/ Bibel heute
Was denn noch?
Der Bibeltext Amos 4,1-13 – ausgelegt von Brigitte Liebelt.
Hört dies Wort, ihr fetten Kühe auf dem Berge Samarias, die ihr den Geringen Gewalt antut und schindet die Armen und sprecht zu euren Herren: Bringt her, lasst uns saufen! Gott der HERR hat geschworen bei seiner Heiligkeit: Siehe, es kommt die Zeit über euch, dass man euch herausziehen wird mit Angeln und, was von euch übrig bleibt, mit Fischhaken. Und ihr werdet zu den Mauerlücken hinausmüssen, eine jede vor sich hin, und zum Hermon weggeschleppt werden, spricht der HERR.[...]
Gottes ungehörte Warnung – das Schicksal der Wohlhabenden
In diesem Monat sind fünf Jahre vergangen seit der Flutkatastrophe im Ahrtal. Sehr schnell stellte sich damals heraus, dass es vorher durchaus Warnungen gegeben hatte. Sie wurden jedoch nicht in ihrer Tragweite verstanden und vor allem nicht weitergegeben. Ein Warner, dessen dringende Mahnung nicht ernstgenommen wird, sieht sich gezwungen, mehr Druck aufzubauen, um vielleicht doch noch gehört zu werden. Dabei kann er auch entgegen seinem eigentlichen Wesen bissig werden, zynisch reagieren und drastische Bilder gebrauchen. Sein Ziel dabei ist, die Menschen, um die er leidenschaftlich ringt, aufzurütteln, auf die Dringlichkeit aufmerksam zu machen und so Leid und Not doch noch abzuwenden.
Kann auch Gott zynisch werden und wirklich beißenden Spott gebrauchen?
Wenn ich den Bibeltext für heute lese, sehe ich genau das. Als erste Gruppe im Volk Israel werden wohlhabende Frauen angesprochen – die Kühe von Baschan. Baschan ist eine fruchtbare Weideebene, die als besonders gutes Weideland bekannt ist. Es ist erst gerade von König Jerobeam II. zurückerobert worden. Es geht hier um Frauen, kostbar gekleidet, gepflegt, mit wertvollem Schmuck, die Frauen der Oberschicht. Gott klagt sie schonungslos an, weil sie den Einfluss, den sie auf ihre Männer haben, benutzen, um ohne Rücksicht auf die Armen ihren hemmungslosen Egoismus zu befriedigen. Es ist ihnen egal, dass ihr Reichtum auf der Ausbeutung anderer beruht. Genusssüchtig und maßlos stellen sie ihre Forderungen.
Gott steht auf der Seite derer, die unschuldig Not leiden. Auf Kosten der Schwachen zu leben, ist Gott ein Gräuel.
Daher wird diesen Frauen die Verschleppung durch die Assyrer angekündigt. Die Stadtmauer wird derart zerstört sein, dass die Feinde die Frauen nicht durch die Stadttore hinausführen, sondern geradeso durch die Lücken. Wie Schlachtvieh oder gefangene Fische werden dieselben Frauen jetzt behandelt werden. Gnadenlos. Hoffnungslos. Ein furchtbares, ein grausames Bild. Der Gegensatz zu ihrem jetzigen Leben kann nicht dramatischer sein.
Gottes Heiligkeit im Kontrast zur Sündhaftigkeit des Volkes
Gott, der Herr, bekräftigt ausdrücklich, dass die Vollstreckung dieses Gerichts eintreffen wird, indem er bei seiner Heiligkeit schwört. Ich kenne einen solchen Schwur von Gott bei den großen Heilszusagen z. B. an Abraham, den Stammvater Israels. Wenn Gott hier bei seiner Heiligkeit schwört, steht diese in scharfem Kontrast zur Sündhaftigkeit der angesprochenen Frauen. Eigentlich soll das Volk Israel nach dem Bund, den Gott mit ihm geschlossen hat, ebenso auch ein heiliges Volk sein, das nach Gottes Maßstäben lebt.
In den nächsten Versen ahmt Gott in spöttischer Weise die Aufforderung an die Israeliten nach, zum Tempel zu kommen und dort anzubeten. In Bethel befindet sich seit der Regierung von Jerobeam I. das Königsheiligtum mit dem goldenen Stierbild. Es soll die 10 Stämme nach der Teilung des Reiches davon abhalten, zum Tempel nach Jerusalem zu pilgern. Gott klagt hier das Zurschaustellen der Frömmigkeit an. Es geht nicht mehr um die Gemeinschaft mit Gott, sondern Menschen sollten beeindruckt werden.
Gott lässt sich nicht täuschen. Gott zu verspotten, geschieht durch ein bewusstes Doppelleben. Gott ist Zeuge gegen die Unterdrücker. Er ist gerecht und er ist der, der Recht schafft. Auch im Neuen Testament, im Galaterbrief, Kapitel 6, Vers 7 und 8 warnt der Apostel Paulus: Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten. Was der Mensch sät, das wird er auch ernten.
Die Anklage Gottes geht mir unter die Haut. Ich frage mich: Wo will Gott mich wachrütteln? Wo bin ich träge und selbstzufrieden geworden? Wo nehme ich Gottes Gaben als selbstverständlich hin, als ständen sie mir zu, und bin dabei gleichgültig gegenüber der Not in dieser Welt?
Gottes wiederholte Warnzeichen – und die ausbleibende Umkehr
In den Versen 6 bis 11 zählt Gott auf, was er bisher getan hat, um sein Volk aufzurütteln. Sein Ziel ist es, Israel zu warnen, damit es zu Gott und zu dem Bund, den Gott mit ihm geschlossen hat, zurückkehrt. Fünfmal lese ich: „Dennoch bekehrt ihr euch nicht zu mir.“
Gottes Gericht kommt nicht willkürlich und überraschend, ohne Ankündigung. Wenn beispielsweise der für die Ernte dringend benötigte Regen in einer Stadt oder auf einem Acker fällt und auf dem anderen nicht, können die Menschen allein mit ihrem logischen Verstand erkennen, dass das kein Zufall sein kann.
Gott erinnert an die Orte, in denen er in der Vergangenheit Gericht geübt hat. Der ausbleibende Regen erinnert an den Propheten Elia, dann wird mit der Viehpest die 5. Plage in Ägypten genannt und schließlich Sodom und Gomorrha. Aber die Menschen in Israel, die dieses Gerichtshandeln Gottes erleben, erkennen den Zusammenhang nicht. Sie leiden zwar, aber verstehen nicht, dass das Getrenntsein von Gott ihr grundlegendes Problem ist, schlimmer als Hunger, Durst, Krankheit, Krieg und Zerstörung. Die einzige Rettung ist die Umkehr zu Gott. Das bedeutet, sich zu ihm zu wenden, Vergebung zu suchen und ein anderes neues Denken und Leben zu beginnen.
Gottes Allmacht und der rettende Weg in Jesus Christus
Gott fordert sein Volk auf, sich bereit zu machen, ihm zu begegnen. Das Maß ist voll. Die Konfrontation ist unausweichlich.
Gott stellt sich seinem Volk vor als der Allmächtige. Er ist der Schöpfer, der Herr über die Naturgewalten, Berge und Wind. Gott ist auch der, der dem Menschen ins Herz schaut. Er kennt meine verborgensten Gedanken. Er ist Herr über Tag und Nacht. Noch einmal höre ich seinen Namen: Herr der Heerscharen. Die Welt liegt in seiner Hand.
Gott setzt seinen Herrschaftsanspruch gegen alles durch, was sich gegen ihn erhebt. In diesen Worten liegt ein schonungsloser Ernst. Der Mensch ist Gott nicht egal. Auch im Gericht geht Gott seinem Volk nach.
Am Ende jedes Menschenlebens steht die Begegnung mit Gott. In Jesus Christus hat Gott den rettenden Weg geschaffen, auf dem ich ihm begegnen kann. Weil Jesus meine Schuld bezahlt hat, bin ich frei. Ich komme zu ihm, wende mich von meinem alten Leben ab und lasse mich in meinem Denken und in meinem Handeln erneuern.
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