/ Bibel heute
Taub und blind für Gottes Wort
Der Bibeltext Amos 8,11-14 – ausgelegt von Andreas Hornung.
Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der HERR, dass ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des HERRN, es zu hören; dass sie hin und her von einem Meer zum andern, von Norden nach Osten laufen und des HERRN Wort suchen und doch nicht finden werden. Zu der Zeit werden die schönen Jungfrauen und die Jünglinge verschmachten vor Durst,[...]
Irritation und Schock: Gottes Wort wird nicht gefunden
Dieser Text hat mich im Laufe meines Lebens immer wieder befremdet und irritiert:
Ist es nicht gerade das, was wir Christen uns alle wünschen, dass Gott Hunger und Durst nach Seinem Wort ins Land sendet?
Viele Menschen leben heute völlig gottvergessen dahin auf Grund des Wohlstands. Aber zugleich heißt es im Text, dass die Menschen „von Meer zu Meer und vom Norden zum Osten streifen werden,
um Gottes Wort zu hören, und werden es nicht finden.“ (Vers 12) Das schockiert mich. – Gibt es wirklich ein zu spät?
Suchen und Finden – die Frage nach dem ganzen Herzen
Gott will doch, dass wir nach Seinem Wort fragen – warum verweigert Er sich auf einmal?
Auch Jesus sagt: „Wer sucht, wird finden.“ (Matthäus 7,7) Und der Prophet Jeremia schreibt im Auftrag Gottes: „Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden, weil ihr mich aus ganzem Herzen gesucht habt. Ich werde mich von euch finden lassen, spricht der Herr, und werde euer Schicksal wenden.“ (Jeremia 29,13-14a) Nach dieser Aussage will Gott sich scheinbar nur dann finden lassen,
wenn ich Ihn von ganzem Herzen suche. Vielleicht suchen die Menschen, die in unserem Text gemeint sind, Gottes Wort nicht von ganzem Herzen, sondern nur halbherzig? Aber das kann es auch nicht sein, denn ich lese, dass sie „hin und her von einem Meer zum andern und von Norden nach Osten laufen werden, um Gottes Wort zu hören, und werden es nicht finden“ – sie werden also die größten Anstrengungen unternehmen, um Gottes Wort zu hören, aber es ist ihnen nicht zugänglich. Warum?
Und dann wird noch hinzugefügt: „Zu der Zeit werden die schönen Jungfrauen und die Jünglinge verschmachten vor Durst“ nach Gottes Wort (Vers 13).
Gerade die junge Generation wird hier besonders genannt – die Jugend ist die Hoffnung der Menschen – ohne Jugend gibt es keine Zukunft. Hier wird eine beängstigende Ausweglosigkeit beschrieben. Wird hier ein Gericht Gottes angekündigt? Was ist damals geschehen?
Historischer Hintergrund: Das Nordreich Israel zur Zeit des Amos
Der Prophet Amos wirkt in einer Zeit, in der es den meisten Menschen sehr gut geht. Es ist eine Zeit wirtschaftlicher Blüte. In dieser glanzvollen Epoche hat sich das Nordreich Israel enorm ausgedehnt
und internationales Ansehen gewonnen. Allerdings werden die Reichen immer reicher durch Ausbeutung, Betrug und Beugung des Rechts auf Kosten der Armen. Die wahre Gottesfurcht ist einer rein äußerlichen Religiosität gewichen, was Gott sehr missfällt. Außerdem haben sie sich für den Götzendienst entschieden und die Kulte der umliegenden Völker übernommen. Auf diesen Götzendienst nimmt auch unser Text im Vers 14 Bezug.
Es heißt: „… die jetzt schwören bei dem Abgott Samarias und sprechen: ‘So wahr dein Gott lebt, Dan!’ und: ‘So wahr der Weg nach Beerscheba lebt!’ Sie sollen so fallen, dass sie nicht wieder aufstehen können.“
Mit dem „Gott von Dan“ ist der Stierkult gemeint, den einst König Jerobeam I. in der Stadt Dan und ebenso auch in der Stadt Betel eingeführt hat. Mit „dem Weg nach Beerscheba“ meint der Text ein weiteres illegales Heiligtum im Süden des Staates Juda, wo auch ein Götzenbild verehrt wird. Die alte griechische Übersetzung, die Septuaginta, redet nicht von einem Weg, sondern von einem „Liebling“. Damit ist dieser Abgott gemeint. Der Götzen-Priester des königlichen Heiligtums in Betel, hat den Propheten Amos des Landes verwiesen, weil er der Meinung ist, Amos hetzt das Volk gegen den König auf. Man will das Reden des lebendigen Gottes durch den Propheten unterbinden. Die Menschen im Nordreich haben sich vom lebendigen Gott abgewandt und sich ihren eigenen Glauben zurechtgezimmert. Rücksichtnahme und Mitgefühl nehmen ab und der Egoismus nimmt zu.
Verstockung als Entscheidung – und die Warnung für heute
Soweit zur damaligen Situation. Doch wie ist dieses Wort zu verstehen?
Als meine Frau und ich uns vor Jahren einen Skoda Fabia kauften, bemerkten wir auf einmal, wie viele Skoda Fabia herumfuhren – vorher war uns das nie aufgefallen. Wir hatten keinen persönlichen Bezug zu diesem Auto. Wer nicht nach Gottes Wort fragt, wird mit der Zeit blind und taub für Gottes Wort,
das immer da ist. Er hat keinen persönlichen Bezug dazu. Deshalb werden die Menschen, von denen dieser Text spricht, Gottes Wort nicht finden, weil sie keinen Bezug dazu haben. Es ist eine Wahrheitsfrage der Wahrnehmung.
Wer lange genug die Worte Gottes gehört hat und sie immer wieder in den Wind schlägt, dessen Herz verhärtet sich allmählich – er tötet sein Gewissen ab. Die Bibel spricht von Verstockung, wenn ich nicht mehr sehen kann, was ich über lange Zeit hinweg nicht sehen wollte, bzw. wenn ich nicht mehr hören kann, was ich über lange Zeit hinweg nicht hören wollte. Verstockung ist kein Schicksal, sondern eine Entscheidung, die von Menschen getroffen wird.
Auf unseren Text bezogen heißt das:
Die Menschen des Nordreiches Israel haben kein Interesse an Gottes Wort. Sie haben so gelebt, wie es ihnen die meisten Vorteile bringt, unabhängig davon, ob es nach dem Willen Gottes anständig ist oder nicht. Sie haben nicht nach Gott gefragt, vielmehr haben sie die Botschaft der Propheten in den Wind geschlagen. Deshalb werden sie, wenn die Bedrängnis kommt und die Assyrer ins Land einfallen werden, nach Gott und Seinem Wort auf der Suche sein und es nicht finden.
Der Apostel Paulus spricht im Römerbrief, Kapitel 1 davon, dass die Menschen, die wider besseres Wissen und Gewissen handeln und sich eine esoterische Ersatzreligion zusammenbasteln,
von Gott „dahingegeben werden“, was nichts anderes heißt als: Gott überlässt sie den Folgen ihres eigenen Denkens und Handelns.
Im Galaterbrief sagt er: „Irrt euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.“ Jedes Handeln hat also Konsequenzen. Darum bleiben Sie wachsam und geübt, Gottes Wort zu hören und zu befolgen. Lassen Sie sich korrigieren durch Menschen, die Gott lieben
und in denen Seine Weisheit ist.
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