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/ Bibel heute

Alles ist vergänglich

Der Bibeltext Prediger 1,1-18 – ausgelegt von Martin Siehler.

Dies sind die Reden des Predigers, des Sohnes Davids, des Königs zu Jerusalem. Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel. Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne?[...]

Prediger 1,1–18

Sinnfrage und Vergänglichkeit

„Das bringt doch alles nichts“, diese Redewendung höre ich immer wieder, wenn ein Projekt nicht den gewünschten Erfolg bringt. Der Prediger stellt solche Fragen noch grundsätzlicher. Gibt es überhaupt einen Sinn im Leben? Was soll die ganze Mühe und Arbeit? Am Ende werden wir doch alle sterben. Während das Buch der Sprüche im Alten Testament direkt vor dem Predigerbuch auf Verhaltensweisen für ein gelingendes Leben hinweist, formuliert der Prediger kritischer. Der Prediger weiß: Richtiges Verhalten führt nicht immer zu einem gelingenden Leben. Das Predigerbuch nimmt die Gedanken Salomos, des Sohnes Davids, auf. Die häufige Formulierung „alles ist eitel“ bedeutet: Nichts bleibt bestehen.

Die Vergänglichkeit und die offene Frage nach dem Sinn des Lebens wurden auch von der deutschen Literatur aufgenommen. So schrieb der damals kaum zwanzigjährige Dichter Andreas Gryphius in der Barockzeit über den leeren Schein und die Eitelkeit aller Existenz. Er stellte fest: „Nichts auf der Welt ist unvergänglich. Die schöpferischen Leistungen des Menschen unterliegen ebenso der Vergänglichkeit wie die Schönheit der Natur.“ Er selbst erlebte durch den 30-jährigen Krieg den Untergang seiner schlesischen Heimatstadt Glogau. Diese traumatischen Erfahrungen bestärkten in ihm die Sicht, dass alles irdische Tun vergeblich und vergänglich sei.

Ähnlich formuliert es der Prediger: Alles ist ein Nichts. Das Leben besteht aus Werden und Vergehen, nichts wird bleiben. Alles, was der Mensch sich mühevoll erarbeitet, wird wieder vergehen. Damit stellt er die menschlichen Bestrebungen nach „schneller, höher, weiter“ in Frage. Die Unruhe, die Anspannung und der Eifer, sich nie mit dem Erreichten zufriedenzugeben – das alles bezeichnet er als „eitel und Haschen nach Wind“. Die Illusion, mehr Glück durch mehr Reichtum zu bekommen, entlarvt der Prediger als irreführend.

Erfolg, Leere und Erfüllung

Bemerkenswert ist die Erfahrung von vielen Sportlern, die sich nach großen Erfolgen innerlich leer fühlen. Beim deutschen Fußball-Nationalspieler Felix Nmecha ist es anders. Er sagt: „Fußball ist meine Leidenschaft, Jesus ist mein Fundament.“ „Jedes Mal, wenn ich das Spielfeld betrete, geht es nicht um mich, sondern darum, Gott zu verherrlichen.“ Als er bei der Weltmeisterschaft nach dem Spiel gegen Curaçao mit anderen auf dem Platz zusammen betete, sagte er anschließend: „Im Spiel sind wir Gegner, aber nach dem Spiel sind wir alle Christen, wir sind alle Brüder und sehr dankbar.“

Das Wissen um die Vergänglichkeit führt beim Prediger nicht zur Gottlosigkeit. Im Gegenteil, er ermutigt zum Vertrauen in den unverfügbaren Gott.

Denn trotz aller Vergänglichkeit kann er mit Gott fröhlich essen und genießen. Am Ende des Predigerbuches fasst er die Weisheit seines Nachdenkens zusammen in der Ermahnung „fürchte Gott und halte seine Gebote“. Trotzdem leidet der Prediger daran, dass er das Leben nicht versteht. Er beobachtet und versucht mit vielen Worten zu beschreiben, was er auf der Erde sieht. Er gibt zu, dass er nicht genug Worte findet, um alles zu beschreiben, was seine Augen wahrnehmen. Die gesamte Schöpfung ist größer als der Mensch erfassen kann.

Heute geht es Wissenschaftlern ähnlich: Je mehr sie entdecken, desto mehr Fragen tun sich auf. Der Erfinder Nikola Tesla sagte: „Es ist paradox, je mehr wir wissen, desto unwissender werden wir in einem absoluten Sinn.“ Obwohl der Mensch sehr viel erfinden kann, kommt er aus dem Kreislauf von Kommen und Gehen, Werden und Vergehen nicht heraus. Die Dampfmaschine ist mittlerweile überholt; wie lange wir am Internet und an der KI Freude haben, wird sich zeigen.

Grenzen von Wissen und Selbstoptimierung

Der Prediger sieht einen Beweis für die allgemeine Sinnlosigkeit darin, dass alle Flüsse ins Meer fließen, diese aber nicht überlaufen. Für ihn ein Beweis, dass es nichts Neues gibt unter der Sonne. Den Kreislauf des Wassers zwischen Meer, Luft und Land konnte der Prediger damals noch nicht wissen.

Es sind von Gott geschaffene Naturgesetze. Mit diesen Naturgesetzen findet sich der Amerikaner Bryan Johnson nicht ab. Er will die Endlichkeit des Lebens durchbrechen. Deshalb gibt er jährlich 2 Millionen Dollar aus, um seine Lebensführung zu optimieren und seine Gesundheit zu überwachen. Den Tod bezeichnete er in einem Interview als „technisches Problem, das sich lösen lässt“ und verkündete seinen Plan, ewig leben zu wollen. Das wird ihm nicht gelingen.

Anfang und Ende meines Lebens stehen in Gottes Hand; deshalb ist es wichtig, nach Gott zu fragen. Wichtiger als länger zu leben wäre „erfüllt“ zu leben. Gott will, dass Menschen ihm unbedingt vertrauen, auch wenn sie die Welt und die Lebensführungen nicht immer verstehen.

In der tiefen Verbundenheit mit dem dreieinigen Gott schenkt Gott erfülltes Leben. Das ist weder nichtig noch Haschen nach Wind; das ist auch kein vergängliches Leben, sondern Leben mit Ewigkeitsperspektive. Lebenszufriedenheit ist also keine Frage des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts. Es ist eine Frage der Verbundenheit mit Gott.

Ordnung, Rettung und Neuschöpfung

Im zweiten Teil unseres Abschnittes stellt sich der Prediger als König über Israel vor. In seinen philosophischen Überlegungen versucht er noch einmal, das Leben von außen zu betrachten. So stellt er ernüchtert fest: Vieles von seinem Tun als König ist nutzlos. Der Prediger nimmt uns die Illusion, dass wir wissen könnten, wie Leben geht. Er stellt fest, dass Gott den Menschen viel Mühe aufgeladen hat. Es ist eine Erinnerung an den Sündenfall. Gott sagte zu Adam: „Mit Mühsal sollst du dich von deinem Acker nähren, dein Leben lang.“ Damit akzeptiert er die Ordnungen, die Gott gegeben hat, auch wenn er sie nicht versteht. Der Prediger bleibt überzeugt: Gott ist der Herr der Geschichte, der die Verhältnisse ordnet. Er sieht noch nicht das Ziel von Rettung und Neuschöpfung, zu dem Gott seinen Sohn Jesus Christus in diese Welt senden wird.

Weil der Prediger Jesus Christus noch nicht kennt, bleibt er bei seiner resignierenden Erkenntnis stehen. Es sei, wie wenn jemand mit den Händen nach dem Wind greifen möchte, seine Hände aber leer bleiben.

Das menschliche Bemühen, dem Geheimnis des Lebens auf die Spur zu kommen, wird für den Prediger sinnlos. Noch vergeblicher scheint sein Bemühen, Gott verstehen zu wollen. Am Ende weiß er, dass er nichts weiß. So endet der Abschnitt pessimistisch. Nicht nur die körperliche Arbeit sei nutzlos, sondern auch das Nachdenken über den Sinn des Lebens. Je mehr er weiß, desto mehr empfindet der Prediger innere Schmerzen und Verdruss. Mein Glück heute ist: Ich kenne Jesus!

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