/ Bibel heute
Eltern und ihre Kinder
Der Bibeltext Epheser 6,1-4 – ausgelegt von Rolf Jongebloed.
Ihr Kinder, seid gehorsam euren Eltern in dem Herrn; denn das ist recht. »Ehre deinen Vater und deine Mutter«, das ist das erste Gebot, das eine Verheißung hat: »auf dass dir’s wohlgehe und du lange lebest auf Erden«[...]
Kinder und Eltern: Wenn Gehorsam schwerfällt
Vor mir sitzt eine Mutter mit ihrem Sohn. Der Junge soll täglich nach der Schule in unsere Einrichtung kommen. Nach dem Gespräch sagt sie zu ihrem Sohn: „Vielleicht bekommst du ja hier deine Aggressionen in den Griff“.
Ich begleite den Jungen einige Jahre und habe tatsächlich nie erlebt, dass er aggressive Wutausbrüche hatte.
Ein anderer Junge sagt beim Mittagessen: „Rolf, wenn ich zuhause randaliere und mein Zimmer kaputt mache, dann kommt doch die Polizei und bringt mich anschließend in eine nette Pflegefamilie?“ Am selben Abend hat er seine Idee in die Tat umgesetzt.
Für beide Kinder war es schwierig, den Eltern Gehorsam entgegenzubringen, denn beide Kinder erlebten, dass sie in ihrem Zuhause zum Zorn gereizt wurden.
Gottes Ordnung für das Familienleben
Im heutigen Bibeltext heißt es, dass es eine gute Ordnung gibt, die Gott uns gegeben hat, damit ein Familienleben gelingen kann und darüber hinaus auch noch gesegnet wird.
Da Gott uns nicht nur kennt, sondern uns gewollt und geschaffen hat, hat er uns Menschen eine Ordnung mitgegeben, die maßgeschneidert ist für ein gutes Zusammenleben in der Familie. Die Kinder, die ihre Eltern ehren, erkennen an, dass ihre Eltern es gut mit ihnen meinen und sie sie zu eigenständigen Persönlichkeiten erziehen wollen.
Ehre Vater und Mutter, darauf liegt in den 10 Geboten die erste Verheißung! Die Verheißung, die damit verbunden ist, gilt zuallererst einmal dem Volk des Alten Testamentes, also Israel, jedoch glaube ich, dass auch heute die Familien, die sich nach der Ordnung Gottes richten, gesegnet werden.
Aber auch Kinder, die wenn sie zum Glauben kommen und anfangen, ihren Eltern anders zu begegnen, werden gesegnet. Auch, wenn die Eltern sich nicht für Jesus entscheiden.
Auf dem letzten Willow Creek Kongress hörten wir davon, wie Gott segnet, wenn ein Mensch mit Jesus in Berührung kommt und seine Sichtweise ändert. Eine wirklich schlechte Vater-Sohn-Beziehung kommt wieder in Ordnung.
Ich kann nicht voraussagen, wie Gott segnet, aber eins glaube ich: Gott segnet.
Die Ordnung Gottes geht jedoch weiter, sie hat auch einen klaren Auftrag für die Eltern! Sie sollen ihre Kinder nicht zum Zorn reizen. Umso wichtiger ist es, dass Kinder so erzogen werden, dass sie ohne Angst ihren Eltern Gehorsam sein können, und das, wie es in unserem Text heißt, in dem Herrn! Wie wichtig ist es, dass unsere Kinder im Glauben an Jesus Christus erzogen werden.
Erziehung als Auftrag und Anspruch
Ich habe das große Glück, bis heute mit Kindern arbeiten zu dürfen. Früher in der Jugendhilfe und heute in einer Kindertagesstätte. Auf einer Klausur habe ich unsere Arbeit einmal in Auftrag und Anspruch eingeteilt. Der Auftrag ist klar definiert, diesen können wir im Niedersächsischen Kita-Gesetz nachlesen, aber unser Anspruch ist es, dass unsere zu betreuenden Kinder und auch ihre Eltern Jesus kennenlernen.
Es wäre doch schade, wenn wir bei aller Erziehung vergessen, Jesus in die Herzen der Kinder zu legen.
Und dies geschieht nicht durch Strafen oder eine Erziehung von oben herab. Dies geschieht von Anfang an mit Liebe und Respekt.
Das Wort Zucht hört sich hart an und wird in unserem heutigen Sprachgebrauch nicht mehr wirklich verwendet, aber was es bedeutet, hat schon noch Platz in unserem Sprachgebrauch. Anleitung, Schulung, Zurechtweisung und liebevolle Erziehung, weniger bloße Bestrafung.
Eltern sind mal Tröster, mal Trainer oder Coaches, aber auch Zurechtweiser, wenn es angebracht ist. Da Eltern werden nicht schwer ist, aber Erziehung ohne jegliche Ausbildung funktionieren soll, ist es manchmal auch ratsam, sich für bestimmte Themen oder bei einer Überforderung Hilfe zu holen.
Die Bedeutung der ersten Lebensjahre
Die Erziehung beginnt jedoch nicht erst ab einem bestimmten Lebensjahr, sondern sie beginnt mit der Geburt! Gerade die ersten 3 Jahre sind wichtig!
Diese Zeit ist die Sensibelste für die Entwicklung des Gehirns und des Körpers eines Kindes. Jahrzehntelange Forschung hat gezeigt, dass Babys und Kleinkinder gedeihen, wenn sie in den ersten Jahren liebevolle, einfühlsame Interaktionen erfahren.
Wenn ich frage: „Was fördert die Gehirnentwicklung?“, heißt meine Antwort: „Knuddeln, küssen, im Arm halten, auf Schreien reagieren.“ Jede positive Interaktion fördert die neurologische Entwicklung im Gehirn. Man braucht kein teures Spielzeug: Die Stimme von Vater und Mutter, ihr Gesicht und ihre Hände sind alles, was ein Baby braucht, um zufrieden zu sein und eigene Kommunikationsfähigkeiten zu entwickeln.
Auch die Persönlichkeitsentwicklung wird in den ersten Jahren geformt. Wer in den ersten Jahren Vertrauen zu seinen Eltern aufbaut und sich in seiner Familie sicher und geborgen fühlt, kann sich besser annehmen und kann sich leichter dem liebenden Vater im Himmel öffnen.
Manchmal bei Diskussionen über die richtige Erziehung kommt immer mal wieder ein Satz, den ich persönlich nicht gerne höre: „Das hat uns doch auch nicht geschadet!“ Wirklich nicht? Es geht nicht darum, Eltern als Sündenböcke hinzustellen, sondern offen zu sein für neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Mein Vater hat mir vor einigen Jahren erzählt, wie seine Kindheit war, und danach habe ich noch mehr Achtung für seine erzieherische Leistung gehabt! Doch hat er alles richtig gemacht? Natürlich nicht, und obwohl ich Pädagoge bin, war ich auch nicht der perfekte Vater.
Gott hat uns eine wunderbare Ordnung gegeben und diese widerspricht nicht immer der Pädagogik, sondern neue Erkenntnisse wie zum Beispiel die Entwicklung des Gehirns oder die Persönlichkeitsentwicklung lassen sich wunderbar in diese Ordnung einfügen.
Gott möchte, dass Kinder ihr volles Potential entdecken und zu eigenständigen Persönlichkeiten werden, damit sie unter seiner Führung ihre Gaben und Fähigkeiten in die Gesellschaft einbringen können. Damit das gelingen kann, hat er uns seine perfekte Familienordnung gegeben.
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