/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Armut und Reichtum einmal anders
Gedanken von Markus Baum zur Bibelstelle Psalm 51,3.
Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.
„Erbarmen“ reimt sich im Deutschen auf die „Armen“. Und der Armut steht nicht sprachlich, aber bildlich der Reichtum gegenüber.
Im Psalm 51, dem vierten von sieben so genannten „Bußpsalmen“ in der Bibel, stecken Armut und Reichtum direkt in der ersten Strophe – unmittelbar nach einer Anmerkung zu den Umständen, unter denen dieser Psalm entstanden ist: „Gott, du bist reich an Liebe und Güte; darum erbarme dich über mich, vergib mir meine Verfehlungen.“ So übersetzt es die „Gute Nachricht.“
Wer ist reich? Gott. Woran? An Liebe und Güte, und natürlich auch an Barmherzigkeit.
Wer ist arm? Der Dichter des Psalms. David, der zweite König Israels. Dem hat es zwar äußerlich betrachtet an nichts gefehlt, aber das Viele, was er hatte, war ihm nicht genug – und so hat er in seiner Gier alles aufs Spiel gesetzt – und verloren. Sein Kind, seinen Seelenfrieden, um ein Haar auch sein Leben. Ohne Gottes Erbarmen war er blank, hilflos, aufgeschmissen. Ein armer Reicher.
Die Reichen und Einflussreichen dieser Welt sind allesamt nackt und bloß und armselig, verglichen mit der Güte und Liebe des Gottes, der diese Welt ins Dasein gerufen und uns allen das Leben geschenkt hat. Wirklich reich ist einem späten Nachfahren Davids zufolge nur, wer einen Schatz im Himmel hat. Und dorthin, in den Himmel, in die Sphäre Gottes, gelangt nur, wer den Offenbarungseid leistet, so wie David. Der erklärt im Psalm 51 seinen moralischen Bankrott, gesteht ein: Ich hab's vermasselt. Ich habe Schuld auf mich geladen und kann sie nicht begleichen. Und nun hängt alles ab von Gottes Güte, Gottes Barmherzigkeit, Gottes Nachsicht, Gottes Liebe.
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