/ Bibel heute
Die Rückkehr der Zwölf und die Speisung der Fünftausend
Christine Löwe über Lukas 9,10-17.
Und die Apostel kamen zurück und erzählten Jesus, wie große Dinge sie getan hatten. Und er nahm sie zu sich und zog sich mit ihnen allein in eine Stadt zurück, die heißt Betsaida. Als die Menge das merkte, zog sie ihm nach. Und er ließ sie zu sich und sprach zu ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung bedurften. Aber der Tag fing an, sich zu neigen. Da traten die Zwölf zu ihm und sprachen: Lass das Volk gehen, dass sie hingehen in die Dörfer und Höfe ringsum und Herberge und Essen finden; denn wir sind hier an einer einsamen Stätte.[...]
Eine wundersame Geschichte, die viele seit ihren Kindertagen kennen. Fast märchenhaft und mit einem Happy End, denn am Ende werden in einer abgelegenen einsamen Gegend alle von fünf Broten und zwei Fischen satt. Und es bleiben sogar noch Reste übrig, nämlich zwölf Körbe voll.
Zu schön, um wahr zu sein, denken Sie? Diese Gedanken kann ich gut nachvollziehen. Als Fernsehzuschauer habe ich schließlich die Not der ganzen Welt vor Augen. Und Hunger ist ja gerade in den wüstenähnlichen Regionen dieser Welt allgegenwärtig. Ganz zu schweigen von den Kriegsregionen auf dieser Erde, wo Menschen ihre Böden und Äcker nicht mehr bestellen können oder komplett abgeschnitten sind von der Lebensmittelversorgung. Da bleibt die Bitte um das tägliche Brot im Vaterunser Tag um Tag unerfüllt.
Wie schnell bin ich daher geneigt, diese Geschichte als phantastisch und realitätsfern abzutun oder allenfalls als Bild für das kommende Reich Gottes zu sehen. Bei näherer Betrachtung aber entdecke ich, dass dieser Bericht von der Speisung der 5.000 einiges darüber enthält, wer Gott ist und wie er auch heute noch wirkt und handelt.
Das Wesen und Handeln Gottes
Jesus Christus sagt einmal von sich: Ich bin das Brot des Lebens! Damit stellt er sich uns als der Versorger und Fürsorger dar. Und das wird auch in dieser Geschichte deutlich. Jesus sorgt für alle, die zu ihm kommen, und zwar nicht nur für ihr leibliches Wohl, sondern er sorgt für Leib und Seele. Im Vers 11 heißt es: „Und er sprach zu ihnen vom Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung bedurften.“ Denn auch die Seele hungert ja, wenn sie nicht versorgt ist, wenn wir Seelenqualen leiden, eine seelische Verletzung noch nicht heilen konnte.
Jesus räumt dem Hunger nach Zuwendung und einem tröstlichen Wort oberste Priorität ein, ungeachtet der Tageszeit und vielleicht besonders dann, wenn der Tag sich neigt, die Dunkelheit einbricht und für viele Menschen der Kummer und die Sorge Übermacht gewinnen. Wir dürfen jederzeit zu ihm kommen, wenn wir trauern, wenn wir im Streit auseinander gegangen sind, wenn wir mit uns und den anderen im Unfrieden leben. Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Das ist ein Programmsatz, ein Lebensmotto von Jesus Christus. Erquickung meint Heilung, Vergebung, Ruhe, je nach unseren Bedürfnissen. All das können Menschen erfahren, wenn sie sich an Jesus wenden, zum Beispiel im Gebet. Gott selbst kümmert sich um sein Volk wie der Hirte um seine Schafe. Und diese Sorge reicht bis in die Sorge um unsere materiellen Grundbedürfnisse nach Essen und Trinken.
Fürsorge
Als es nun Zeit für das Abendbrot wird und der Wunsch nach Nahrungsaufnahme in den Vordergrund rückt, erfährt die Geschichte allerdings eine kleine Wende. Während Jesus bisher selbst als der Versorger und Kümmerer für das Volk, das zusammengekommen war, aufgetreten ist, wendet er sich jetzt unmittelbar an die Jünger mit den Worten, vgl. Vers 13: „Gebt ihr ihnen zu essen.“ Damit nimmt Jesus seine Jünger in die Pflicht und überträgt ihnen die Verantwortung, für die Menschen zu sorgen. Natürlich könnten alle nach Hause geschickt werden, damit jeder sich selbst versorge. So schlagen es die Jünger vor. Jesus aber ist das Essen in Gemeinschaft wichtig. Und er überträgt die Aufgabe der Organisation und Beschaffung seinen Jüngern: „Gebt ihr ihnen zu essen.“ Dahinter steht die Frage: Was hast du, was kannst du geben?
Eine Frage, die uns als Christen auch heute betrifft. Es geht hier um jeden Bereich unseres Lebens. Angefangen von unseren privaten Aufgaben in unserem unmittelbaren Umfeld – Familie, Schule, Arbeitsplatz, Ortsgemeinschaft oder Kirchengemeinde – bis hin zu den globalen Aufgaben in dieser Welt. Wir sind beauftragt, Verantwortung zu übernehmen, füreinander zu sorgen, aufeinander zu achten. Aber: „Moment mal, wie soll das gehen?“, höre ich einige fragen. „Wir sind wenige. Unsere Kraft ist klein. Unsere finanziellen Mittel sind beschränkt. Es gibt hier nicht genug Nahrung, die für alle reichen würde. Was da ist, reicht gerade für unseren engen Kreis.“
Einfach anfangen
Schnell bin ich geneigt zu kapitulieren und schaue auf den Mangel, auf die Defizite, auf die äußeren Umstände, die dagegen sprechen. Ja, sehr oft scheint es, dass die Lösungen außerhalb unserer Reichweite liegen, dass wir es nicht schaffen, dass die Aufgabe zu groß ist. „Wir haben doch nur fünf Brote und zwei Fische zur Verfügung!“ So bringen es die Jünger auf den Punkt.
Doch schließlich tun sie, wie ihnen gesagt wird. Sie lassen das Volk sich lagern und übergeben Jesus das Wenige, das sie haben. Und Jesus vollendet das Werk mit den Worten, die vielen aus der Abendmahlsliturgie wohl bekannt sind (vgl. Vers 16): „Da nahm er das Brot, dankte, brach´s und gab ihnen das.“ „Und sie aßen und wurden alle satt.“ (vgl. Vers 17). Damit endet unsere Geschichte und geht noch darüber hinaus, denn es blieben noch zwölf Körbe voll übrig.
Überfluss erfahren
Jesus gibt im Überfluss, wenn wir nur anfangen, das Wenige, was wir haben, weiterzugeben, einzusetzen, zu teilen. Das ist die Botschaft dieser Geschichte. Was kann das für uns heute bedeuten? Was haben wir und können wir geben? Vielleicht ganz konkret Zeit für den Nachbarn, der in Trauer um den Verlust eines lieben Menschen ist. Unsere Fähigkeiten und Begabungen, um eine Aufgabe in der Kirchgemeinde zu übernehmen oder - ganz allgemein gesprochen - offene Augen, um die Nöte und Bedürfnisse anderer zu sehen und richtig einzuschätzen. Hörende Ohren, um zu erfahren, was andere plagt. Oder, oder...
Nicht immer wissen oder erfahren wir, was aus unserer Gabe wird. Manches erscheint uns wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber das liegt dann nicht mehr in unserer Verantwortung. Von uns erwartet Jesus lediglich, dass wir tun, was wir können, was in unserer Macht liegt und was unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten hergeben. Lassen Sie sich also heute fragen: Was habe ich, was kann ich geben? Und lassen Sie uns mit dem beginnen, was da ist und was jetzt dran ist im Vertrauen darauf, dass Jesus es segnet und damit unseren Mangel ausfüllt.
Ihr Kommentar