18.07.2011 / Andacht
Zuckersüße Stinkbomben
Mal unglaublich goldig, mal super anstrengend: Kinder sind Gabe und Aufgabe zugleich. Gedanken zu Psalm 127,3.
Ich erinnere mich, als mein Kleiner noch nicht zwei war. Wenn er sich vor der Arbeit mit „Tüs“ von mir verabschiedete, berührte mich das immer wieder neu. Wenn ich morgens in sein Zimmer kam und er mir mit seinen lachenden Augen ein „Allo“ zurief, fing der Tag erst so richtig gut an. In solch schönen Momenten fällt es mir leicht, dem Vers aus der Bibel von ganzem Herzen zuzustimmen:
„Kinder sind eine Gabe des Herrn.“
Psalm 127,3
Doch es gibt auch die anderen Momente. Wenn mein Kleiner das Essen von sich wirft oder sich zum wiederholten Mal trotz Verbot an meinem Laptop zu schaffen macht. Oder wenn er sich vor Wut auf den Boden schmeißt, weil er es sich unbedingt in den Kopf gesetzt hat, den Staubsauger oder irgendein anderes viel zu schweres Gerät hochzuheben und es nicht schafft.
In diesem Moment fühlt mein Sohn sich nicht wie eine Gabe, sondern wie eine Aufgabe an. Da ist dann meine Entscheidungskraft gefragt: Wo muss ich Grenzen ziehen, wo Freiraum geben? Welche Werte will ich meinem Kind vermitteln? Wie kann ich Vorbild sein? Denn wenn ich vor Wut eine Schachtel auf den Boden werfe, weil ich sie einfach nicht aufkriege ohne sie kaputt zu machen, dann redet das für meinen Sohn mehr als 1000 Verbote und Erklärungen.
Vielleicht liegen Gaben und Aufgaben aber ohnehin nah zusammen. Wenn Gott mich beschenkt mit seiner grenzenlosen Liebe, dann ist das eine Gabe, die ich genießen darf, die aber auch eine Aufgabe ist. Wo Gott mich erfüllt, darf ich überfließen und seine Liebe weitergeben. Gerade auch meinen Kindern. Und gerade dann, wenn sie mal nicht zuckersüß sind.