10.02.2014 / Andacht

Wo war ich gerade?

Warum es gut sein kann, nicht alles mitzubekommen.

Seit einigen Wochen arbeite ich in einem Dreierbüro. Meine Kolleginnen sind super und wir haben viel Spaß zusammen. Eine Herausforderung stellt sich mir aber nun regelmäßig: Ich werde leicht abgelenkt, weil jemand den Kopf zur Tür reinsteckt oder meine Kollegin über ein Foto auf ihrem Bildschirm schmunzelt. Natürlich will ich das Bild auch sehen. Zehn Minuten später vibriert mein Smartphone, weil ein Forumsbeitrag bei Facebook hinzugekommen ist. Das muss ich sofort lesen, es könnte wichtig sein.

Nicht alles zu Herzen nehmen

Durch die vielen Reize fällt es mir schwer, mich auf das zu konzentrieren, was ich eigentlich vorhabe. Wenn ich ständig Angst habe, etwas zu verpassen, bin ich nur halb bei der Sache, die wirklich meine Aufmerksamkeit erfordert. Salomo gibt uns deshalb einen guten Rat: Versuche nicht, alles mitzubekommen, was die Leute reden (Pred. 7, 21).

Warum dieser Rat? Weil das Wenigste in dem Moment für mich wirklich relevant ist. Vielmehr ist es meist pure Neugierde, die mich die Ohren spitzen lässt. Vielleicht könnte ich etwas verpassen. Vielleicht habe ich aber auch Angst, dass gerade über mich geredet wird. Ist es mein Bild, über das die Kollegin lacht? Ist es meine Nachricht, die in dem Facebook-Forum zerrissen wird?

Salomos Antwort darauf ist: Das musst du doch gar nicht wissen. In der Lutherbibel heißt es an dieser Stelle sogar, dass wir uns nicht alles zu Herzen nehmen sollen, „was man sagt, dass du nicht hören musst“.

Eine gute Übung

Das ist ein guter Rat. Denn egal worüber andere um mich herum gerade reden oder schmunzeln: Es ist jetzt nicht wichtig für mich, sonst würde ich aktiv in das Gespräch miteinbezogen werden. Selbst wenn es wirklich einmal um mich geht und jemand abfällig über mich spricht, ist es doch besser für mich, das nicht zu hören.

Dabei will ich das den Menschen um mich herum gar nicht unterstellen. Wieso sollten sie das tun? Wahrscheinlich lacht meine Kollegin über ein witziges Urlaubsfoto von ihrem Cousin. Und im Facebook-Forum könnte es um die Planung einer anstehenden Geburtstagsfeier gehen. Ich muss das nicht überprüfen.

Es ist sogar eine gute Übung für mich, dass ich nicht alles mitbekommen muss. Denn so lerne ich, meine Gedanken bewusst auf das zu lenken, was ich eigentlich gerade vorhatte. Zum Beispiel darauf, diese Andacht fertigzuschreiben. „Versuche nicht, alles mitzubekommen, was die Leute reden.“ Wenn ich mir das zu Herzen nehme, tut das richtig gut.

Autor/-in: Theresa Folger