/ Bibel heute
Statt Freiheit – Zwang des Gesetzes
Der Bibeltext Galater 5,16-26 – ausgelegt von Ludwig Geisler.
Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen. Denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; die sind gegeneinander, sodass ihr nicht tut, was ihr wollt. Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.[...]
Freiheit durch Gnade und Gottes Geist
Paulus schreibt den Christen in Galatien. Dort hat er auf seiner ersten Missionsreise Gemeinden gegründet. Das liegt noch nicht so lange zurück. Aber die Gemeinden sind verunsichert, und Paulus ist empört: „Ihr unvernünftigen Galater, wer hat euch verblendet?“, fragt er sie. Die gute Nachricht von der Gnade Gottes, die uns von dem Zwang des Gesetzes befreit, wird infrage gestellt. „Gab Gott euch denn seinen Geist und wirkt er Wunder unter euch, weil ihr das Gesetz befolgt oder weil ihr die Botschaft vom Glauben gehört habt?“ So will Paulus die Christen in Galatien an den Grund ihres Glaubens erinnern. Diese Frage will ich mir auch stellen. Die Frage nach einem christlichen Lebensstil in Übereinstimmung mit Gottes guten Weisungen, aber doch frei von den Regeln des Talmud, der jüdischen Gesetze. „Christus hat uns befreit, damit wir auch in Freiheit leben!“, ruft Paulus den Galatern in Kapitel 5,1 zu.
Die Unterscheidung von Gesetz und Gnade, von Gerechtigkeit aus Werken oder aus Glauben muss immer wieder erklärt und bedacht werden. Der Brief an die Galater ist dafür ein lehrreiches Bibelbuch. Es könnte so einfach sein, wenn Gottes Geist in uns Klarheit schafft. Darin liegt die Herausforderung und darin besteht oft die Abweichung: Unsere menschliche Natur widerstrebt dem Geist Gottes. Unser selbstsüchtiges Wollen liegt in unserer von Gott abgewandten Natur – die Bibel nennt sie auch „Fleisch“. Als Pfingsten geschieht, sendet Jesus den versprochenen Helfer, Tröster und Sachwalter, den Heiligen Geist. Durch ihn werden die Apostel ermutigt und befähigt, von der Auferstehung und dem ewigen Leben zu reden. Durch Gottes Geist geschehen wunderbare Zeichen und werden Menschen verändert. Durch ihn wächst die Zahl der Jesus-Nachfolger, die Ecclesia, die Kirche.
Die menschliche Natur und ihre Werke
Die menschliche Natur wird aber nicht ausgelöscht, sodass es auch zu Streit, Zwietracht und Spaltungen kommt. Paulus erwähnt in unserem Text vierzehn „Werke des Fleisches“, also Untaten, die unsere Ichbezogenheit hervorbringt. Ich habe mich gefragt, was meine Schwachstellen sind. In allem ist es die mangelnde Selbstbeherrschung, ob bei sexueller Unmoral oder bei Genusssucht – die Bibel spricht von Fressgelagen. Unsere Gesellschaft leidet an Egoismus, an Feindseligkeit, Intrigen und Neidereien. Der Glaube wird angefeindet durch Götzendienst und Okkultismus.
In den Zeiten des Apostels Paulus sind im Römischen Reich die Auswirkungen der Selbstsucht deutlich sichtbar. Intrigen und Mord sind unter den Herrschenden verbreitet. Von Julius Caesar bis Domitian werden im Römischen Reich fünf Kaiser ermordet. Die sexuelle Unmoral und Ausschweifung, die Trunkenheit und Fressgier werden zur Schau gestellt. Diese Verlockungen machen auch vor den Christen nicht halt. Die Bibel mahnt uns zur Bescheidenheit und zum Teilen unserer Güter. Im Brief des Jakobus (3,13) können wir lesen: „Wer von euch ist denn weise und verständig? Er soll das durch seinen Lebenswandel zeigen, und zwar in der Bescheidenheit, die aus der Weisheit kommt.“
Die Frucht des Geistes: Farben des Lebens
Im ersten Vers unseres Textes will ich es mir von Paulus sagen lassen, wer der entscheidende Bestimmer meines Lebens sein will: „Lasst den Geist Gottes euer Leben bestimmen, dann könnt ihr den Begierden in euch widerstehen.“ Dann werdet ihr nicht mehr von eurer Lust beherrscht.
Paulus beschreibt uns dann eine Frucht mit neun Wesenszügen, die der Geist Gottes in unserem Leben „hervorbringt“. Wir können sie nicht selbst produzieren, aber wachsen lassen. Ich will mich erfüllen und leiten lassen und diese Wesenszüge ausstrahlen. Sie sollen die Farben meines Lebens sein.
Liebe – Freude – Frieden – Geduld – Freundlichkeit – Güte – Treue – Sanftmut – Selbstbeherrschung.
Welche Farbe hat mich von Anfang an begleitet? Welche Farbe soll in meinem Leben hervortreten? Welche Farbe ist noch sehr blass in meinem Leben?
- Die Freude hat mich am Beginn meines Christseins zuerst erfüllt und bleibt in mir als eine starke Kraft. Das Glück, bei Gott angenommen zu sein und bei Jesus Vergebung zu finden, ist für mich unbeschreiblich. So freue ich mich täglich über Worte der Bibel, aber auch an der Gemeinschaft mit Menschen, die mit mir auf dem Wege sind. So wie Esra es seinem Volk zurief, gilt es auch mir: „Die Freude am HERRN ist eure Stärke, sie gibt euch Kraft.“ (Nehemia 8,10)
- Die Freundlichkeit möge als Wesensmerkmal immer stärker hervortreten. Ich will sie reflektieren, weil Gottes Freundlichkeit mich anstrahlt. Paulus schreibt an Titus so schön: Als aber erschien die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes, unseres Heilands, hat er uns gerettet und durch den Heiligen Geist erneuert. (Titus 3,4) Ein freundliches Lächeln gibt meinem Gegenüber ein gutes Gefühl und provoziert eine Erwiderung. Ein freundliches Wort ist wie ein Sonnenstrahl im trüben Alltag.
- Die Selbstbeherrschung ist wie die Weisheit eine Gabe, die im Alter zunehmen soll. Ich bin schon alt, aber oft noch unbeherrscht. Wo sie fehlt, bin ich ungeduldig und lieblos. Im Brief des Petrus habe ich den weisen Rat gelesen: So setzt nun allen Fleiß daran, in eurem Glauben ein vorbildliches Leben zu führen und diesem Leben muss die Selbstbeherrschung folgen, der Selbstbeherrschung die Geduld und der Geduld die liebevolle Ehrfurcht vor Gott. (2. Petrus 1,6)
Im Geist wandeln und Jesus nachfolgen
So sind sich die Apostel bei aller Unterschiedlichkeit einig und konform mit ihrem HERRN Jesus Christus. Paulus, Jakobus und Petrus beschreiben die geistliche Frucht in einem Christenmenschen mit diesen Tugenden. Ich sagte schon, die Selbstbeherrschung fällt mir schwer, da braucht Gott mit mir Geduld. An meinem Tun und Handeln soll sichtbar werden, dass der Heilige Geist in mir etwas Neues begonnen hat. „Lasst uns nun auch im Geist wandeln“, steht kurz und klar in der Luther- und Schlachter-Übersetzung. Wandeln, das ist die christliche Bewegungsform; frei und doch nicht orientierungslos. Ich habe mich entschieden und will Jesus nachfolgen. Er ist der Ursprung, der Weg und das Ziel (Offenbarung 22,13).
Die Verse 25 und 26 finde ich in der Neuen Genfer Übersetzung sehr treffend ausgedrückt: „Wir wollen uns auf Schritt und Tritt von Gottes Geist bestimmen lassen, nicht überheblich auftreten, einander nicht provozieren und nicht neidisch aufeinander sein!“ Dazu segne uns der HERR Jesus Christus.
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