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Ein biblischer Thriller

Der Bibeltext Psalm 59,1-11.15-18 – ausgelegt von Angelika Woidich.

Des Abends kommen sie wieder, heulen wie die Hunde und laufen in der Stadt umher. Sie laufen hin und her nach Speise und murren, wenn sie nicht satt werden. Ich aber will von deiner Macht singen / und des Morgens rühmen deine Güte; denn du bist mir Schutz und Zuflucht in meiner Not.[...]

Psalm 59,1–11.15–18

Ein Wechselbad der Gefühle – Angst und Hoffnung

Welch Wechselbad der Gefühle zwischen Angst und Hoffnung, zwischen Anklage und Lobgesang. Ein „biblischer Thriller“, der nach menschlichem Ermessen todsicher enden müsste. Waffen warten bereits auf ihren Einsatz. Der Gejagte – gefangen im eigenen Haus. Es ist zum Verzweifeln. Oder doch lieber Hoffen und Glauben an den, der schon die spektakulärsten Rettungsaktionen vollbracht hat!? David hat sich entschieden. Wenn einer das Blatt noch wenden kann, dann Gott. Er ist für ihn der richtige Ansprechpartner und Anker in der Not.

Die heutige Bibellese aus dem Buch der Psalmen hat mich sehr neugierig gemacht. Spannend ist für mich immer wieder, Hintergründe zu erfahren, um so meine Bibelkenntnisse zu erweitern. Es freut mich, Sie in den nächsten Minuten auf diese Erkundungstour mitnehmen zu dürfen.
 

Psalm 59: Hintergrund und Entstehung

In der Bibel gibt es nicht so viele Psalmen, die ein Merkmal eint. Diese Psalmen benennen jeweils bereits in der Überschrift den Anlass, weshalb sie geschrieben worden sind. Auf Psalm 59 trifft dieses Kriterium zu. So wird in Vers 1 nicht nur David als Verfasser genannt, sondern auch der Grund aufgeführt, warum David dieses Lied schreibt. Nämlich: „…als Saul hinsandte und sein Haus bewachen ließ, um ihn zu töten.“

Die Hintergründe zu Sauls Mordabsichten lassen sich im 1. Buch Samuel, beginnend mit Kapitel 18, nachlesen. Ich möchte an dieser Stelle nur stichpunktartig einige wenige Details benennen. Auf Anweisung Gottes salbt Samuel, der Richter, Prophet und Priester in einer Person ist, Saul zum 1. König über Israel. Doch als dieser eine Anweisung Gottes nur unvollständig ausführt, verwirft ihn Gott. Samuel bekommt daraufhin von Gott den Auftrag, David – noch zu Lebzeiten Sauls – zum neuen König über Israel zu salben. Der Geist Gottes weicht immer mehr von Saul. David dagegen erzielt einen Erfolg und Sieg nach dem anderen, weil Gott mit ihm ist. Saul wird inzwischen von einem bösen Geist geplagt und immer eifersüchtiger auf David. Diese Eifersucht ist schließlich der Nährboden für zwei Mordanschläge, die Saul mit seinem Speer auf David ausübt. Nach dem letzten Anschlag sieht sich David gezwungen, vor Saul zu fliehen. Saul sendet daraufhin Boten zu Davids Haus, um ihn zu bewachen. Und am Morgen soll David getötet werden.

Soweit zu den Hintergründen, die im 1. Buch Samuel festgehalten sind. Ich denke, dass sich mit diesem Wissen nun die besorgniserregende Lage, in der sich David befindet, gut nachvollziehen lässt. Für ihn geht es um Leben oder Tod. Und in dieser bedrohlichen Situation schreibt David die Worte, die Sie gerade gehört haben.
 

Davids Klage, Vertrauen und Gebet

David sieht aber nicht nur voller Angst auf die eine Realität, nämlich seine Feinde. Nein, er weiß auch um eine andere Realität, und zwar die Existenz und Gegenwart seines Gottes. So stellt er in seiner ersten Bitte gleich beide Lager gegenüber. Gott ist es, der David vor seinen Feinden erretten kann. Und er ist es, der Schutz bietet vor seinen Widersachern.

David beteuert vor Gott seine Unschuld, was sein Verhältnis zu König Saul anbelangt. David ist ja bereits – als Sauls Nachfolger – zum König gesalbt worden. Jedoch hegt David weder Mordabsichten noch Umsturzpläne, um den Thron auch endlich besteigen zu können. Auffällig ist auch, dass David Gott um sein Eingreifen bittet. Er denkt weder an eigene Rache noch an Selbstjustiz. So wie er sich selbst Gott anvertraut, übergibt er quasi auch seine Gegner in die Hände Gottes. Gott soll über seine Feinde richten. Wenn mir Unrecht widerfährt, so fällt mir ein vergleichbares Verhalten – ehrlich gesagt – oftmals sehr schwer. In diesem Bereich ist mir David ein echtes Vorbild.

Ferner erkennt David in denen, die ihm nach dem Leben trachten, aber nicht nur seine Feinde. Ihr törichter Spruch: „Wer sollte es hören?“, verrät, dass sie nicht an einen Gott glauben, der die Taten und Untaten auf dieser Welt mitbekommt. Ihre höchste Instanz ist der weltliche Herrscher König Saul. Doch zu allen Zeiten – ob Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft – gibt es jemand, der in allen Belangen über einem weltlichen Herrscher steht. Es ist Gott. David nennt ihn „seine Stärke“, zu dem er sich halten will. Er bietet ihm Schutz und Zuflucht.

Wie fest David im Glauben steht, das lässt sich besonders in der Aussage von Vers 11 erkennen. „Gott erzeigt mir reichlich seine Güte. Gott lässt mich auf meine Feinde herabsehen.“ David gebraucht hier nicht die Möglichkeitsform, sondern spricht in der Wirklichkeitsform.
 

Rettung, Dankbarkeit und Lobpreis

David kann tatsächlich in der Nacht vor seinen Feinden fliehen. Gott gebraucht bei seinen Hilfsaktionen sehr oft Menschen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. So verhilft Michal, Davids Frau, ihrem Ehemann zur Flucht. Ich glaube, dass Gott die Weiche für ihr Handeln gestellt hat. Und dass sie auch von Gott die nötige Weisheit und innere Stärke bekommen hat. Michal ist nämlich nicht nur Davids Frau, sondern auch Sauls jüngste Tochter. Sie muss mit schlimmen Sanktionen rechnen, wenn sie einem Feind ihres Vaters zur Flucht verhilft. Er ist ja immerhin noch der amtierende König.

Nach geglückter Flucht vergisst David nicht, sich bei Gott zu bedanken. Sein Bitten und Klagen lässt er in einen Lobpreis münden. Am Morgen hätte er getötet werden sollen. Stattdessen rühmt er nun des Morgens Gottes Güte und besingt die Macht und Stärke Gottes.

Ja, wahrhaftig: Ein „biblischer Thriller“ mit einem Happy End!

Wie tröstlich ist es, wenn es auch in Ihrem und in meinem Leben scheinbar ausweglose Situationen und Sackgassen gibt, so bietet Gott uns für solche Fälle seine Hilfe an. „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“ Diese Einladung steht in Psalm 50, Vers 15. Gott ist also nur ein Gebet weit entfernt. Ich möchte diese Chance auf jeden Fall nutzen. Und Sie?

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