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/ ERF Mensch Gott / 54:32 min.

Obdachlosenheim statt Luxusleben

Aline lebte mit ihrem Mann Peter Reiter und den beiden Kinder auf Ibiza im Luxus. Peter war ein Seminarleiter aus der Esoterikszene. Die Familie hatte ein Haus mit Blick auf den Strand, ein Kindermädchen, einen Gärtner und einen Poolboy. Trotzdem sagt Aline: „Ich habe alles erreicht, was man erreichen kann, und trotzdem fühlte ich mich enorm leer.“ Auf der Fahrt zu einem Seminar an den Starnberger See erkrankte Peter schwer. Er kam ins künstliche Koma und starb drei Wochen später im Krankenhaus. Aline hatte kein Konto, keine Karte und kein Bargeld. Sie zog mit den Kindern in ein Obdachlosenheim. Dort schrie sie in einer Nacht um Hilfe und spürte plötzlich eine Gewissheit: „Ich kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand.“ Später las Aline mit einer Freundin das Johannesevangelium und erkannte in Jesus den, nach dem sie ihr ganzes Leben gesucht hatte. Heute sagt sie: „Ich muss kein guter Christ sein, mich nicht anstrengen, besonders gut darin zu sein. Ich darf lebendig sein.“

Alines Suche nach Sinn begann schon als Kind. Sie fragte ihre Eltern und ihren Großvater, woher wir kommen und warum Menschen und Tiere sterben. Die Antwort war: „Hör auf damit!“ Aline fühlte sich oft „zu viel“ und hatte das Gefühl, nicht richtig zu sein, wie sie ist. Ihre Eltern ließen sich scheiden, als sie zwölf war. Kurz vor dem Abitur sagte ihr Vater, ihr Zuhause sei nicht bei ihm. Mit 16 las Aline den Roman „Der Alchemist“. Später studierte sie Lehramt und suchte Antworten in Märchentherapie, Ashtanga-Yoga, Meditation und Retreats. In der Esoterikszene lernte sie Peter kennen. Doch zwischen ihrem strahlenden Auftreten und ihrem inneren Gefühl entstand nach ihren Worten eine „Kluft“. Ihre Geschichte ist für alle interessant, die sich fragen, warum Erfolg, Besitz oder Arbeit an sich selbst manchmal nicht tragen. Und dafür, was bleibt, wenn alles andere wegbricht.

 

Warum fühle ich mich leer, obwohl ich eigentlich alles habe?

Für Aline lag es daran, dass Besitz ihre inneren Fragen nicht beantwortet hat. Dazu gehörten Fragen wie „Was macht mich aus?“ und „Was ist der Sinn in diesem Leben?“. Sie erlebte den Luxus auf Ibiza als „Kälte und Leere“. Sie wollte immer mehr und hoffte, dadurch glücklicher zu werden: „Aber es war nicht von Dauer.“ Das ist Alines persönliche Erfahrung und keine allgemeine Erklärung für das Gefühl innerer Leere.

Warum gibt mir Esoterik im Alltag keinen Halt?

Aline hat erlebt, dass die Antworten aus den Seminaren im echten Leben nicht getragen haben: „In den Seminaren ergab das alles Sinn. Aber in der Realität, im Alltag hat das nicht standgehalten.“ Bei Peter lernte sie unter anderem Aufstellungsarbeit kennen. Dabei werden Gefühle oder Beziehungen im Raum dargestellt, und andere fühlen mit. Dazu kamen positives Denken und das Ziel, eine „bessere Version“ ihrer selbst zu werden. Daraus wurde für Aline ein ständiger Druck: mehr Seminare, mehr Yoga, mehr Weisheit. Als Peter im Sterben lag, merkte sie: Keine Atemtechnik und keine Yogaübung half ihr.

Was unterscheidet Gott in der Esoterik vom Gott der Bibel?

Aline beschreibt den Unterschied so: In der Esoterik war Gott für sie „eher ein Universum, ein Nichts“, und sie sollte Teil davon werden. Im Obdachlosenheim erlebte sie Gott dagegen als ein Gegenüber, „jemand, der mich hört und antwortet“. Damit meint sie nicht, dass sie eine Stimme hörte. Sie erlebte, dass Gott in ihr Leben eingriff und sie hielt. Das ist ihre persönliche Glaubenserfahrung, kein theologischer Vergleich aller esoterischen Richtungen.

Was kann Halt geben, wenn nach dem Tod des Partners alles wegbricht?

Für Aline war es die Erfahrung, dass Gott sie hört und dass Menschen ihr halfen. Nach Peters Tod hatte sie das Gefühl, alle „Säulen“ ihres Lebens seien weggebrochen: Geld, Zuhause, Mann, Familie und Freunde in der Nähe. Danach setzten sich fremde Menschen für sie ein. Sie halfen beim Antrag auf Hartz IV, der damaligen staatlichen Grundsicherung. Ein Kindergarten nahm beide Kinder auf, obwohl kein Platz frei war. Aline bat ihre Kinder Leon und Lelani: „Ich brauche euch im Team, sonst schaffe ich das nicht.“ Die Kinder antworteten: „Okay, wir sind ein Team.“

Was bedeutet die Geschichte von Jesus und der Frau am Brunnen?

Im Johannesevangelium (Kapitel 4) begegnet Jesus einer Frau an einem Brunnen. Er bietet ihr ein Wasser an, das den Durst dauerhaft stillt. Dabei spricht er ihre Lebensgeschichte an, auch ihre Beziehungen zu Männern. Aline las diese Stelle mit einer Freundin und bezog sie auf sich: „Du suchst an der falschen Stelle.“ Sie fühlte sich darin von Jesus gesehen. Danach war für sie klar, dass sie nicht mehr von Jesus weg will. Sie suchte sich eine Gemeinde und ließ sich taufen.

Kann man seinen Eltern vergeben, wenn man sich abgelehnt gefühlt hat?

Aline ist es gelungen, ihrem Vater zu vergeben. Er hatte ihr gesagt, ihr Zuhause sei nicht bei ihm. Durch ihren Glauben an Jesus konnte sie über diese Verletzung weinen und sagen: „Ich darf bei Gott zu Hause sein und bin es.“ Heute sieht sie ihren Vater anders: „Er hat auch seine Geschichte und sein Bestes gegeben.“ Für Aline war Vergebung Teil eines Heilungsweges. Das ist ihre Erfahrung und kein allgemeines Rezept für schwierige Beziehungen zu den Eltern.

 

Wo finde ich Hilfe?

Wenn dich Trauer, Einsamkeit, Geldsorgen oder die Frage nach dem Sinn deines Lebens belasten, musst du damit nicht allein bleiben. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter 0800 1110111 und 0800 1110222. Auch beim ERF kannst du dich melden: Gebet beim ERF


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