/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Fromme Leidensbereitschaft?
Gedanken von Oliver Jeske zum Bibeltext Psalm 119,71
Es ist gut für mich, dass ich gedemütigt wurde, damit ich deine Gebote lerne.
Kann man Leid etwas Positives abgewinnen? Klar, da gibt es Leistungssportler. Um den Sieg zu erringen, verlangen sie ihrem Körper das Letzte ab. Das braucht schon Leidensbereitschaft.
Auf den ersten Blick kennt auch die Bibel so etwas wie eine „fromme Leidensbereitschaft“. Im 119. Psalm schreibt der ungenannte Autor:
„Gut war es für mich, dass ich leiden musste.
Das brachte mich dazu, dein Gesetz zu lernen.“ (Psalm 119, 71 – BasisBibel)
Ist Gott also ein Sadist, der seine Leute dazu hinprügelt, dass sie seine Regeln befolgen? Und erwartet er auch noch Dankbarkeit dafür?
Leider wurde zu manchen Zeiten genau das gedacht. Selbstkasteiung war zum Beispiel eine vermeintlich fromme Übung im Mittelalter.
Doch nein! Gott ist nicht so! Der ganze 119. Psalm singt ein Loblied auf Gottes Weisungen. Sie sind wohltuend und lebensspendend. Und dieses Loblied bildet den längsten Psalm in der Bibel – aus gutem Grund!
Meine Vermutung deshalb: Wahrscheinlich hat sich der Autor des Psalms selbst Leid zugefügt, indem er die guten Weisungen Gottes nicht befolgt hat. Das hat ihn zum Umdenken gebracht. Und deshalb erfreut er sich jetzt an einem Leben im Einklang mit Gott.
Nein, an Leiden ist nichts Positives. Aber Gott kann in seiner Gnade aus leidvollen Erfahrungen Gutes entstehen lassen.
Ihr Kommentar
Kommentare (3)
Ihrem Resümee "an Leiden ist nichts Positives" kann ich nicht zustimmen. In Kol. 1,24 schreibt Paulus, dass gerne er leidet, um der Gemeinde zu dienen. Er leidet also nicht, weil er Gott fern ist, … mehrsondern gerade, weil er Gottes Wege geht. Und weil er weiß, dass dieses Leiden Sinn hat, freut er sich. Dieses Leiden hat er nicht gesucht, um sich bei Gott besser zu stellen (siehe "Selbstkasteiung"), aber er hat es in Kauf genommen, weil es dem Ziel, das er hatte und womit Gott ihn beauftragt hat, gedient hat.
Oder bei Jesus: seinem Leiden können wir nun wirklich sehr viel "Positives" abgewinnen, bei allem Schrecklichen.
Leiden ist nichts Schönes, ja, und wir müssen es gewiss nicht suchen, um Gott zu gefallen. Aber manchmal ist es sehr sinnvoll. Und in schweren Stunden ist Gott uns doch oft besonders nahe, gerade wenn ER uns, die wir mit IHM gehen, "beschneidet" (siehe Joh.15 "die fruchttragenden Reben beschneidet er"). Und warum tut ER das? Damit wir noch mehr Frucht bringen. Nicht einfach, nicht schön, aber sehr sinnvoll.
Mfg
Conny S.
Ich will in Einklang mit Gott leben! Ein toller Impuls, für den ich Ihnen danke, Herr Jeske!
Ein toller Beitrag! Wir sollten uns immer fragen, was Gott will. Unsere eigenen Wege führen ins Abseits. Der Weg mit Gott kann schwer sein, aber er meint es immer gut mit uns! Vertrauen wir ihm in jeder Situation!