/ Bibel heute
Erinnerungen auffrischen, um Gott zu gehorchen
Der Bibeltext 5. Mose 30,11-20 – ausgelegt von Hans-Jürgen Lieber.
Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun?[...]
Die Versammlung des Volkes
Mose bestellt sein Haus. Immerhin ist er schon hundertzwanzig geworden! Zur Einstimmung seines Volkes auf Gottes Plan hat er sie zusammengerufen. Alle sollen kommen. Vorab die zwölf Stämme, ihre Oberhäupter, die Ältesten, die Amtsleute, jeder Mann, jede Frau, jedes Kind, alle Verbündeten, einfach alle. (5. Mose 29,9–14). Sogar an Fehlende wird gedacht. Als Ort seiner Rede hat Mose eine weite Ebene im Lande Moab gewählt. Die Ansprache kann beginnen.
Mose nimmt seinen Platz ein. Vielleicht an erhobener Stelle, damit alle ihn hören können? Es wird still, als Mose beginnt.
Rückblick auf Gottes Treue
Warum habe ich euch herbestellt? Was wollen wir hier im wüsten Land? Ich will es euch sagen: Erinnerungen auffrischen! Fangen wir bei des Allmächtigen wunderbaren Taten an. Denkt ihr noch an den unglaublichen Auszug aus dem feindlich gesonnenen Ägypten? Den Pharao mit Ross und Wagen im Nacken? Wie uns die Wogen des Meeres fast über den Kopf schlugen? Und wie uns der HERR hinübertrug und vor dem Ertrinken rettete? Wisst ihr es noch? Ja, und dann vierzig Wanderjahre durch Hitze und Trockenheit, durch Sand und Geröll? Wer stärkte uns da, dass wir nicht umkamen? Wer richtete uns immer wieder auf? Ich sage es euch: Es war unser Gott, der seine Hand über uns hielt! Er gab uns Nahrung genug. Und ließ uns nicht verzagen. Ablenken wollte er vermeiden. Nüchtern sollten wir bleiben!
Das alles und mehr tat Gott für uns. Erinnert euch daran, wenn ich jetzt Gottes Plan offenlege. Er wird euren Glauben an seine Macht herausfordern! Das hat noch kein Volk vor euch erlebt!
Die Verheißung: Ein eigenes Land
Hört zu, ihr Männer, Frauen und Kinder vom Volke Israel! Gott hat Unglaubliches mit euch vor! Erschreckt nicht und erinnert euch gut an seine bewiesene Treue und Sorge, wenn ich nun seine weiteren Pläne verkünde. Gott der Allmächtige hat euch unter allen Völkern auserwählt, um einen festen Bund zu schließen! Dauerhaft und ewig! Ja, das will euer Gott, der euch bis hier geführt hat. Hört, was er euch verkünden lässt!
Er, unser Gott, will euch „in das Land bringen, das eure Väter besessen haben, und ihr werdet es einnehmen, und er wird euch Gutes tun und zahlreicher machen, als eure Väter waren." Ihr bekommt endlich ein eigenes Land! Nur für euch. Zum Bewohnen und Sesshaftwerden. Könnt ihr euch das vorstellen? Ein eigenes Land, das euch niemand mehr streitig machen kann! In dem ihr frei leben könnt und nicht nur geduldet werdet! Frei auf eigenem Grund und Boden! Dazu Sicherheit. Keine Angst mehr vor Vertreibung und Vernichtung. Wollt ihr das erlangen? Gott will uns nicht nur retten vor unseren Verfolgern, nein, mehr noch! Er will uns ein Land schenken, eine Heimstatt, für alle Zeiten! Könnt ihr das ermessen? Jetzt seid ihr gefordert. Seid ihr bereit? Seid ihr stark? Habt ihr Vertrauen?
Dann werdet ihr mit Gottes Hilfe das versprochene Land erreichen und besitzen. Euer Glaube kann Berge versetzen!
Die Bedingungen: Gehorsam und Wahl
Indes, Gottes Geschenk ist nicht gratis. Mose erklärt, dass es mit Auflagen verbunden ist. Freilich mit erfüllbaren. Alles wird euch gehören, wenn „ihr der Stimme des Herrn, deines Gottes gehorcht und hältst seine Gebote und Rechte, die geschrieben stehen im Buch dieses Gesetzes, wenn du dich bekehrst zu dem Herrn, deinem Gott, von ganzem Herzen und von ganzer Seele." (5. Mose 30,2.10)
Ist das eine erfüllbare Aufgabe? Oder verlangt Gott Unmögliches? Auf keinen Fall ist sie leicht. Hier wird aufgewogen: Geschenk eines eigenen Landes, unentreißbar. Auf der anderen Seite, Gehorsam ohne Wenn und Aber. Das klingt hart. Und dennoch ist es ein Gebot, „nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel" (Verse 11,12). Keiner muss sich verbiegen, das Gebot herunterholen oder das Meer überqueren, um an Gottes Gebot zu reichen. Nein, das Wort Gottes ist „ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, wenn du es tust." (Vers 14). Keine leichte Aufgabe, eher eine Bürde, an der zu tragen ist. Es wird Kraft, Mut und Vertrauen erfordern, Gottes Vorgaben zu erfüllen, um das Landgeschenk zu erhalten. Viel Gottvertrauen und Geduld werdet ihr brauchen, um das verheißene Land zu erreichen und einzunehmen. Viele werden das Land nicht mehr erreichen. Aber, wenn Gott euch Führer stellt, die euch zum Kampf anleiten und anfeuern, dann werdet ihr die Heiden besiegen und das Land gewinnen. So wahr Gott lebt.
Sicher, es wird der Glaubensstärke bedürfen, auf Gottes Wegen zu bleiben und nicht davon abzugehen. Heute lässt er euch abwägen, was ein Leben wert ist. Wählt gut überlegt: entweder das Gute oder den Tod und das Böse. Trefft eine eindeutige Entscheidung. Wenn ihr sein Angebot annehmt und das Gute wollt, „werdet ihr leben und euch mehren" und das versprochene Land einnehmen. (Verse 15, 16).
Dann wird Gott euch in euer Land führen und es euch übergeben. Sein Angebot steht. Nun schaut auf die andere Seite. Was geschieht, wenn ihr das Angebot ausschlagt und macht, was ihr wollt? Oder gar euch Götzen sucht, die ihr anbetet und ihnen dient? (Vers 17). Dann wird euch Gott wieder alles wegnehmen. Das Land, das endlich erstrebte, wird euch wieder genommen werden. Ja, ihr werdet sogar untergehen. Wäre dann alles nur ein schöner Traum gewesen? Und alles wieder unerreichbar? Es sind gewaltige Gedanken, Chancen und Risiken liegen nebeneinander. Was tun?
Ein Angebot, das alle hin- und herreißt. Und in seinem Ausmaß erst mal verwirrt. Selbst für die Klügsten unter ihnen. Mose hat auch nichts anderes erwartet. Er lässt dem Volk Zeit, nachzudenken. Keiner braucht sofort zuzustimmen oder abzulehnen. Sicherlich sind es Worte, die Menschen zum Träumen bringen. So wie im Psalm 126: „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden." (Vers 1). Die Zuhörer schwanken zwischen Freude und Zweifel. Doch Mose verkündet weiter, vielleicht als Entscheidungshilfe. „Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, damit ihr das Leben erwählt und am Leben bleibt, ihr und eure Nachkommen." (Vers 19).
Kurz gesagt: Liebe Landsleute, liebt den Herrn, euren Gott, habt Vertrauen, lasst nie von ihm ab, dann habt ihr nichts zu befürchten. Damit könntet ihr alt werden und euer eigenes Land behalten. Gott hält sein Wort. Ergreift seine ausgestreckte Hand! Gott schütze euch.
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