01.01.2013 / Gedanken zur Jahreslosung 2013

Wir bleiben nicht

Mit dem Tod ist es nicht vorbei. Es gibt ein Leben danach. Gedanken zur Jahreslosung 2013 von Jürgen Werth.

Wir haben hier keine bleibende Stadt … In keinem Moment wird das so augenfällig wie bei der Beerdigung eines lieben Menschen. Wir bleiben nicht. Niemand bleibt. Was die Alten deutlicher und klarer vor Augen hatten als wir. Auf einem Schweizer Bauernhaus fand ich den Satz:

„Zur Herberg hier für kurze Zeit. Die Heimat ist die Ewigkeit.“

Herberge und Heimat. Zuweilen verwechseln wir das. Halten unsere Herbergen auf der Erde schon für unsere Heimat. Bis wir uns verbschieden müssen. Wir haben hier keine bleibende Stadt. Keine bleibende Herberge. Und sei sie noch so komfortabel ausgestattet.

Zum Glück aber geht der Vers, der über dem Jahr 2013 steht weiter. „Wir haben hier keine bleibende Stadt – sondern die zukünftige suchen wir.“ Die zukünftige. Die kommende. Die Stadt der Zukunft. Die Heimat in Ewigkeit.

Suchen wir sie? Nein, Hand auf’s Herz – wir suchen sie nicht. Haben uns längst häuslich niedergelassen in diesem Leben, in dieser Welt. Möchten den Himmel auf die Erde holen. Möchten alles hier haben. Alles hier auskosten. Haben uns so sehr in der Zeit verloren, dass wir darüber die Ewigkeit aus den Augen und aus den Gedanken verloren haben.

Bis – eben, bis wir am Grab eines lieben Menschen stehen. Bis wir selbst die letzte Reise anzutreten haben. Dann wissen wir wieder, dass diese zeitliche Herberge nicht halten konnte, was wir uns von ihr versprochen haben.

„Zur Herberg hier für kurze Zeit. Die Heimat ist die Ewigkeit.“

Ich will das neu lernen. Ich will das neu leben. Will mein Herz nicht länger an das hängen, was ich verlassen muss. Will stattdessen immer wieder über das hinaus blicken, was mich umgibt. Was mich bannt und was mich bange macht. Will nach dem Himmel Ausschau halten. Nach der Welt Gottes. Der ewigen Welt. Der ewigen Heimat.

Was mich nicht davon abhalten wird, die zeitliche Herberge zu hegen und zu pflegen. Weltverachtung und Leibfeindlichkeit sind nicht der Christen Ding. Christen engagieren sich, setzen sich ein. Aber sie tun es mit der Gelassenheit des Himmels. Diese Welt ist nur Herberge, nicht Heimat. Dieser Leib ist nicht nicht die letzte Behausung.

Beim Sterben eines lieben Menschen ist mir das folgende Lied eingefallen. Ein Trauerlied. Aber noch viel mehr ein Trostlied. Ein Über-den-Tag-hinaus-Blick-Lied. Ein Himmelslied. Es soll mich auf der Erde begleiten. Und Sie vielleicht auch:

Und dein Herz nimmt Flügel,

und es schwingt sich hoch über Tränen und Tod.

Berge werden Hügel,

und du atmest auf, weil dich nichts mehr bedroht.

Und du fliegst ins Leben,

in ein Licht, das keine Schatten kennt.

Niemand muss dich heben,

fühlst dich federleicht, wie ein Traum, wie der Wind.

Und du siehst ihn wirklich, und er sagt:

Komm her, du, ich freu mich auf dich.

Und du spürst, er mag dich. Und du weißt,

er hat schon gewartet auf dich.

Er berührt dich zärtlich.

Und du siehst das Mal in seiner Hand.

Und du weißt, was Glück ist.

Und ich geb dich frei, das ist ab heute dein Land.

Und egal, wer dich geehrt hat:

Ob man bald noch von dir spricht, ist nun ganz einerlei.

Und egal, wer dich gebeugt hat:

Von den Herren dieser Welt bist du endlich ganz frei.

Und egal, ob sie gefüllt war, deine Zeit, oder leer:

Was nun auf dich wartet, ist auf jeden Fall mehr.

Du bist endlich am Ziel, da, wo ich auch hin will.