/ Bibel heute
Geld haben oder Geld dienen
Der Bibeltext Prediger 5,9-19 – ausgelegt von Ralf Gotter.
Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben. Das ist auch eitel. Mehrt sich das Gut, so mehren sich, die es verzehren; und was hat sein Besitzer davon als das Nachsehen? Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süß, er habe wenig oder viel gegessen; aber die Fülle lässt den Reichen nicht schlafen.[...]
Geld regiert die Welt – wirklich?
Geld regiert die Welt – ohne Moos nix los. Bestimmt kennen Sie diese Sprüche, und die stimmen doch, oder? Wir müssen unseren Lebensunterhalt bezahlen, unsere Kinder unterstützen, für das Alter vorsorgen. Wir spenden unseren Zehnten und wir brauchen auch mal Urlaub. Ohne Geld geht das alles nicht. Die ganze Gesellschaft würde ohne Geld nicht funktionieren. Bei jedem Vorhaben, das geplant wird, steht die Frage: Rechnet sich das finanziell? Die gesamte wirtschaftliche Entwicklung ist auf Gewinn orientiert. Im persönlichen Leben stehen Finanzexperten bereit, um uns zu beraten, wie wir unser Geld am besten anlegen können, damit es sich vermehrt.
Nun heißt es im Vers 9: Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer den Reichtum liebt, wird keinen Nutzen haben. Sagen diese Worte nicht das Gegenteil der eingangs zitierten Sprüche? Sind sie nicht etwas weltfremd? Tatsächlich ist es so: Geld lieben und mit Geld umgehen ist nicht dasselbe.
Die Frage ist immer: Hat das Geld uns oder haben wir das Geld – egal, wie viel Geld jeder von uns besitzt. Wer oder was treibt uns an, wer bestimmt unser Leben? Stehen unsere Aufgaben als Mitarbeiter von Jesus in Familie und im Reich Gottes an erster Stelle, für die wir natürlich auch Geld brauchen? Oder ist es die heimliche Gier nach Geld?
Wenn Reichtum zum Lebensziel wird
„Wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen haben“, so heißt es weiter in unserem Text. Wirklich nicht? Ist das nicht zu drastisch formuliert? Anscheinend gab es schon vor rund 3000 Jahren die Gefahr, dass Menschen vor allem damit beschäftigt waren, ihren Reichtum zu vermehren. Sie wollten ihr Leben mit Geld absichern und waren damit so beschäftigt, dass sie ihr Leben gar nicht genießen konnten. Sie wollten vielleicht sich und ihrer Familie etwas Gutes tun und haben sie dabei vernachlässigt. Je mehr Geld du sammelst, desto mehr Menschen kommen, um auf deine Kosten zu leben, heißt es im Vers 10. Andere Menschen haben es auf deinen Reichtum abgesehen, wie auch immer. Von Löhnen, Steuern und Abgaben ganz zu schweigen. Wie viele Beziehungen sind an Geldstreitereien zerbrochen, auch in unserer Zeit?
Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süß, er habe wenig oder viel gegessen, aber die Fülle lässt den Reichen nicht schlafen, sagt Vers 11. Damit werden zwei verschiedene Menschen beschrieben: Einer, der seinen kleinen Lebensunterhalt selber verdient und gut schlafen kann – und ein anderer, der seinen Reichtum nicht selbst erarbeitet hat. Vielleicht hat er ihn geerbt oder er hat ihn allein auf Kosten anderer erlangt. Er findet darüber keinen Frieden, im Gegenteil.
Wenn der Reichtum zum Lebensziel wird, kann er einem Menschen zum Verhängnis werden. Oder wie es im Vers 12 heißt: Es ist ein böses Übel, das ich sah unter der Sonne: Reichtum, wohl verwahrt, wird zum Schaden dem, der ihn hat. Ob es Kriminelle sind, die es auf seinen Reichtum abgesehen haben, ob es politische oder wirtschaftliche Umwälzungen sind, die den Reichtum dahinschmelzen lassen – keiner weiß, was im Leben noch alles kommt.
Eine meiner Uromas war besonders sparsam, um nicht zu sagen etwas geizig. Anstatt anderen und sich selber ab und zu mal eine Freude zu machen oder etwas in ihr Häuschen zu investieren, um es für ihre Familie zu erhalten, hat sie eisern gespart. Und dann – am Ende des Zweiten Weltkrieges – war ihr vieles Geld fast nichts mehr wert.
Im nächsten Vers heißt es: Genauso nackt, wie er bei der Geburt auf die Welt gekommen ist, muss dieser Mensch auch wieder die Welt verlassen. Und obwohl er viel gearbeitet und große Mühe auf sich genommen hat, wird er nicht einmal eine Handvoll von seinem Besitz mit sich nehmen können. Was der Prediger hier sagt, kennen wir als Sprichwort: Das letzte Hemd hat keine Taschen.
Egal ob Millionär oder Sozialhilfeempfänger – am Ende unseres Lebens nützt uns alles Geld nichts. Da zählt nur, ob ich die Einladung von Jesus zu einem Leben mit ihm angenommen habe. Die Einladung zu einem Leben, das mit dem Tod nicht zu Ende ist.
Arbeit als Gottesdienst – und Geschenk
Wenn das Geld so vergänglich ist und so viel Kummer macht, wozu muss ich da überhaupt noch arbeiten und Geld verdienen? Schon einige der ersten Christen haben ähnlich gefragt. Der Apostel Paulus hat ihnen Bescheid gegeben: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen. Natürlich meinte er damit nicht die, die nicht arbeiten können, sondern die, die nicht arbeiten wollen. Er schrieb in einem seiner Briefe, dass unser ganzes Leben ein Gottesdienst sein soll, einschließlich der ganz schlichten und einfachen Arbeiten.
Dann heißt es im heutigen Abschnitt aus dem Buch Prediger: Ich habe aber auch etwas Schönes und Gutes entdeckt: dass jemand isst, trinkt und Freude an seiner Arbeit hat, obwohl sie ihm, so lange er lebt, viel Mühe macht, denn das ist seine Bestimmung. – Auch wenn Gott einem Menschen Reichtum und viele Güter gegeben hat und der Mensch diese aus Gottes Hand nehmen und sich daran freuen kann, ist es ein Geschenk Gottes. Das heißt: Egal, ob ich viel oder wenig Geld habe, mein Leben ist in Gottes Hand. Er sorgt für mich. So habe ich das mit meiner Familie immer wieder erlebt. Dankbar darf ich alles genießen, was er mir an Gutem schenkt. Und ich darf fröhlich sein bei meiner Arbeit und die Welt an dem Platz, an den ich gestellt bin, mitgestalten.
Wo mein Schatz ist
Noch einmal die Frage vom Anfang: Hat das Geld uns oder haben wir das Geld?
Im Lauf meines Lebens habe ich ganz unterschiedliche Leute kennengelernt. Da gab es welche, die vom Geldverdienen getrieben waren, aber glücklich waren sie nicht. Ich kenne andererseits Unternehmer, die nicht nur in ihre Firma, sondern auch in Gottes Reich investieren und andere Menschen unterstützen, die es nötig haben. Und ich denke an einen alten Freund, der vor zwei Jahren heimgegangen ist. In der Mitte des Lebens wurde er so krank, dass er nicht mehr normal arbeiten konnte. Aber er wurde für viele ein geistlicher Wegbegleiter und Beter. Er lebte von einer geringen Rente. Doch immer, wenn ich ihn anrief und fragte, wie es ihm geht, kam die Antwort: Hilf mir danken! Dankbar und zufrieden konnte er sein Leben genießen.
Wo dein Herz ist, da ist dein Schatz, sagt Jesus. Dass er Ihr und mein Schatz ist und nicht der materielle Reichtum und dass wir zugleich dankbar genießen können, was er uns heute schenkt, das wünsche ich uns allen.
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