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Haussegen

Bernd Linke über Psalm 128.

Ein Wallfahrtslied. Wohl dem, der den HERRN fürchtet und auf seinen Wegen geht! Du wirst dich nähren von deiner Hände Arbeit; wohl dir, du hast’s gut. Deine Frau wird sein wie ein fruchtbarer Weinstock drinnen in deinem Hause, deine Kinder wie junge Ölbäume um deinen Tisch her.

Psalm 128

Psalm 128 gehört zu den sog. Wallfahrtspsalmen. Ich nehme an, diese Psalmen wurden zu einem großen Teil von König Hiskia gedichtet und nach der babylonischen Gefangenschaft zusammengestellt. Andere nennen sie auch die Stufenpsalmen, weil sie bei dem Aufstieg zum Tempel gesungen wurden. Auf jeder Stufe ein Psalm, insgesamt 15 an der Zahl. Die Mitte dieser Wallfahrtspsalmen bildet Psalm 127, der von Salomo geschrieben wurde. Unser heutiger Psalm ist somit der erste aus der zweiten Gruppe.

Dieser kurze Psalm hat ein Thema, das gute Leben eines Mannes, der Gott fürchtet. Erinnern Sie sich an die Zusage des Segens für das Volk Gottes. Gottes Absicht war es, dass es seinem Volk, jedem Einzelnen gut geht. Und das konnte nur funktionieren, wenn das Volk, jeder Einzelne, sich an die Gebote Gottes hielt, d.h. ihn fürchtete. Wer Gottesfurcht als Angst vor Gott versteht, hat etwas falsch verstanden. Gottes Gebote sind gut, weil er als Schöpfer weiß, wie Leben gelingen kann. Gottesfurcht heißt also, ein Leben im Einklang mit Gott, dem Schöpfer, zu führen. Was könnte es Besseres geben?

Und daher auch der erste Vers: „Glücklich der Mann, der Gott fürchtet, der wandelt auf seinen Wegen.“ Es sind also Gottes Wege, sie gehören ihm, sie sind schon da, wir müssen sie nicht erst noch finden. Die Wege, die Straßen in unserem Land sind teilweise in einem schlechten Zustand, für Gottes Wege gilt das nicht.

Das erste Ergebnis dieser Gottesfurcht ist, dass der Mann von seiner Arbeit leben wird. Ein Landwirt arbeitet auf dem Land, pflanzt Bäume, Sträucher und anderes, und wenn alles aufgegangen ist, dann ernährt es ihn. Ein wichtiges göttliches Prinzip: Gott segnet Arbeit. Es hat mal jemand gesagt, Gott habe den Erdboden verflucht, nicht die Arbeit. Mich stimmt es immer etwas nachdenklich, wenn ich den Begriff „Work-Life-Balance“ höre. Gehört die Arbeit denn nicht zum Leben? Arbeit ermöglicht es mir, mich mit meinen Fähigkeiten und Qualifikationen am gesellschaftlichen Prozess zu beteiligen, Dinge zu gestalten und damit auch persönliche Erfolgserlebnisse zu schaffen; und letztendlich ermöglicht mir Arbeit auch, mich zu ernähren, so wie es in diesem Psalm heißt.

Kürzlich sprach ich mit einem Mann, der viele Jahre als Kranfahrer gearbeitet hat, er erzählte mit großer Begeisterung von seiner Arbeit. Das erinnerte mich an den Bau der Grundschule auf dem Campus der Bleibergquelle, einem Diakonissenmutterhaus in Velbert, den ich organisatorisch und finanziell begleitet habe. Dort war auch ein sehr großer Kran im Einsatz, der die Fertigbetonteile zentimetergenau auf die richtigen Positionen gehoben hat und das bei Wind und Wetter. Was hätten alle unsere Planungen und Berechnungen gebracht, wenn dieser Kranfahrer es nicht zu einem Gebäude zusammengefügt hätte. Heute werden dort in einem sicheren Gebäude kleine Kinder in einer christlichen Schule unterrichtet.

Der zweite Teil des Psalms beschäftigt sich mit Ehe und Familie. Die Frau dieses Mannes wird mit einem fruchtbaren Weinstock im Innern des Hauses verglichen. Der Wein ist in der Bibel ein Bild der Freude. Die eheliche Intimität ist eine Sache, die Freude bereitet und die nicht öffentlich gemacht wird, die in der Ehe zwischen Mann und Frau ausgelebt wird. Und ein weiterer Segen ist es, wenn aus dieser Verbindung Kinder hervorkommen, die hier als Ölbaumsprossen beschrieben werden, die um den Tisch dieses Mannes sitzen. In der Kultur des Volkes Israel waren Söhne ein besonderes Zeichen des Segens Gottes. Aber ich denke, es ist völlig legitim, das auch auf Töchter zu übertragen.

Die Frage heute ist vielmehr, wie wird über eigene Kinder überhaupt gedacht? Sind sie Last oder Lust? Meine Frau und ich haben sieben gemeinsame Kinder. In den ersten fünf Jahren unserer Ehe wurden vier Kinder geboren. Wenn meine Frau mit den Kindern unterwegs war, wurde sie oft geringschätzig angesehen. Auch unter Mitchristen war das Verständnis, dass ein Paar viele Kinder hat, nicht immer vorhanden. Und dann bekommt eine Mutter, die viele Kinder großgezogen hat, auch noch weniger Rente als eine Frau, die lange berufstätig war.

Immer Anfang September trifft sich unsere Familie zur Geburtstagsfeier von meiner Frau und mir. Wenn dann bei uns im Haus und im Garten fast dreißig Menschen zusammen sind, große und kleine und ganz kleine, dann erfüllt mich das mit großer Dankbarkeit. Meine Frau sagte kürzlich zu mir, es ist jetzt wie die Zeit des Erntens.

Und es gibt einen weiteren Aspekt in diesem Psalm. Der Herr segnet von Zion aus. Zion war der Berg, den David erobert hatte, um da seinen Königssitz zu etablieren und das Haus Gottes zu bauen. Wenn ich das in unsere Zeit der christlichen Gemeinde übertrage, dann kann ich mit Recht sagen, Gott segnet uns vom Himmel aus. Dann bekommen die Fragen nach Arbeit, Ehe und Familie noch einmal eine ganz andere Dimension, eine himmlische. Der mit den Worten des Psalms Angesprochene soll das Wohl Jerusalems schauen. Jerusalem war der Ort, wo der Tempel stand, wo Gott seinem Volk begegnen wollte, wo das Volk Opfer der Anbetung und des Dankes bringen konnte.

Das Jerusalem von uns Christen ist keine klar definierte Örtlichkeit. Da, wo Christen als Gemeinde zusammenkommen, um Gott zu loben, ihm zu danken, da hat Jesus selber seine Anwesenheit versprochen.

In den letzten beiden Kapiteln des Buches der Offenbarung finden wir den Bericht über das neue Jerusalem, eine Beschreibung von Gottes neuer Welt. Es würde hier zu weit führen, die verschiedenen Aspekte zu beleuchten. Im Brief an die Hebräer lesen wir, dass Abraham diese Stadt erwartete, eine Stadt, deren Baumeister Gott ist (Hebr. 11,10).

Auch für uns Christen ist vieles nicht einfach: die Arbeit nicht, eine Ehe stellt uns immer wieder vor Herausforderungen, und auch das Erziehen und Begleiten von Kindern ist eine anstrengende Sache. Deswegen ist es wichtig, die Dinge im Licht der wunderbaren Zukunft zu sehen, die Gott uns bereitet hat. Dem Mann dieses Psalms wird gewünscht, dass er die Kinder seiner Kinder sehen soll. Enkelkinder und vielleicht sogar Urenkel sind ein zusätzliches Geschenk Gottes, heute würde man sagen, ein Bonus, der sich aus einer Familie ergibt, die Gott ehrt.

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Kommentare (2)

Tanja H. /

Ich verstehe die Auslegung des Textes auch nicht wirklich. Es bekommen nicht alle Frauen den Segen eines Kindes, auch nicht eines Ehemannes

Rike /

Und was bedeutet der Text für jemanden, der nicht genug verdient durch seine Arbeit, Paare, die keine Kinder bekommen können, Menschen mit Behinderungen, Menschen, die ungewollt Single sind?