als Hiob gedacht hat, tut Gott Morgen für Morgen Großartiges: Er sendet Ihnen seine Güte und Gnade. Seien Sie ganz getrost, Gott ist tatsächlich der Menschenhüter, ja, sogar der Menschenretter. Er hat einen Weg gefunden, um Sünde vollkommen und endgültig auszumerzen. Er ist der Herr der Welt und kommt mit seinen Plänen ans Ziel. Bei Hiob, bei Ihnen und jedem, der an ihn glaubt. In der Ewigkeit bei Gott werden alle Gläubigen Hiob wiedertreffen. Er wird genauso wie Sie über die Barmherzigkeit und Weisheit Gottes staunen. Denn dann wird es kein Leid und keine Tränen mehr geben. Alles kommt in Ordnung. Gott hat es versprochen. 

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Kommentare (2)

Jane /

Ich fand das unglaublich tröstend, hoch interessant, mit Blockaden und Leid, Danke für den Text,der mir sehr gut getan hat, da ich auch seit einer Woche krank bin.

Heike und Bernhard C. /

Sehr guter und hilfreicher Beitrag im Angesicht des vielen Leids auf dieser Welt. Vielen Dank!