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Halt im Sturm des Lebens

Der Bibeltext Psalm 93 – ausgelegt von Volker Hoof.

Der HERR ist König und herrlich gekleidet; / der HERR ist gekleidet und umgürtet mit Kraft. Fest steht der Erdkreis, dass er nicht wankt. Von Anbeginn steht dein Thron fest; du bist ewig. HERR, die Fluten erheben, / die Fluten erheben die Stimme, die Fluten erheben ihr Brausen.

Psalm 93

Im Sturm des Lebens

An einem kalten Januarmorgen stehe ich auf einem Deich an der Nordsee. Ich habe mir über den Jahreswechsel mit meiner Familie ein paar Tage Auszeit gegönnt. Die „Sturmwochen", wie es der Reiseführer umschreibt, sind nicht die klassische Reisezeit im Norden. Windböen mit fast 160 Stundenkilometern pfeifen mir um die Nase, ich habe Probleme, mich auf den Beinen zu halten. Draußen auf der See sehe ich haushohe Wellen toben. Schwarze Wolken lassen die ganze Szenerie sehr düster erscheinen. Ein Boot da draußen wäre den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert.

Vielleicht hat der – nicht genannte – Autor des kurzen Psalms 93 ähnliche Bilder vor Augen gehabt. Er schaut sich die Macht der Naturgewalten an. Unwillkürlich denke ich dabei an die Dinge, die mich gerade beschäftigen und belasten. Wenn ich die Zeitung aufschlage, bekomme ich Angst: Ich lese von Kriegen und Unruhen. Immer mehr Konflikte arten aus. Die Mächtigen der Welt treffen heute Entscheidungen, die morgen nicht mehr gelten. Nichts ist mehr sicher. In unserer sogenannten zivilisierten westlichen Welt zählen plötzlich Werte wie Respekt voreinander nicht mehr. Alles ist unsicher geworden. Viele Menschen fühlen sich wie dieses Boot im Sturm. Den Gewalten der Welt schutzlos ausgeliefert. In vielen Situationen komme ich mir sehr hilflos vor, gerade dann, wenn ich wenig Einfluss auf das Geschehen nehmen kann.
 

Der Herr ist König – Ein Bekenntnis aus Psalm 93

Die meisten Menschen bleiben an diesem Punkt stehen und verzweifeln. Ganz anders der Psalmist: Er schaut über seinen Tellerrand hinaus auf den, der das alles geschaffen hat. Der Psalmausleger Franz Delitzsch vermutet, dass der Psalm 93 nach einer Befreiung aus großer Bedrängnis verfasst wurde. Wahrscheinlich in der Zeit der Rückführung des Volkes Israel aus dem Exil in Babylon. Der Psalmist weiß, auf wen diese Befreiung zurückzuführen ist. Bereits im ersten Vers lesen wir das klare Bekenntnis: Der Herr ist König. Es ist nicht irgendein Herr, wörtlich steht an dieser Stelle: „Jahwe regiert". Es ist ein einzigartiger Lobpreis.

Der Psalm ist der erste in einer Serie von 7 Psalmen, die Gott als König bezeugen. Der Autor beschreibt Gott: Er ist herrlich gekleidet. Die Elberfelder Bibel übersetzt: Er hat sich bekleidet mit Hoheit! Der englische Bibelausleger John Trapp weist darauf hin, dass Jahwe seine Waffenrüstung abgelegt hat und sich königliche Gewänder angezogen hat. Er wird alle Menschen in Weisheit und Gerechtigkeit regieren.

Aber ist das denn jetzt schon der Fall? Wir haben alle möglichen Staatsformen auf der Erde: Wir haben Demokratien, Diktaturen, Monarchien, um nur einige zu nennen. Aber unser Text spricht von einer Theokratie. Also ein Reich, in dem Gott als König regiert und auch anwesend ist. Da ist zum einen Jahwe, der auf den Cherubinen sitzend über sein Reich regiert, wie Mose in seinem Lied (2. Mose 15,18) singt: Der Herr ist König auf immer und ewig! Auf der anderen Seite sehen wir Jesus, den Gesalbten, den Sohn Gottes. Offenbarung 11 schreibt über Jesus: Das Reich der Welt ist unseres Herrn und seines Christus geworden und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Im letzten Buch der Bibel laufen diese beiden Linien zusammen. Der Vater und der Sohn sind eins.

Am Ende unserer Zeit werden die weltlichen Herrscher ihre Zepter wieder an den abgeben, der die Welt gegründet hat. Sie werden Rechenschaft über ihr Tun und Handeln ablegen müssen genau wie jeder andere Mensch auch. Der Zeitplan liegt allein in Gottes Hand. Wir können nichts tun, um diesen Prozess zu beschleunigen. Aber es ist für uns ein Trost und eine Freude zu wissen, dass alles zum Guten hinläuft. Charles Haddon Spurgeon schreibt: „Welch große Freude ist es für einen Untertanen, seinen König in dieser Schönheit zu sehen. Lasst uns das den Verzagten sagen und dem Feind entgegenschleudern."
 

Gottes Liebe im Herzen der Gläubigen

Christen streben keinen Gottesstaat an, wie wir ihn aus anderen Religionen kennen. Christen zwingen niemanden dazu, an Gott zu glauben. Das ist immer die persönliche Entscheidung jedes Einzelnen, ob er Gott und Jesus in sein Leben aufnimmt oder nicht. Als Jesus von Pilatus auf dessen Königtum angesprochen wird, erwidert Jesus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt."

Aber so sehr dieser Psalm sich auf das Königreich Gottes bezieht, es ist für den gläubigen Menschen kein Vertrösten auf die Ewigkeit. Gott ist nicht nur König und Herrscher, der für uns unerreichbar ist, Gott ist auch der liebende Vater, zu dem ich immer kommen kann. Gott wohnt in den Herzen der Gläubigen, hier will er mit seiner Liebe regieren. Sie schenkt ihnen Kraft, schenkt uns Trost. Gottes Liebe baut sie immer wieder auf, wenn sie am Boden liegen. Diese Liebe verändert die Gläubigen. Sie wollen sie raustragen, wollen sie ihre Mitmenschen spüren lassen, in der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein, im Ehrenamt. Aber Gott will auch, dass ich weiß: Du bist nicht alleine in deinem kleinen Boot in dieser unruhigen See. Er ist für mich da, wenn die Wellen über mir brechen.

Als die Jünger einmal mit Jesus den See Genezareth befuhren, kam ein heftiger Sturm auf. Die teils erfahrenen Fischer bekamen Panik und wussten nicht mehr, was sie machen sollten. Sie weckten Jesus, der den Sturm sofort stillte und den Jüngern sagte: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?
 

Halt finden in Gott

Menschen suchen wieder nach etwas Festem, Beständigem. Sie suchen nach Halt in ihrem Leben. Die Welt kann uns das nicht bieten. Unser Blick bleibt meist auf dem Sichtbaren haften. Es sind ja nicht nur ungestüme Naturgewalten, wir erfreuen uns auch an der Schönheit und der Genialität der Natur. Dabei ist die Menschheit dahin gekommen, die Schöpfung anzubeten, nicht mehr den Schöpfer, den, der alles gemacht hat und alles in den Händen hält.

Ich musste neulich ein sehr unangenehmes Gespräch führen. In meiner Vorbereitung unterhielt ich mich mit einem Ältesten unserer Gemeinde. Er erinnerte mich daran, den Fokus auf den zu lenken, der in meinem Herzen regiert und dessen Liebe in mir ist. Er gibt mir die passenden Worte zur richtigen Zeit.

Ich weiß nicht, was Sie gerade beschäftigt, vielleicht auch, was Ihnen Sorgen macht. Aber ich kann Ihnen Mut machen. Seien Sie getrost: Der Herr ist König. Er hält auch Sie in seiner Hand und lässt Sie nicht fallen.

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