/ Bibel heute
Vom Knecht zum Erben
Der Bibeltext Galater 4,1-7 – ausgelegt von Julien Schmidt.
Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, ist zwischen ihm und einem Knecht kein Unterschied, obwohl er Herr ist über alle Güter; sondern er untersteht Vormündern und Verwaltern bis zu der Zeit, die der Vater bestimmt hat. So auch wir: Als wir unmündig waren, waren wir geknechtet unter die Mächte der Welt.[...]
In den Versen 1 – 2 beginnt Paulus mit einem Bild aus dem damaligen Alltag. Solange ein Kind minderjährig ist, besitzt es keinen höheren Status als ein Sklave. Obwohl es später alles erben würde, hat es als Minderjähriger nicht mehr Autorität als ein Sklave. Tatsächlich steht es sogar unter diesem. Sklaven werden damals auch als Erzieher für Kinder eingesetzt. Das Kind hat nicht mehr Freiheit als ein Sklave, in manchen Situationen sogar noch weniger. Dass das Kind genau wie ein Sklave unter anderen steht, dauert so lange an, bis der Vater den Sohn zum Erben erklärt.
In Vers 3 wendet Paulus dieses Bild an. „Unter dem Gesetz“ bedeutet, dass die Juden unter die rechtlichen Vorschriften des Mosaischen Gesetzes versklavt sind. Die Nichtjuden hingegen kennen den wahren Gott, den Gott Israels noch nicht, bis Jesus Christus in die Welt kommt. Vorher haben die Nichtjuden mit der Anbetung von menschengemachten Göttern und heidnischen Ritualen zu tun.
Die Bestimmungen des Gesetzes sind ein Zeichen der Unreife. Unter dem Gesetz sind die Juden versklavt und abhängig. In diesem Sinne hält sie das in einem Zustand geistlicher Unreife. Manche Christen leben tatsächlich wie Sklaven. Sie sind zwar vor der Hölle gerettet, aber sie verpassen die herrliche Wahrheit, dass sie Söhne und Töchter Gottes sind.
Paulus erinnert die Christen in Galatien daran, so zu leben, wie sie es als Kinder Gottes dürfen. Bereits in Galater 3, Vers 26 hat er ihnen geschrieben: „Denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben in Christus Jesus.“ Sie sind also nicht nur Erlöste, sondern Gottes Kinder.
Die Galater als Nichtjuden kannten den wahren Gott früher nicht und dienten Götzen, also menschengemachten falschen Göttern.
Auf seiner ersten Missionsreise hat Paulus sein Leben riskiert, als er zu den Galatern reiste, um ihnen das Evangelium zu verkündigen. Er wurde von den Menschen in Galatien gesteinigt. Sie dachten, er sei tot, und ließen ihn einfach liegen.
Paulus verkündigte den Galatern die gute Nachricht von Jesus Christus. Nämlich, dass sie allein aus Gnade durch den Glauben an Jesus Christus gerechtfertigt und Kinder Gottes sind. Nach Paulus kamen dann Juden und lehrten die nichtjüdischen Galater, dass sie das Mosaische Gesetz einhalten sollen.
Da sich die Christen in Galatien von diesen falschen Lehrern verwirren ließen, erinnert Paulus sie in den folgenden Versen daran, dass sie allein durch Christus erlöst und Kinder Gottes sind.
In Vers 4 schreibt der Apostel vom Kommen von Gottes Sohn, Jesus Christus. Dieser kommt zur Fülle der Zeit. „Fülle der Zeit“ meint die von Gott bestimmte Zeit, zu der die Prophetien auf den Erlöser Jesus Christus erfüllt werden. Dieser Erlöser muss Jude sein und zugleich wahrer Mensch und wahrer Gott, um sein Volk von dem Gesetz zu befreien.
Zu diesem Erlöser sagt Paulus drei Dinge: Erstens sendet Gott seinen Sohn, was seine Gottheit betont. Zweitens wird er von einer Frau geboren, was sein Menschsein betont. Drittens wird er unter dem Gesetz geboren, was seine jüdische Identität betont. Er ist also Jude, Gott und Mensch zugleich.
In Vers 5 werden zwei Gründe für das Kommen des Sohnes genannt. Erstens kommt er für die Juden, damit er die loskauft, die unter dem Gesetz sind. Zweitens – hier ist der Wechsel zum Pronomen „wir“ zu beachten – damit wir (Juden und Nichtjuden) die Sohnschaft empfangen. Der Weg zur Reife ist also das Kommen des jüdischen Erlösers, der sowohl Gott als auch echter Mensch ist.
Diese neue Reife führt zu drei Ergebnissen. Die erste Folge in Vers 6 besteht darin, dass Gott seinen Heiligen Geist in die Herzen der Gläubigen sendet. Dieser soll den Menschen bewusst machen, dass dies der Beginn einer neuen Beziehung ist. Da die Gläubigen nun eine Verwandtschaftsbeziehung zu Gott haben, können sie nun „Abba, Vater“ rufen. Das Wort „Abba“ bedeutet nicht einfach nur Vater, sondern kann mit „Papa“ übersetzt werden. Der Geist lebt in den Herzen der Gläubigen und wendet sich mit den Worten „Abba, Vater“ an Gott.
Und auch die Gläubigen haben das Recht, den Vater so anzusprechen, was Römer 8,15 zeigt. Genau so hat Jesus Christus den Vater (Markus 14,35-36) im Garten Gethsemane kurz vor seiner Kreuzigung angesprochen. Er weiß, dass ihm nicht nur der grausamste römische Foltertod bevorsteht, sondern dass er stellvertretend für die Sünde der Welt den heiligen und gerechten Zorn Gottes erleidet.
Am Kreuz ruft der Herr Jesus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“
Der Herr Jesus trägt dieses Leid, diese Trennung von Gott, damit Christen nicht nur nicht in die Hölle kommen, sondern damit sie Kinder Gottes und Christus ähnlich sein dürfen. Christusähnlichkeit ist Gottes höchster Wille für alle Menschen. Alle Christen soll dies daran erinnern, die Kindschaftsbeziehung zu Gott dem Vater zu führen, die sie in Christus zu ihm haben dürfen.
Und alle, die Jesus Christus noch nicht als ihren Herrn und Retter angenommen haben, soll es ermutigen, dies zu tun und selbst Kind Gottes zu werden. Ich schließe mit Johannes 1,12: „So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben“.
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