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/ Bibel heute

Es ist passiert

Der Bibeltext Galater 6,1-9 – ausgelegt von Ingrid Braun.

Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid. Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst.[...]

Galater 6,1-9

Wenn Worte und Taten entgleisen

Unschöne Worte stehen im Raum. Bei einer Zusammenkunft des Mitarbeiterkreises explodiert einer, ich nenne ihn Aaron. Er wirft dem Gemeindeleiter alles Mögliche an den Kopf, bis dahin, dass es irgendwann aus ihm herausplatzt: „Dir trau ich’s zu, dass du auch in die Kasse greifst!“ Allen ist klar: Das stimmt so nicht. Was Aaron dem Leiter unterstellt, entbehrt jeglicher Grundlage.

Die Sache mit Aaron habe ich erfunden. Aber so ähnlich kann es laufen: Da vergaloppiert sich einer komplett – mit Worten und vielleicht sogar mit Taten. Alle anderen schütteln nur noch den Kopf und fragen sich: Wie kann der bloß?

Die christlichen Gemeinden in Galatien scheinen ähnliche Vorfälle zu kennen. Paulus erwähnt den Fall, dass ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird. Da hat einer danebengegriffen. Er hat nicht nur einen harmlosen Fehler gemacht in dem Sinn, dass er das Plakat rot statt blau gestaltet oder Semmeln statt Brezen gekauft hat. Es geht um einen Fehltritt, eine Verfehlung. Etwas, was falsch ist und was Schaden anrichtet. Das Ganze ist nicht beabsichtigt. Es ist passiert. Paulus schreibt von dem Fall, dass ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird.

Ich kann mir die Reaktionen lebhaft vorstellen. „Wie konnte Aaron nur so ausfällig werden!“, wird hinterher gesagt. Und vielleicht denkt der eine oder andere: „Typisch Aaron! Von dem habe ich nichts anderes erwartet.“ Wenn einer einen Fehler macht, kann ich mich dem erhebenden Gefühl hingeben, dass ich selbst zum Glück ein bisschen besser bin als er.
 

Mit sanftmütigem Geist zurechthelfen

„Das geht gar nicht“, schreibt Paulus, „ihr seid doch Leute, die vom Heiligen Geist erfüllt sind! Eure Reaktion soll anders sein.“ Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid.

Ich finde es bezeichnend: Paulus befasst sich nicht mit demjenigen, der den Fehler gemacht hat. Paulus geht es darum, wie die Gemeinde mit ihm umgeht.

Und da ist vor allem eines angesagt: nicht von oben herab den anderen abzuurteilen, sondern ihm wieder zurecht zu helfen – und zwar mit Sanftmut. Sanftmut gehört zu den Früchten des Geistes, die Paulus in Kapitel 5 aufgezählt hat. Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, den anderen zu entschuldigen, ihn in Schutz zu nehmen, wo nichts in Schutz zu nehmen ist. Es geht darum, dem anderen zu helfen, damit er wieder auf die richtige Bahn kommt.

„Und das mit sanftmütigem Geist“, schreibt Paulus. Das heißt: So, dass ich mir bewusst bleibe: Ich bin doch auch nicht besser. Ich mache auch immer wieder Dinge falsch. Deswegen stelle ich mich nicht über den anderen. Ich stehe auf einer Stufe mit ihm. Gemeinsam versuchen wir, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

„Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern“, schreibt Paulus.  

Vergleicht euch nicht mit anderen. Schaut nicht darauf, ob ihr besser oder schlechter seid. Schaut darauf, dass es bei euch stimmt: dass euer Leben mit eurem Glauben übereinstimmt; dass das, was ihr sagt und tut, vor Gott recht ist. Bemüht euch darum, dass euer Leben Gott die Ehre gibt.

Dem, der einen Fehler gemacht hat, mit sanftmütigem Geist wieder zurecht zu helfen und sich nicht über den anderen zu stellen, ist das eine, was Paulus wichtig ist. Das Zweite ist: Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Paulus weiß, wie schnell es geht, dass man ins gleiche Fahrwasser gerät. Ich meine noch, ich habe alles Recht, dem anderen seinen Fehler unter die Nase zu reiben – dabei bin ich selbst schon lieblos unterwegs. Ja, schlimmstenfalls übt der Fehler des anderen eine geheimnisvolle Anziehungskraft aus – so, dass ich selbst mithineingezogen werde. „Passt auf euch auf“, sagt Paulus, „damit euch das nicht passiert!“
 

Die Last der Schuld nicht allein tragen

„Lasst den anderen mit seiner Schuld nicht allein“, ist die dritte Aufforderung des Paulus. „Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

Manchmal wird dieser Satz so verstanden, dass wir uns in der Gemeinde gegenseitig helfen sollen, wenn z. B. einer viel Leid ertragen muss. Das ist nie verkehrt. Paulus meint an dieser Stelle aber konkret die Last der Schuld. In der Gemeinde soll keiner mit der Last seiner Schuld allein gelassen werden. Es ist Aufgabe der Gemeinde, füreinander da zu sein – auch und gerade so, dass der, der schuldig geworden ist, den Weg findet, seine Schuld zum Kreuz Jesu zu bringen, um sie dort loszuwerden.

„Letztlich“, schreibt Paulus, „wird sich jeder für sein Leben und Handeln selbst vor Gott rechtfertigen müssen.“ Das gilt auch für hochmütige Gedanken, die mir vorgaukeln, ich bin ein besserer Mensch. „Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen“, schreibt Paulus. „Jeder muss sich selbst für sein Reden, Denken und Tun vor Gott verantworten. Deswegen: Solange es möglich ist, helft einander, auf dem rechten Weg zu bleiben oder dahin zurückzukehren.
 

Geistlich statt fleischlich leben

Es soll in der Gemeinde geistlich zugehen und nicht fleischlich – nicht so, wie es normalerweise in der Welt läuft, wie mein Egoismus es mir vorgibt. Sondern so, wie der Geist Gottes es will.

Denn eines bleibt klar: Wer meint, er könne auf den Geist verzichten, er wisse selbst, was für ihn gut ist, der wird am Ende genau da landen, wo sein Egoismus ihn hinführt – nämlich ins Verderben. Wer sich aber vom Geist leiten lässt, der wird vom Geist zum ewigen Leben geführt.

Auch, wenn es oft zuerst der mühsamere Weg zu sein scheint: Wer sich vom Geist leiten lässt, ist auf dem richtigen Weg.

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