/ Bibel heute
Hananias und Saphira
Der Bibeltext Apostelgeschichte 5,1-11 – ausgelegt von Martin Oberkinkhaus.
Ein Mann aber mit Namen Hananias und seine Frau Saphira verkauften einen Acker, doch er hielt mit Wissen seiner Frau etwas von dem Geld zurück und brachte nur einen Teil und legte ihn den Aposteln zu Füßen. Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und etwas vom Geld für den Acker zurückbehalten hast?[...]
Mehr als 50 Jahre nach der Aussendung der Apostel notierte ein Begleiter des Apostels Paulus, der Arzt Lukas, die Berichte von Augen- und Ohrenzeugen. In seinem ersten Band, dem Evangelium nach Lukas, fasste er zusammen, was Menschen mit Jesus erlebt hatten.
Er nutzte einen vorliegenden Bericht von Johannes Markus, der Jesus im Kreis seiner Jünger in dessen Elternhaus in Jerusalem immer wieder erlebt hatte und der den Apostel Paulus auf dessen erster Missionsreise begleitete.
Der erste Band endete mit Himmelfahrt und Aussendung der Jünger in die gesamte Welt.
Im zweiten Band, der Apostelgeschichte genannt wird, fasste er die Entwicklung dieser Mission, soweit er diese von den noch lebenden Zeugen erfahren konnte, zusammen. Die ersten Kapitel dieser Frühgeschichte der Kirche berichten von Ereignissen, die zur Gründung der ersten Versammlung von Christen in Jerusalem führten.
Unser heutiger Textabschnitt ist gekennzeichnet von einem doppelten Schrecken, der bis heute für Gemeindeleitungen und verantwortliche Frauen und Männer in Verkündigung und Seelsorge zu unterschiedlichen Nachfragen und Bewertungen führt. Lukas hat die Nennung dieser Ereignisse eines doppelten Schreckens in den Anfangsjahren der christlichen Kirche ohne unterschiedliche Bewertungen der damals Leitenden für unbedingt notwendig gehalten.
Hananias und Saphira
Das Ehepaar Hananias und Saphira gehörte zur Gemeinde und wollte die Dienste der Gemeinde durch eine Spende unterstützen. Die beiden verkauften einen Acker und Hananias brachte einen Teil als Spende dem Apostel Petrus. Petrus konfrontierte ihn mit der Frage, warum er nicht den vollständigen Ertrag gebracht hätte. Hananias erlitt einen Kreislaufkollaps und starb an Ort und Stelle. Unser Textabschnitt beschreibt einen Schrecken bei allen, die davon hörten.
Seine Ehefrau Saphira stellte einige Stunden später ohne Wissen um den Tod ihres Gatten den Sachverhalt als Spende des gesamten Erlöses dar. Auch sie starb an Ort und Stelle, als Petrus sie mit ihrer Lüge und der gesamten Wahrheit konfrontierte.
„Es kam eine große Furcht über alle, die es hörten“ heißt es nach dem Tod des Hananias in der Luther-Übersetzung 2017. Nach der Folge-Begegnung des Petrus mit Saphira erfasst Furcht und Schrecken auch die Gemeinde damals und durch fast zweitausend Jahre lang alle, die sich vom Wort Gottes leiten lassen.
Was bedeutet das für uns?
Neben der Frage, ob das strenge Verhalten des Apostels Petrus der verkündigten guten Botschaft von Umkehr und Vergebung nicht widerspricht und ob die Spende eines Teilerlöses eine Sünde darstellt, die zwingend mit dem sofortigen Gerichtsurteil „Tod“ bestraft werden muss, ist für mich auch die Frage nach Reaktion und Reflexion des Petrus nach den beiden Todesfällen ernsthaft zu stellen.
In mehr als 50 Jahren meines aktiven Dienstes als Verkündiger und Seelsorger sowie als Journalist im Raum der Kirchen und Freikirchen habe ich immer wieder Kenntnis vom Fehlverhalten mancher Seelsorgerinnen und Seelsorger in den unterschiedlichsten Gemeinden bekommen, einige davon verbunden mit gerichtlichen Urteilen. Die Reaktionen reichten von seelsorgerlichen Ermahnungen bis zu Trennung und Entfernung aus den Ämtern sowie Gefängnisstrafen.
Der Blick auf unseren Bibelabschnitt und die weitere Entwicklung der Kirche auch schon in der Apostelgeschichte zeigt eine Veränderung in der seelsorgerlichen Begleitung von Menschen wie Hananias und Saphira.
Gewiss muss ein Verhalten wie das von Hananias und Saphira und auch des Petrus seelsorgerlich begleitet werden. Liegt die von Petrus behauptete Schuld von Hananias und Saphira wirklich darin, nur einen Teil des Erlöses gespendet zu haben? Hier wird möglicherweise der Schrecken späterer Seelsorgerinnen und Seelsorger sowie anderer Gemeindeglieder und den für Personal Verantwortlichen verständlich.
„Muss ich mein gesamtes Vermögen der Kirche oder Gemeinde spenden? Muss ich nicht auch für meine Familie sorgen?“
Und für die für Personal Verantwortlichen gilt die Frage, ob die gute Nachricht von Umkehr und Vergebung die Todesstrafe oder heute die Entfernung aus dem Dienst rechtfertigt?
Die Autorität des Petrus führte zum Erschrecken und plötzlichen Tod von Hananias und Saphira. Ob Petrus sein Verhalten reflektiert hat? Ob er eventuell Erste Hilfe mit Reanimation versucht hat? Davon schreibt Lukas nichts. Ob wir die Konflikte und schmerzhaften Verwerfungen in unseren Kirchen und Gemeinden reflektiert haben und einen Weg zur Versöhnung gefunden haben? Das bleibt seit zweitausend Jahren eine Frage an unser aktuelles Gemeindeleben.
Vergebung und Umkehr
Im Blick auf die lokalen Ortsgeschichten christlicher Gemeinden heute frage ich nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vergangener Jahrzehnte. Oft klingt es: „Von dieser Person haben wir uns getrennt!“ oder „Ich habe mir eine andere Gemeinde gesucht!“ Der Satz eines solchen Mitarbeiters über seine vorherige Gemeinde „Das ist meine Gemeinde und bleibt meine Gemeinde!“ erinnert mich an eine seiner vorherigen Überzeugungen.
Ich bete: „Lieber Herr, manchmal entdecke ich Furcht und Schrecken über Schuld und Sünde in Kirchen und Gemeinden! Hilf uns zu lernen und gegenseitig im Sinn der guten Nachricht von Vergebung und Umkehr zu leben. So soll es sein.“
© Ruth Schneider / ERF
Ihr Kommentar
Kommentare (4)
Ich stimme Gerhard K. zu. Nicht Petrus war es, der das Ehepaar zu Tode kommen ließ! Es war Gott, der diese drastische Strafe verhängt hat.
Petrus hat das Unrecht angesprochen, aber Gott hat … mehrgerichtet.
Und das Unrecht bestand nicht darin, dass sie nur einen Teil des Geldes abgegeben haben! Das Unrecht bestand darin, dass sie so getan haben, als wäre es der komplette Erlös.
Und, ja, auch ich finde diese Strafe sehr hart. Wie passt das zusammen, dass Gott z. B. dem Petrus bereitwillig vergibt, dass er seinen Herrn verleugnet - und hier wird eine Lüge gleich mit dem Tod bestraft.
Diese Geschichte gehört für mich zu den rätselhaftesten Texten des Neuen Testamentes ...
Ein recht schwieriger Text wie ich finde, in dem es um Heuchelei und Scheinheiligkeit geht. Damals hat Gott bei Hannanias und Saphira sofort gehandelt bzw. gerichtet.
Heute tut er es (oft) nicht... … mehrob ich da ein "zum Glück" oder ein "leider" nachschrieben soll, da bin ich mir unsicher. Damals ging es augenscheinlich "nur um Geld"... heute wird durch Scheinheiligkeit Menschen oft der Weg zu Gott verstellt... Damals strafte Gott sofort... und heute?
Ich lese die Kommentare zu den Bibelabschnitten fast jeden Morgen und finde darin fast immer interessante Gedanken, die meinen Blick auf den betreffenden Bibelabschnitt um interessante Aspekte … mehrerweitern.
Aber heute fand ich es schwierig, einen Bezug vom Kommentar zum Text herzustellen. Denn es geht hier ja um Heuchelei und Lüge in der Urgemeinde und wie schnell und konsequent die (zugegebenermaßen sehr harte) Strafe darauf folgte. Vielleicht musste Gott hier so hart durchgreifen, damit sich nicht gleich zu Beginn wieder der " Sauerteig der Pharisäer", nämlich Bigotterie und Heuchelei ausbreitete. Ich hätte mir gewünscht, dass der Kommentar sich mehr damit beschäftigt hätte, warum die Strafe hier so "gnadenlos" erfolgte und warum Gott Petrus keine Zeit für ein seelsorgerliches Gespräch mit Hananias unter 4 Augen und damit verbunden die Möglichkeit zur Umkehr ließ. Seine Frau hatte ja immerhin diese Möglichkeit...
Bei Ihrer Auslegung kommt mir der Verdacht, dass Sie die Ursache auch nach 50 -jähriger Tätigkeit im christlichem Umfeld noch nicht erfasst haben. Nicht Petrus bewirkte den Tod, sondern Gott. Weil … mehrdie beiden den Heiligen Geist betrogen haben. Nicht eine ehrliche Angabe der Höhe des Teilerlöses des Ackers, sondern die Lüge, es wäre der Gesamtpreis gewesen, führte zur Katastrophe. Ihre Ausführung wird der Aussage der Heiligen Schrift nicht gerecht, meine ich.