/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Glück und Matchboxautos
Tanja Rinsland über 3. Mose 19,9-10
Wenn du dein Land aberntest, sollst du nicht alles bis an die Ecken deines Feldes abschneiden, auch nicht Nachlese halten. Auch sollst du in deinem Weinberg nicht Nachlese halten noch die abgefallenen Beeren auflesen, sondern dem Armen und Fremdling sollst du es lassen; ich bin der HERR, euer Gott.
Da hocken die beiden Geschwister – 4 und 2 – und streiten sich lautstark. Bestimmt gibt es gleich Tränen.
Der Zankapfel: ein Matchboxauto.
Noch kurioser wird der Fall, weil die Mutter in weiser Voraussicht zwei identische Autos gekauft hat. Jedes der Geschwister hat also schon eines: mit der gleichen Farbe und den gleichen coolen Monster-Reifen. Aber hier geht’s ums Prinzip, wie der Zweijährige verkündet: „Ich brauche BEIDE Autos!!!
Kindisch? Vielleicht. Aber die beiden tun das, was auch unter Erwachsenen üblich ist: sie haben das Gefühl, zu kurz zu kommen – und wollen deswegen mehr festhalten, als sie wirklich brauchen.
Im Levitikus, im dritten Buch Mose, stehen Gesetze und Anweisungen Gottes, die das Leben des Volkes Israel geregelt haben. Dort findet sich auch folgende Anweisung: „Wenn ihr erntet, sollt ihr euer Feld nicht bis an den Rand abernten und keine Nachlese halten. (…) Lasst etwas übrig für die Armen und für die Fremden bei euch. Ich bin der HERR, euer Gott!“ (3. Mose 19,9-10)
Hier wird eine frühe Form der Sozialhilfe beschrieben. Nach der Ernte durften Menschen, die kein eigenes Land besaßen, auf die abgeernteten Felder, um die Reste für den Eigenbedarf einzusammeln. Gleichzeitig war das eine wichtige Übung für Landbesitzer. Sie lernten zu sagen: „Das, was ich bei meiner Ernte eingefahren habe, ist genug. Ich muss nicht jeden Krümel, jedes letzte Korn behalten.“
Wie viel ist genug? Wie viel brauche ich wirklich? Ich bin überzeugt: meine Lebenszufriedenheit hängt entscheidend davon ab, welche Antworten ich auf diese Fragen finde. Und es zeigt mir, wie es um mein Vertrauen in Gott wirklich steht.
Ihr Kommentar