/ Bibel heute
Ein Feuerwerk an Verhaltensweisen
Der Bibeltext Hebräer 13,1-6 – ausgelegt von Annette Strunk.
Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.[...]
Verhaltensregeln – Anlass und Hintergrund
Tut dies, denkt daran, macht das nicht … mich triggern diese Verse ein wenig! Ich fühle mich an meine Kindheit erinnert, als Belehrungen an der Tagesordnung waren. Ich werde widerständig. Schließlich weiß ich doch selbst, wie ich leben will – und was sich gehört, oder!?
Ich frage mich: Was veranlasst den Verfasser dieser Verse, solch ein Feuerwerk an Verhaltensregeln loszuschicken und wie ein Oberlehrer zu wirken? Ob da wohl etwas gehörig schief lief in der Gemeinde, die hier ermahnt wird? Der Schreiber hält es anscheinend für nötig, die angeschriebenen Christen wieder auf den rechten Weg zu bringen. Was haben sie falsch gemacht? Woran müssen sie erinnert werden?
Die fünf Säulen des christlichen Lebens
5 Säulen des christlichen Lebens werden in den Versen 1–5 angesprochen: die geschwisterliche Liebe, die Gastfreundschaft, das Mitgefühl, die Beziehungspflege und der Umgang mit Geld.
Wer diese Werte kennt und lebt, hat ein gutes Gerüst für seinen Alltag als Christ. Sie sind eine Hilfe für ein gutes Leben. Umgekehrt: Wer sie nicht beachtet, missachtet so die Gebote Gottes. Die wurden uns ja nicht gegeben, um uns zu gängeln, sondern damit unser menschliches Miteinander auf dieser Erde gelingt.
Es macht also Sinn, wenn Christen sich immer wieder untereinander an Gottes Gebote erinnern, so wie es der Schreiber des Hebräerbriefes hier tut.
Sicher waren die Reaktionen damals unterschiedlich. Aber viele werden ins Nachdenken gekommen sein und sich und das Treiben in ihren Gemeinden vielleicht überprüft haben. Jesus hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass seine Freunde an ihrem Verhalten in der Welt erkannt werden. Wenn Christen keine Liebe untereinander haben, wenn sie Fremde nicht aufnehmen als Gäste, wenn ihnen die Gefangenen und Missbrauchten egal sind, wenn sie achtlos mit ihren Partnern umgehen und raffgierig handeln, wie sollen Nichtchristen dann einen liebenden, sorgenden Gott kennenlernen? Sie hätten keine Vorbilder.
Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wir sollten uns und unser Verhalten also infrage stellen lassen:
Wie ist der Umgangston in der Gemeinde? Sind wir wertschätzend und freundlich, auch wenn jemand anstrengend ist oder anderer Meinung? Welche Atmosphäre verbreiten wir? Fühlt man sich bei uns wohl?
Nehmen wir die Mühen der Gastfreundschaft auf uns, auch wenn Gäste unvorhergesehen vor der Tür stehen? Haben wir den Mut, mit den Migranten und Flüchtlingen zu teilen ohne Ansehen der Person?
Setzen wir uns für Gerechtigkeit ein? Erheben wir die Stimme für Verfolgte und Missbrauchte? Schauen wir hin, wenn Menschen in unserer Umgebung leiden?
Was investieren wir in unsere Partnerschaften? Machen wir uns die Mühe, an unseren Ehen zu arbeiten und dem anderen treu zu bleiben?
Wie gehen wir mit unserem Hab und Gut um? Ersetzt das Haben das Sein? Übervorteilen wir andere, betrügen und holen aus allem das meiste heraus? Können wir noch abgeben und teilen?
Christen müssen und können nicht perfekt sein, aber schon, wenn wir uns an Gottes Lebenshilfen erinnern und uns damit auseinandersetzen, sehen andere an uns Jesu Art. Wir leben alternativ zu der vorherrschenden Strömung des Hasses und der narzisstischen Liebe. Gerade in unserer Zeit ist Jesu Aufruf zur Nächstenliebe der beste Gegenentwurf und aus meiner Sicht die einzige Lösung für die Abkehr vom Bösen.
Das heißt, die Verse aus dem 13. Kapitel des Hebräerbriefes sind hochaktuell im Jahr 2026. Die Menschheit braucht gerade dringend Mahner, die sie wieder auf den rechten Weg bringen. Und sie braucht Christen und Christinnen, die einfach in Jesu Sinne leben bzw. vorleben.
Wer so zum Leuchtturm in der Gesellschaft wird, profitiert letztendlich am meisten für sich selber. Schon das Sprichwort sagt ja: Liebe wird mehr, wenn man sie teilt. Die Sehnsucht nach einem glücklichen Leben erfüllt sich eher im Miteinander, in guten Beziehungen und Frieden, als in Ichsucht, Hass und Abgrenzung.
Die sechste Säule: Vertrauen in Gott
Trotz dieser Erkenntnisse aus den ersten 5 Versen bin ich froh, dass es den 6. Vers auch noch gibt. Es gehört schon Mut dazu, sich dem Zeitgeist entgegenzustellen. Wer gegen den Strom schwimmt, muss immer mit Ausgrenzung, Hohn und schlimmstenfalls Gewalt rechnen. Da können mir schon die Beine zittern und die Stimme versagen. In den sozialen Netzwerken z. B. geht es brutal zu. Dazu kommt eventuell die Angst, dass es für mich am Ende nicht reicht, wenn ich großzügig bin.
Das sind Probleme, die es anscheinend auch schon in der Zeit der ersten Christen gab. Der Schreiber des Hebräerbriefes zitiert daher Verse aus dem Alten Testament. Damit waren die Christinnen und Christen damals vertraut. Er erinnert an den Satz von Josua : „Denn der Herr hat gesagt, ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen!" (Josua 1,5) und aus Psalm 118 „Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten; was kann mir ein Mensch tun?". Es gab weder vor 2000 Jahren noch heute einen Grund, Angst zu haben. Gott versichert seinen Kindern, dass sie nicht allein dastehen. Er ist immer da, 24/7 ansprechbar und unser Beschützer. Der Psalmbeter zieht daraus den Schluss: Es gibt nichts, was mir ein Mensch tun kann.
Ich denke, sowohl Josua als auch der Psalmbeter haben das aus eigener Erfahrung bekannt. Gott hat es bewiesen. Sie vertrauten zu hundert Prozent auf Gott und seine Kraft. Ihm gehört die Welt.
Dieses Vertrauen in Gott ist die 6. Säule, die den Alltag eines Christen trägt. So lässt es sich voller Zuversicht und Hoffnung in die Zukunft gehen. Ich fühle mich nun nicht mehr belehrt, sondern sicher getragen.
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