14.04.2012 / Zur Lage der verfolgten Christen in Nordkorea
„Wir dürfen sie nicht alleine lassen“
Während Nordkorea den Geburtstag Kim Il Sungs feiert, ruft Open Doors zum Gebet für das Land und die Christen dort auf. Ein Kommentar von Markus Rode.
| Unten: Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland (Bild: Open Doors) |
Meist bleiben sie ohne Namen. Teils, weil Näheres über sie nicht bekannt ist. Doch vor allem deshalb, weil jedes persönliche Detail – wo sie wohnen, arbeiten, wie die Eltern heißen – zu ihrer Hinrichtung führen und ihre Angehörigen ins Arbeitslager bringen könnte: Christen in Nordkorea leben extrem gefährlich. Sie gelten als „reaktionäre Elemente“. Nicht als Menschen, als Elemente! Zwar gesteht Artikel 68 der Verfassung der Demokratischen Volksrepublik Bürgern die freie Ausübung ihrer Religion zu. Demnach könnten sie theoretisch sogar Gebäude für religiöse Aktivitäten bauen, aber Religion dürfe nicht "zur Einführung ausländischer Kräfte“ genutzt werden oder „um die staatliche und gesellschaftliche Ordnung zu verletzen".
Und unter diesem Generalverdacht stehen die 200.000 bis 400.000 Christen in dem abgeschotteten Land. Seit Jahren belegt das Land Platz 1 des Weltverfolgungsindex von Open Doors. Mit einem ausgeklügelten Überwachungssystem aus Geheimagenten, Polizisten und dem Nachbarschaftskomitee sollen sie ausgeschaltet werden. Doch trotz dieser Überwachung und Verfolgung konnten wir – übrigens bereits seit den 1990er Jahren - kleine Gruppen von Christen im Land miteinander vernetzen und unterstützen. Heraus aus der Isolation können sie sich nun gegenseitig ermutigen und stärken.
Verstärkte Verfolgung
Als während des Koreakrieges (1950-1953) viele Christen aus dem Land flüchteten, hielt Nordkoreas Staatsgründer Kim Il Sung dies für den Beweis, dass Christen allesamt Verräter und Spione der Amerikaner seien. Dabei sollen seine Eltern selbst Christen gewesen sein. Noch Anfang des letzten Jahrhunderts galt die heutige Hauptstadt Pjöngjang mit ihren Kirchen als „Jerusalem des Ostens“. Doch heute dienen die wenigen Kirchengebäude in Pjöngjang lediglich der Verblendung und Vortäuschung von Religionsfreiheit gegenüber ausländischen Besuchern.
Tatsächlich kann es kein Christ in Nordkorea wagen, sich „frei“ zu seinem Glauben zu bekennen. Viele wurden schon ermordet. Eine 33-jährige Mutter von drei Kindern wurde wegen Bibelverbreitung öffentlich hingerichtet. Ihre Kinder, ihr Mann und ihre Eltern kamen ins Straflager. Ob sie noch leben, ist ungewiss. Drei Männer wurden hingerichtet, weil sie sich in einer Untergrundgemeinde versammelt hatten. 20 weitere Christen der Gruppe kamen ins Arbeitslager Nr. 15 in Yodok. Von der Verhaftung eines Angehörigen berichtete auch ein nordkoreanischer Flüchtling. Der Verwandte wurde gefasst, als er eine Bibel verschenkt hat. Seine ganze Familie kam ins Straflager. Viele weitere Fälle werden erst gar nicht bekannt. Derzeit sind schätzungsweise bis zu 70.000 Christen in Arbeitslagern. Unter dem neuen Machthaber Kim Jong Un, dem Enkel von Kim Il Sung, sollen die Bemühungen verstärkt worden sein, jede christliche Aktivität aufzudecken.
Die Hölle durchstehen
Es ist unvorstellbar, welcher Zerreißprobe Christen jeden Tag in Nordkorea ausgesetzt sind. Sie lehnen den Personenkult um die Kim-Dynastie ab, doch müssen sie sich staatskonform geben, um sich, ihre Familie und Hausgemeinde nicht in Gefahr zu bringen. Wie ein Damoklesschwert schwebt über ihnen, entdeckt zu werden oder dass ein Spitzel ihre Hausgemeinde unterwandert.
Andererseits brauchen sie die Gemeinschaft mit anderen Christen, das Lesen der Bibel, das gemeinsame Gebet, die Ermutigung. Denn sie wollen in dieser „Hölle“ – so ein nordkoreanischer Christ – durchhalten. Wie uns Mitarbeiter versichern, ist die Gemeinde Jesu in Nordkorea lebendiger denn je. Christen verschiedener Generationen treffen sich im Verborgenen, heimlich, hinter vorgezogenen Vorhängen oder im Wald und feiern Gottesdienste miteinander. Christen versicherten, dass sie ihren Glauben an Christus nicht verleugnen wollen, selbst wenn sie dafür gefoltert und getötet werden.
Appell: Am Sonntag beten
Am Sonntag, dem 15. April, feiert Nordkorea kollektiv den 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung. Der 1994 verstorbene Diktator gilt als der „ewige Präsident“. Gigantische Feierlichkeiten, Sportfeste, ein Sonderparteitag und ein Raketenstart sollen ihn wie einen Gott huldigen. Auch Christen müssen an den Festakten teilnehmen, selbst wenn sie diesen Götzendienst zutiefst verabscheuen. Doch in ihren Herzen beten sie Jesus an und wollen Lichter in der Dunkelheit ihres Landes sein.
Lassen wir sie dabei nicht allein! Ich bitte Sie, denken Sie am Sonntag, den 15. April, persönlich und im Rahmen ihres Gottesdienstes besonders an die Glaubensgeschwister in Nordkorea und beten Sie für sie. Ein Hausgemeindeleiter versicherte uns: „Eure Liebe treibt uns an. Gebet ist nicht nur ein Signal der Verbundenheit, sondern auch ein Beleg dafür, dass die weltweite Gemeinde mitleidet, wenn ein Teil des Leibes Jesu leidet“. Unser Gebet gibt den verfolgten Geschwistern in Nordkorea die Kraft, im und durch den Glauben standhaft zu bleiben. Deshalb dürfen wir sie nicht alleine lassen!
Mehr zur Aktion von Open Doors am 15. April „Beten statt feiern“: www.opendoors-de.org/nordkorea
Zum Videokommentar von Markus Rode auf YouTube