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/ Anstoß - Gedanken zum Tag

Ohne sie - oder mit ihr?

Markus Baum über Jakobus 3,13.

Wer ist weise und klug unter euch? Der zeige mit seinem guten Wandel seine Werke in Sanftmut und Weisheit.

Jakobus 3,13

Sprichwörter auf dem Prüfstand: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“ – behauptet der Volksmund. Vermutlich geht der Spruch auf den österreichischen Biedermeier-Dichter Franz Grillparzer zurück; der Schalk muss ihm im Nacken gesessen haben, denn natürlich wird ihm bewusst gewesen sein, dass der Endreim nur funktioniert, wenn er der deutschen Sprache Gewalt antut. Aber zumindest wurde man im Metternichschen Überwachungsstaat nicht für die falsche Verwendung grammatikalischer Fälle bestraft.

Bescheidenheit gilt schon seit der Antike als Tugend. Griechische und römische Philosophenschulen haben sie gerühmt. Aber Jesus von Nazareth hat sie ins Leben übersetzt mit seiner Lehre: Wer herrschen will, muss dienen. Wer der Größte sein will, soll der Diener aller sein. Wer alles gewinnen will, muss bereit sein, alles aufzugeben. Jesus hätte die erste Hälfte des Sprichworts bestimmt unterschrieben: Bescheidenheit ist eine Zier, ja - allerdings nicht um ihrer selbst willen. Es geht darum, dass Beziehungen gelingen. Und so bringt es der Apostel Paulus auf die Formel: „Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst“ (Philipper 2,3). Ein anderer Jesus-Schüler drückt es im Jakobusbrief so aus: „Wer von euch weise und klug ist, soll es durch seinen Lebenswandel zeigen und in weiser Bescheidenheit handeln.“

Bescheidenheit ist also tatsächlich eine Zier, und wenn Jakobus recht hat, dann kommt man mit ihr weiter als ohne sie. Ausprobieren!  

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