/ Bibel heute
Vertrauen statt Glaubensvorschriften
Der Bibeltext Galater 3,1-14 – ausgelegt von Edgar Penning.
O ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert, denen doch Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte? Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben*? Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr’s denn nun im Fleisch vollenden?[...]
Ein herber Schlag – auf dem Rasen und in Galatien
Das war ein herber Schlag für die deutsche Fußballmannschaft. Ein vorzeitiges Aus bei der WM 2026 im Sechzehntelfinale gegen Ecuador. Die Enttäuschung stand den Fans ins Gesicht geschrieben. Worte wie: „Seid ihr blind über den Rasen gelaufen? Habt ihr verlernt, wie man Fußball spielt?“, mögen evtl. hier und dort gefallen sein. Der heutige Bibeltext aus Galater 3 beschreibt eine ähnliche Anspannung. Hier geht es nicht um ein Fußballspiel. Sondern es geht um das Gemeindeleben der Christen in Galatien, über die Paulus sehr enttäuscht ist. Statt der Treue zu Jesus stellen die Galater Glaubensvorschriften in den Vordergrund. Die Predigt über Jesus verliert mehr und mehr an Bedeutung. Paulus muss Tacheles reden. Das Hauptproblem beim Namen nennen. Wir Norddeutschen würden sagen: „Hier muss Butter bei die Fische.“ Eine gute Bekannte schrieb mir vor einiger Zeit: „Lieber Edgar, Dir wünsche ich gute Gedanken zu Galater 3! Es ist wohl leichter, diese Ermahnung im Radio vorzutragen, als im Gottesdienst mit Besuchern vor der Nase.“ Meine Bekannte ahnte wahrscheinlich, welche Herausforderung dieser Text in sich trägt. Der Brief des Paulus kann durch die Blume auch als Mahnung für uns heute verstanden werden.
Paulus und die Gemeinden in Galatien
Paulus hatte die Gemeinden in Galatien auf einer seiner Missionsreisen mitgegründet. Wenn Paulus von den Galatern spricht, dann handelt es sich um keine einzelne Stadt. Es geht um Christen in mehreren Gemeinden, vermutlich in der römischen Provinz Galatien in Kleinasien – in der heutigen Türkei. Dorthin wanderten im dritten Jahrhundert vor Christus keltische Stämme ein. Diese stammten von der bretonischen Küste aus Gallien, dem heutigen Frankreich. Paulus begegnete dort Menschen, die noch nie etwas von Jesus gehört haben. Für ihn war es eine große Herzensangelegenheit, diesen Menschen von Jesus Christus zu erzählen.
Vom Geist begonnen – im Gesetz gelandet?
In der BasisBibel steht über Galater 3,1-5 folgende Überschrift: „Die Galater wenden sich von der Botschaft des Glaubens ab.“ Nur darum geht es Paulus in seinem Brief. Weiter heißt es: „Ach ihr unvernünftigen Galater. Wer hat euch so verhext? Ist euch denn Jesus nicht eindrücklich genug als Gekreuzigter vor Augen gestellt worden? Ich möchte nur eines von euch wissen: Warum habt ihr den Heiligen Geist empfangen? Weil ihr das Gesetz befolgt, oder weil ihr die Botschaft des Glaubens gehört habt? Begonnen habt ihr aus der Kraft des Heiligen Geistes. Und jetzt wollt ihr aus eigener Kraft zum Ziel kommen?“
Paulus schreibt später in Galater 4,8: „Damals, als ihr Gott noch nicht kanntet, dientet ihr Göttern, die in Wirklichkeit keine sind.“ (SCH2000) Zitat Ende. Zu ihrem Glauben an Jesus Christus gesellte sich eine gesetzliche Frömmigkeit. Beschneidung, jüdische Satzungen waren die neuen Heilsbedingungen. Paulus kann es nicht verstehen, dass die Freiheit durch Christus durch Glaubensvorschriften ersetzt wird. Paulus hat sein Erlebnis mit dem Heiligen Geist vor Damaskus noch sehr gut in Erinnerung. Jesus selbst ist ihm durch ein Licht vom Himmel begegnet. (Dies ist in der Apostelgeschichte 9,3-6 nachzulesen.) Für Paulus ist Jesus keine Einbildung. Er unterliegt auch keiner Träumerei oder einem Hirngespinst. Nein! Jesus redet mit Paulus, wie Gott einst aus der Wolkensäule zu Mose sprach. Paulus ist so davon ergriffen, dass er als Christenverfolger zu jemandem wird, der jetzt auf Christus hinweist. Sein bisheriger Rufname Saulus (was bedeutet: eifriger, gesetzestreuer Jude) soll nun durch seinen Hauptnamen Paulus abgelöst werden. Dies bedeutet „der Kleine“. Er wird klein, damit Christus in ihm groß wird. Und genau das wünscht sich Paulus auch für die Christen in Galatien. In den Anfängen wirkt der Heilige Geist große Wunder, sodass sich viele Galater taufen lassen. Die Anzahl der christlichen Gemeinden wächst stetig.
Allein der Glaube – der Sound der Hoffnung
Es ist schon erstaunlich, dass wiedergeborene Christen in jeder Zeitepoche dazu neigen, ihre Befreiung durch Jesus in feste Ordnungen und Gesetzesvorgaben zu pressen. Wie oft sind mir schon in meinem frühen Leben Sätze begegnet wie: Du darfst als Christ nicht tanzen. Du darfst als Christ am Sonntag kein Fahrrad fahren. Der Gottesdienst darf nicht länger als eine Stunde dauern. Und beim Gebet solltest du aufstehen. Vielleicht kennen auch Sie ähnliche selbstgemachte Vorschriften. Auch mit der Kleiderordnung im Gottesdienst habe ich so manche spannende Begegnung. Ordnung in christlicher Gemeinschaft mag an vielen Stellen sinnvoll sein. Aber sie darf nicht zum allgemeinen Allheilmittel werden.
Ich frage mich oft, warum ist die Einladung Gottes in den Himmel sehr oft mit Bedingungen verknüpft? Wo sie doch nur durch Menschen gemacht sind. Heute weiß ich, dass allein der Glaube an Jesus Christus und seine Botschaft mich vor Gott rein spricht. Von Abraham heißt es: „Er glaubte Gott und das rechnete ihm Gott als Gerechtigkeit an.“ (1. Mose 15,6)
Aber auch ich bin in Gefahr, in Gesetzlichkeiten abzurutschen. Mit 14 Jahren war ich wohl der stolzeste Christ im ganzen Land. Ich dankte Gott, dass ich im gesamten Kindesalter jeden Abend mein Abendgebet sprach: „Lieber Heiland, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“ Ich habe später verstanden, dass dieses Gebet nicht unweigerlich eine Eintrittskarte für den Himmel ist. Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, dass die Kraft des Glaubens nicht aus mir selber entspringt. Sondern immer aus dem Geist Gottes heraus. In Zeiten, wo ich Jesus nicht im Blick habe, wird mein Vertrauen zu Gott schwächer. Mein Gottesvertrauen wird allerdings dann gestärkt, wenn ich meinen Alltag bewusst mit Jesus gestalte.
Zum Schluss möchte ich Ihnen eine Frage stellen: Verspüren Sie heute noch die anfängliche Liebe Jesu in Ihrem Herzen? Martin Pepper beschreibt diesen Zustand in einem seiner Lieder, „Sound der Hoffnung“, wie folgt: „Ein himmlischer Raum tut sich uns weit, weit auf. Und das Schwache wird stark, es geht durch bis ins Mark, das Gnädige wirkt uns zur Rettung … Heiliger Geist. Sound der Hoffnung.“ [
Bitte erhalten auch Sie die Lebendigkeit des Heiligen Geistes in Ihrem Herzen. Davon profitiert auch Ihre örtliche Gemeinde. Seien Sie gewiss, dass Sie im Glauben mit Jesus einmal rein vor Gott stehen werden. Seien Sie sich sicher, dass Jesus bereits am Kreuz alle Ihre und meine Schuld auf sich genommen hat. Lösen Sie sich von den Gedanken, immer vor Gott perfekt dazustehen. Allein der Glaube ist Ihre und meine einzige Heilsbedingung. Das ist der Sound der Hoffnung und die Gewissheit, die Gott von Anbeginn seiner Schöpfung jedem von uns zuspielt!
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