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Mose segnet die Stämme Israels

Der Bibeltext 5. Mose 33,1-5.26-29 – ausgelegt von Lothar Kuhnke.

Es ist kein Gott wie der Gott Jeschuruns, der am Himmel daherfährt dir zur Hilfe und in seiner Hoheit auf den Wolken. Zuflucht ist bei dem Gott, der von alters her ist, und unter seinen ewigen Armen. Er hat vor dir her deinen Feind vertrieben und geboten: Vertilge! Israel wohnt sicher, der Brunnquell Jakobs unbehelligt in dem Lande, da Korn und Wein ist, dessen Himmel von Tau trieft.[...]

5. Mose 33,1–5.26–29

Worte, die tragen: Mose segnet das Volk

Es gibt Worte, die gewinnen an Gewicht, je näher ein Mensch dem Ende seines Lebens kommt. Abschiedsworte sind keine beiläufigen Sätze. Sie sind verdichtet. Sie sind geprüft. Sie sind getragen von Erfahrung, von durchlittenen Krisen, von Hoffnung und manchmal auch von Schmerz.

Mose steht am Ende seines Weges und seines Lebens. Vierzig Jahre Wüstenwanderung liegen hinter ihm, ein ganzes Leben im Dienst Gottes. Er hat Gottes Größe gesehen – und Israels Sturheit. Er hat das Meer sich teilen sehen – und das goldene Kalb. Er durfte Gott nahe sein wie kaum ein anderer – und doch das verheißene Land selbst nicht betreten.

An dieser Schwelle segnet Mose das Volk. Nicht mit flüchtigen Worten, sondern mit einem letzten, tiefen Zeugnis: Wer Gott ist – und was es heißt, unter seinem Segen zu leben.

Unser Text rahmt dieses Segenskapitel ein: die Verse 1–5 als Auftakt und die Verse 26–29 als machtvoller Abschluss. Dazwischen stehen die einzelnen Segensworte für die Stämme Israels. Doch der Rahmen ist entscheidend: Er zeigt, woher der Segen kommt und worin seine Kraft besteht.


Gott kommt – der Ursprung des Segens

Dies ist der Segen, mit dem Mose, der Mann Gottes, die Israeliten vor seinem Tod segnete."

Schon der erste Satz macht klar: Mose ist nicht einfach ein alter Mann, der gute Wünsche ausspricht. Er ist „der Mann Gottes". Nicht, weil er perfekt ist, sondern weil er in Gottes Auftrag gesprochen hat.

Der Segen beginnt nicht bei Mose, sondern bei Gott selbst: „Der HERR ist vom Sinai gekommen und ist ihnen aufgeleuchtet von Seïr her; er ist erschienen vom Berge Paran her …"

Hier wird Gottes Geschichte mit Israel in wenigen Worten zusammengefasst. Sinai – das ist der Ort der Offenbarung. Dort hat Gott geredet. Dort hat er seinen Willen gezeigt. Dort hat er sich als heiliger und zugleich gnädiger Gott offenbart.

Auch wir leben in einer Zeit, in der wir uns stark auf menschliche Sicherheiten verlassen: auf Technik, medizinischen Fortschritt, Versicherungen, politische Systeme oder persönliche Rücklagen. All das hat seinen Platz – aber es trägt nicht letztlich.

Wirklicher Segen kommt nicht aus dem, was wir machen oder besitzen, sondern daraus, dass Gott sich uns zuwendet und redet. Wo Gottes Wort verstummt, wird auch der Segen unklar. Wo wir aber auf Gottes Reden hören – im Gottesdienst, in der Bibel, im Gebet –, da entsteht Orientierung, selbst in unsicheren Zeiten.

Der Glaube lebt davon, dass Gott kommt – nicht davon, dass wir alles im Griff haben.


In Gottes Hand – gehalten, gewiesen, geborgen

„Wie hat er sein Volk so lieb! Alle Heiligen sind in deiner Hand." Der Gott Israels ist kein kalter Machthaber. Er ist ein liebender Gott. Und seine Liebe zeigt sich darin, dass sein Volk in seiner Hand ist.

Was für ein Bild! Nicht: Israel hält Gott fest. Sondern: Gott hält Israel fest. Diese Hand hat getragen durch die Wüste. Diese Hand hat versorgt mit Manna. Diese Hand hat geschützt vor Feinden. Und diese Hand hat auch erzogen, korrigiert, zurechtgebracht.

Vers 4 erinnert daran, dass Mose das Gesetz weitergegeben hat: „Mose hat uns das Gesetz geboten, das Erbe der Gemeinde Jakobs." Auch das gehört zum Segen. Gottes Weisung ist kein Joch, sondern ein Erbe.

Viele Menschen erleben ihr Leben heute als brüchig: Gesundheit kann plötzlich schwinden, Beziehungen zerbrechen, Sicherheiten gehen verloren. Gerade im Alter – aber auch in jüngeren Jahren – stellt sich die Frage: Wer hält mich, wenn meine eigenen Kräfte nachlassen?

Die Zusage lautet: Wir sind in Gottes Hand. Nicht nur in starken, frommen Momenten, sondern auch in Phasen der Müdigkeit, der Zweifel und der Schwäche. Gottes Gebote und Weisungen sind dabei keine Last, sondern Orientierungshilfen. Sie bewahren uns davor, uns selbst oder andere zu verletzen. In einer Zeit, in der jeder „seine eigene Wahrheit" lebt, schenkt Gottes Wort Halt und Richtung.

„Und der Herr ward König über Jeschurun, als sich versammelten die Häupter des Volkes." Israel hat keinen menschlichen König – noch nicht. Und doch hat es einen König: den HERRN selbst. Das ist entscheidend. Der Segen hängt nicht an charismatischen Leitern, nicht an stabilen Strukturen, nicht an militärischer Stärke. Der Segen hängt daran, dass Gott als König anerkannt wird. Wo Gott regiert, da entsteht Ordnung. Da entsteht Freiheit. Da entsteht Zukunft. Und dieser Gedanke wird am Ende des Kapitels noch einmal mit gewaltiger Kraft aufgenommen.


Ewige Arme – Gottes Segen trägt über alles hinaus

„Es ist kein Gott, wie der Gott Jeschuruns!" Das ist das Herzstück des Abschlusses. Ein Bekenntnis. Eine Einladung zum Vertrauen. „Er fährt einher am Himmel, dir zu helfen …" Gott ist erhaben – und zugleich zugewandt. Er ist groß – und persönlich.

Vers 27 bringt eines der tröstlichsten Bilder der Bibel: „Zuflucht ist bei dem alten Gott (eigentlich: bei dem Gott der Urzeit), und unter den ewigen Armen." Ewige Arme. Nicht müde. Nicht schwach. Nicht begrenzt.

Viele Menschen haben heute das Gefühl, dass ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird: globale Krisen, Kriege, gesellschaftliche Spannungen, persönliche Überforderung. Manches, was jahrzehntelang sicher schien, wankt. Gerade hier spricht der Text hinein: Unter dir sind ewige Arme. Nicht zeitlich begrenzte Lösungen. Nicht menschliche Versprechen. Sondern Gott selbst.

Diese Zusage gilt besonders dort, wo wir nichts mehr „machen" können: bei Krankheit, im Abschiednehmen, im Älterwerden, im Sterben. Wir fallen nicht ins Nichts – wir fallen Gott entgegen. In seine Arme.

Israel wohnt sicher, der Brunnquell Jakobs unbehelligt, in dem Lande da Korn und Wein ist." Sicherheit ist hier kein Zustand ohne Gefahr. Es ist Sicherheit in der Gefahr. Denn Gott selbst ist der Schutz.

Der letzte Vers steigert sich zu einem Jubelruf: „Wohl dir, Israel! Wer ist dir gleich? Du Volk, das sein Heil empfängt durch den Herrn!" Nicht Israels Größe wird gepriesen, sondern seine Rettung. Nicht seine Leistung, sondern sein Gott.

Mose stirbt. Aber Gottes Segen bleibt. Gottes Segen trägt über Generationen hinweg. Er endet nicht mit einem Menschen. Er endet nicht mit einem Lebensabschnitt. Er endet nicht einmal mit dem Tod. Wir leben in einer Zeit, in der vieles auf Leistung, Tempo und Erfolg ausgerichtet ist. Wer nicht mehr „kann", fühlt sich schnell überflüssig. Die Bibel setzt hier einen Gegenakzent: Der Wert eines Menschen hängt nicht an seiner Produktivität, sondern an Gottes Treue. Gerade am Ende des Lebens – oder in Übergangsphasen – wird diese Botschaft wichtig: Ich bin nicht verlassen. Ich bin gesegnet. Getragen von ewigen Armen.

So dürfen auch Sie leben – im Vertrauen auf diesen Gott. Gesegnet, gehalten, geborgen. Heute. Morgen. Und bis ans Ende.

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