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/ Bibel heute

Ehrensache

Der Bibeltext Johannes 7,14-24 – ausgelegt von Tanja Baum.

Aber mitten im Fest ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte. Und die Juden verwunderten sich und sprachen: Wie kennt dieser die Schrift, wenn er es doch nicht gelernt hat? Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat.[...]

Johannes 7,14–24

Jugendsprache trifft Glaubensfrage: Was bedeutet Ehre?

Es gibt einen Begriff aus der aktuellen Jugendsprache, der mir richtig gut gefällt: „Ehrensache“.

Mit diesem Begriff bewerten junge Leute das Verhalten anderer. Wenn jemand etwas Gutes tut oder sich korrekt verhält, dann ist das „Ehrensache“. Wenn jemand besonders loyal oder hilfsbereit ist, dann ist er ein „Ehrenmann“. Und wenn jemand sich richtig danebenbenimmt, dann ist sein Verhalten „ehrenlos“.

Ich finde das großartig. Offenbar ist den jungen Leuten die Frage nach Ehre und richtigem Verhalten wichtiger, als ich oft denke. Vielleicht sind sie damit sogar auf etwas gestoßen, das unserer Gesellschaft ein Stück weit verloren gegangen ist.
 

Jesus im Tempel: Woher kommt wahre Glaubwürdigkeit?

Eigentlich ist die Frage nach Ehre ja gar nicht so modern, wie mancher vielleicht denkt. Schon Jesus spricht darüber. Der Bibeltext berichtet, dass Jesus während eines Festes im Tempel lehrt. Die Menschen wundern sich darüber, wie gut er die Heiligen Schriften kennt, obwohl er keine klassische religiöse Ausbildung hatte. Deshalb fragen sie ihn, woher er das alles weiß.

Und Jesus antwortet erstaunlich deutlich: „Das, was ich lehre, stammt gar nicht von mir selbst. Es kommt von Gott.“ Jesus weist also von sich weg – hin zu Gott.

Und dann sagt er etwas sehr Interessantes: „Wer wirklich Gottes Willen tun will, der wird erkennen, dass diese Lehre von Gott kommt.“ Darin steckt bereits eine deutliche Kritik an seinen Zuhörern. Denn Jesus macht klar: Das Problem liegt nicht daran, dass Gottes Wahrheit unverständlich wäre. Das Problem liegt vielmehr darin, dass manche Menschen gar nicht wirklich offen für Gottes Willen sind.

Doch Jesus geht noch weiter. Er erklärt, dass es ein großer Unterschied ist, warum jemand redet. Ob jemand redet, um sich selbst wichtig zu machen – oder ob jemand redet, um Gott die Ehre zu geben. Sinngemäß sagt Jesus: Wer seine eigene Ehre sucht, der ist nicht aufrichtig. Wer aber Gottes Ehre sucht, der ist glaubwürdig.
 

Zwei Hürden beim Reden über den Glauben

Ich finde das unglaublich aktuell. Diese Frage spielt auch heute eine riesige Rolle. Gerade dann, wenn es um Glauben geht. Ich erlebe immer wieder, dass viele Christen sich schwertun, mit anderen über Gott zu sprechen. Besonders außerhalb von Kirche oder Gemeinde. Und meistens hat das zwei Gründe.

Der erste Grund ist Unsicherheit. Mancher denkt: Ich weiß zu wenig. Ich kenne mich nicht gut genug aus. Ich finde bestimmt nicht die richtigen Worte. Was ist, wenn jemand eine schwierige Frage stellt und ich keine Antwort habe?

Vielleicht kennen Sie solche Gedanken auch. Ich vergleiche mich mit Menschen, die scheinbar unglaublich bibelfest sind oder sehr überzeugend reden können. Dann denke ich schnell: So wie die könnte ich das niemals.

Der zweite Grund ist die Angst davor, was andere denken könnten. Vielleicht wirke ich komisch. Vielleicht werde ich belächelt. Vielleicht gelte ich plötzlich als extrem oder sonderbar. Vielleicht blamiere ich mich.

Diese Sorge kann ich verstehen. Über persönliche Glaubensüberzeugungen zu sprechen, macht verletzlich. Ich zeige etwas von mir selbst. Ich mache mich angreifbar.

Aber je länger ich über die Worte Jesu nachdenke, desto mehr glaube ich: Beide Ängste verlieren an Bedeutung, wenn ich verstehe, worum es eigentlich geht.
 

Gottes Ehre statt Selbstdarstellung: Der andere Weg

Denn Glauben weiterzugeben ist letztlich eine Frage der Ehre. Die entscheidende Frage lautet nicht: Was denken andere von mir? Sondern: Wem soll mein Reden dienen – mir selbst oder Gott? Will ich möglichst klug, souverän und beeindruckend wirken? Oder geht es mir wirklich darum, dass Gott sichtbar wird?

Ich glaube, genau darin liegt ein entscheidender Unterschied. Denn wenn ich versuche, mich selbst möglichst gut darzustellen, dann entsteht automatisch Druck. Dann muss ich souverän wirken. Dann darf ich keine Schwäche zeigen. Dann muss ich auf jede Frage eine Antwort haben. Aber Jesus beschreibt einen ganz anderen Weg. Er selbst stellt nicht sich in den Mittelpunkt, sondern seinen Vater im Himmel. Immer wieder weist er von sich weg auf Gott hin. Genau darin liegt seine Glaubwürdigkeit.

Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn ich in der Apostelgeschichte lese, wie mutig die Jünger von Jesus gesprochen haben. Oft standen sie unter Druck. Manchmal wurden sie ausgelacht, bedroht oder sogar verfolgt. Und trotzdem redeten sie frei und offen über ihren Glauben. Nicht, weil sie perfekte Redner waren. Nicht, weil sie auf jede Frage eine perfekte Antwort hatten. Sondern weil sie nicht sich selbst darstellen wollten. Sie wollten Gott die Ehre geben. Und genau darin liegt ihre Glaubwürdigkeit.

Ich glaube, das gilt bis heute!

Menschen merken oft erstaunlich schnell, ob jemand nur beeindrucken möchte oder ob jemand ehrlich und aufrichtig redet. Perfekte Formulierungen allein überzeugen selten. Aber Echtheit berührt Menschen.

Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum Jesus so glaubwürdig ist. Er hat kein Interesse daran, sich selbst groß zu machen. Sein Ziel ist es, auf Gott hinzuweisen. Und vielleicht verändert das auch unseren Blick auf das Reden über den Glauben.

Es geht nicht darum, besonders religiös zu wirken.

Es geht nicht darum, jede Diskussion zu gewinnen.

Es geht nicht darum, sich selbst möglichst gut darzustellen.

Sondern darum, Gott die Ehre zu geben.

Und das kann manchmal ganz schlicht aussehen. Vielleicht indem ich ehrlich erzähle, warum ich bete. Warum ich Hoffnung habe. Warum ich trotz schwieriger Situationen an Gott festhalte. Nicht perfekt. Nicht auswendiggelernt. Nicht künstlich. Nicht übertrieben fromm. Sondern ehrlich. Ich glaube sogar, dass genau darin heute eine große Kraft liegt.

Ich bin mittlerweile ziemlich müde geworden von dieser ständigen Selbstdarstellung anderer. Jeder versucht, sich möglichst gut zu präsentieren – manchmal sogar besser, als man eigentlich ist. In sozialen Medien ebenso wie im echten Leben. Viele möchten souverän, erfolgreich und kontrolliert wirken.

Umso stärker wirkt es, wenn jemand ehrlich und demütig von seinem Glauben spricht, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

Jesus macht deutlich: Entscheidend ist nicht, ob andere mich ehrenvoll finden. Entscheidend ist, ob mein Leben und mein Reden Gott die Ehre geben.

Oder um es mit moderner Jugendsprache zu sagen:

Zur Ehre Gottes zu leben und zu reden – das ist im besten Sinne Ehrensache.

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