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/ Bibel heute

Die Stillen im Lande

Der Bibeltext Johannes 19,31-42 – ausgelegt von Jutta Hoffmann.

Weil es aber Rüsttag war und die Leichname nicht am Kreuz bleiben sollten den Sabbat über – denn dieser Sabbat war ein hoher Festtag –, baten die Juden Pilatus, dass ihnen die Beine gebrochen und sie abgenommen würden. Da kamen die Soldaten und brachen dem ersten die Beine und auch dem andern, der mit ihm gekreuzigt war. Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, brachen sie ihm die Beine nicht;[...]

Johannes 19,31–42

Man nennt sie die „Stillen im Lande".

Der Ausdruck, den schon König David in einem seiner Lieder verwendet (Psalm 35,20), wird im 18. Jahrhundert für die Anhänger und Freunde Gerhard Tersteegens gebraucht. Wie er wollen seine Freunde ein Leben in Abgeschiedenheit, Stille und Anbetung führen. Mystische Versenkung und Meditation spielt für diese Christen eine große Rolle. Gebet und Anbetung sowie erbauliche Predigten stehen im Mittelpunkt ihrer Veranstaltungen.

Bekannt geworden ist das Lied „Ich bete an die Macht der Liebe", das bis heute im „Großen Zapfenstreich" gespielt wird. Dort heißt es:

„Ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken."

Einer, der auch nicht nur an sich denken, sondern sich ins Meer der Liebe versenken will, ist Josef von Arimathäa.


Josef von Arimathäa und Nikodemus – Stille Nachfolger

Josef ist ein Jünger Jesu, so steht es geschrieben. Aber ein Heimlicher, ein Stiller im Lande. Ein Ängstlicher. Josef von Arimathäa ist ein vornehmer Mann, wohlhabend, ein Mitglied des Hohen Rates. Er ist gottesfürchtig. Josef beteiligt sich nicht an der Verurteilung Jesu. Mit Nikodemus organisiert er das Begräbnis Jesu. Und dafür stellt er sogar sein eigenes Grab zur Verfügung. Als reicher Mann hat er schon zu Lebzeiten sein eigenes Grab erworben.

Auch Nikodemus ist Mitglied des Hohen Rates. Er ist Pharisäer und Gelehrter. Als Jesus noch im Land umherzieht, predigt und Kranke heilt, da kommt er eines Nachts zu Jesus, um von ihm zu lernen. Vielleicht ist er auch etwas ängstlich wie Josef und möchte nicht von seinen Kollegen gesehen werden. Wahrscheinlich aber wählt er die Nacht für das Gespräch, um in Ruhe und Ausführlichkeit mit Jesus sprechen zu können. Das ist damals unter Gelehrten durchaus üblich.

Jesus spricht zu ihm über die Notwendigkeit der Wiedergeburt. Zu Nikodemus sagt Jesus das Wort, das zu den bekanntesten des Neuen Testamentes gehört:

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Joh 3,16)

Das Gespräch beeindruckt Nikodemus so sehr, dass er später im Hohen Rat für Jesus eintritt. Nach Jesu Tod bekennt er sich dann zusammen mit Josef von Arimathäa zu Jesus, indem er mithilft, ihn zu begraben.

Zwei von den Stillen im Lande sorgen für ein würdiges Begräbnis.

 

Laute und Stille im Jüngerkreis

Zu den Nachfolgern Jesu gehören von Anfang an stille und laute Menschen:

Jesus beruft einen impulsiven Petrus, der sich immer wieder als Lautsprecher bemerkbar macht, und einen Thaddäus, über den eher wenig bekannt ist.

Jesus beruft Johannes und Jakobus, die er wegen ihres Temperamentes „Donnersöhne" nennt, und er ernennt noch einen anderen eher stillen Mann namens Jakobus, den er als Sohn des Alphäus bezeichnet, aber ansonsten in der Bibel wenig erwähnt wird.

Selbst im engsten Jüngerkreis finden sich also die Lauten und die Stillen. Der Herr braucht sie beide: die Petrus-Christen, die laut und mutig auftreten, und die Josef-Christen, die besonnen sind, aber dann handeln, wenn es gefragt wird.

Jesus will alle unterschiedlichen Charaktere zum Bau seines Reiches einsetzen. Den Lautsprecher Petrus ernennt er zum Chef seiner Kirche. Da kann er seine Fähigkeiten als redebegabter Leiter nutzen.

Josef und Nikodemus dienen als Vorbilder für Hingabe und Freigebigkeit, aber auch für mutiges Handeln:

Während Petrus Jesus aus Mutlosigkeit und Angst vor dessen Kreuzigung verleugnet, beweist Josef Mut und geht zu Pilatus und bittet ihn, Jesus bestatten zu dürfen. Josef stellt sein Grab zur Verfügung, als er noch nicht sicher weiß, dass er es nach drei Tagen wiederbekommt.

Nikodemus bezahlt viel Geld für Myrrhe und Aloe. Und das Geld bekommt er nicht nach drei Tagen zurück. Josef und Nikodemus lassen sich ihren Glauben etwas kosten.

 

Gaben und Verantwortung – Täter des Wortes sein

Menschen haben zu allen Zeiten unterschiedliche Gaben und Talente von Gott bekommen. Die gilt es zu nutzen. Da gibt es die extrovertierten Christen, die gut auf andere Menschen zugehen und gerne und gut reden können. Mancher hat die Begabung zu lehren und zu predigen. Da gibt es die introvertierten Christen, die die Anliegen der Gemeinde betend vor Gott bringen. Da gibt es die wohlhabenden Christen, die die Armen mit ihrem Geld unterstützen. Und da gibt es die tatkräftigen Christen, die dann anpacken, wenn es nötig ist. Es gibt Christen, die gut zuhören, trösten und aufrichten, und es gibt andere, die ermahnen und motivieren können.

Gemeinde braucht beides: Laut und leise. Evangelisation und Diakonie. Wort und Tat.

Der Apostel Jakobus mahnt in einem Brief an die junge Gemeinde: „Der Glaube, der nicht tätig ist, ist tot in sich selbst." (Jakobus 2,17) Und er fordert: „Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein." (Jak. 1,22)

„Täter des Wortes sein" bedeutet für mich: Egal, welche Gaben ich von Gott bekommen habe, ich soll sie einsetzen. Ich bin nicht verantwortlich für die Art der Gaben, aber ich bin verantwortlich dafür, ob und wie ich sie einsetze.

Egal ob ich zu den Lauten oder Stillen im Lande gehöre, es gilt:

„Seid Täter des Wortes und nicht Hörer allein."

Josef und Nikodemus sind Vorbilder für mich. Ich möchte von ihnen lernen und Jesus nachfolgen, egal was es kostet.

Und ich möchte mit Gerhard Tersteegen singen: „Ich will anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken."

Die Stillen im Lande

Man nennt sie die „Stillen im Lande".

Der Ausdruck, den schon König David in einem seiner Lieder verwendet (Psalm 35,20), wird im 18. Jahrhundert für die Anhänger und Freunde Gerhard Tersteegens gebraucht. Wie er wollen seine Freunde ein Leben in Abgeschiedenheit, Stille und Anbetung führen. Mystische Versenkung und Meditation spielt für diese Christen eine große Rolle. Gebet und Anbetung sowie erbauliche Predigten stehen im Mittelpunkt ihrer Veranstaltungen.

Bekannt geworden ist das Lied „Ich bete an die Macht der Liebe", das bis heute im „Großen Zapfenstreich" gespielt wird. Dort heißt es:

„Ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken."

Einer, der auch nicht nur an sich denken, sondern sich ins Meer der Liebe versenken will, ist Josef von Arimathäa.


Josef von Arimathäa und Nikodemus – Stille Nachfolger

Josef ist ein Jünger Jesu, so steht es geschrieben. Aber ein Heimlicher, ein Stiller im Lande. Ein Ängstlicher. Josef von Arimathäa ist ein vornehmer Mann, wohlhabend, ein Mitglied des Hohen Rates. Er ist gottesfürchtig. Josef beteiligt sich nicht an der Verurteilung Jesu. Mit Nikodemus organisiert er das Begräbnis Jesu. Und dafür stellt er sogar sein eigenes Grab zur Verfügung. Als reicher Mann hat er schon zu Lebzeiten sein eigenes Grab erworben.

Auch Nikodemus ist Mitglied des Hohen Rates. Er ist Pharisäer und Gelehrter. Als Jesus noch im Land umherzieht, predigt und Kranke heilt, da kommt er eines Nachts zu Jesus, um von ihm zu lernen. Vielleicht ist er auch etwas ängstlich wie Josef und möchte nicht von seinen Kollegen gesehen werden. Wahrscheinlich aber wählt er die Nacht für das Gespräch, um in Ruhe und Ausführlichkeit mit Jesus sprechen zu können. Das ist damals unter Gelehrten durchaus üblich.

Jesus spricht zu ihm über die Notwendigkeit der Wiedergeburt. Zu Nikodemus sagt Jesus das Wort, das zu den bekanntesten des Neuen Testamentes gehört:

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Joh 3,16)

Das Gespräch beeindruckt Nikodemus so sehr, dass er später im Hohen Rat für Jesus eintritt. Nach Jesu Tod bekennt er sich dann zusammen mit Josef von Arimathäa zu Jesus, indem er mithilft, ihn zu begraben.

Zwei von den Stillen im Lande sorgen für ein würdiges Begräbnis.

 

Laute und Stille im Jüngerkreis

Zu den Nachfolgern Jesu gehören von Anfang an stille und laute Menschen:

Jesus beruft einen impulsiven Petrus, der sich immer wieder als Lautsprecher bemerkbar macht, und einen Thaddäus, über den eher wenig bekannt ist.

Jesus beruft Johannes und Jakobus, die er wegen ihres Temperamentes „Donnersöhne" nennt, und er ernennt noch einen anderen eher stillen Mann namens Jakobus, den er als Sohn des Alphäus bezeichnet, aber ansonsten in der Bibel wenig erwähnt wird.

Selbst im engsten Jüngerkreis finden sich also die Lauten und die Stillen. Der Herr braucht sie beide: die Petrus-Christen, die laut und mutig auftreten, und die Josef-Christen, die besonnen sind, aber dann handeln, wenn es gefragt wird.

Jesus will alle unterschiedlichen Charaktere zum Bau seines Reiches einsetzen. Den Lautsprecher Petrus ernennt er zum Chef seiner Kirche. Da kann er seine Fähigkeiten als redebegabter Leiter nutzen.

Josef und Nikodemus dienen als Vorbilder für Hingabe und Freigebigkeit, aber auch für mutiges Handeln:

Während Petrus Jesus aus Mutlosigkeit und Angst vor dessen Kreuzigung verleugnet, beweist Josef Mut und geht zu Pilatus und bittet ihn, Jesus bestatten zu dürfen. Josef stellt sein Grab zur Verfügung, als er noch nicht sicher weiß, dass er es nach drei Tagen wiederbekommt.

Nikodemus bezahlt viel Geld für Myrrhe und Aloe. Und das Geld bekommt er nicht nach drei Tagen zurück. Josef und Nikodemus lassen sich ihren Glauben etwas kosten.

 

Gaben und Verantwortung – Täter des Wortes sein

Menschen haben zu allen Zeiten unterschiedliche Gaben und Talente von Gott bekommen. Die gilt es zu nutzen. Da gibt es die extrovertierten Christen, die gut auf andere Menschen zugehen und gerne und gut reden können. Mancher hat die Begabung zu lehren und zu predigen. Da gibt es die introvertierten Christen, die die Anliegen der Gemeinde betend vor Gott bringen. Da gibt es die wohlhabenden Christen, die die Armen mit ihrem Geld unterstützen. Und da gibt es die tatkräftigen Christen, die dann anpacken, wenn es nötig ist. Es gibt Christen, die gut zuhören, trösten und aufrichten, und es gibt andere, die ermahnen und motivieren können.

Gemeinde braucht beides: Laut und leise. Evangelisation und Diakonie. Wort und Tat.

Der Apostel Jakobus mahnt in einem Brief an die junge Gemeinde: „Der Glaube, der nicht tätig ist, ist tot in sich selbst." (Jakobus 2,17) Und er fordert: „Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein." (Jak. 1,22)

„Täter des Wortes sein" bedeutet für mich: Egal, welche Gaben ich von Gott bekommen habe, ich soll sie einsetzen. Ich bin nicht verantwortlich für die Art der Gaben, aber ich bin verantwortlich dafür, ob und wie ich sie einsetze.

Egal ob ich zu den Lauten oder Stillen im Lande gehöre, es gilt:

„Seid Täter des Wortes und nicht Hörer allein."

Josef und Nikodemus sind Vorbilder für mich. Ich möchte von ihnen lernen und Jesus nachfolgen, egal was es kostet.

Und ich möchte mit Gerhard Tersteegen singen: „Ich will anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken."

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