25.03.2013 / Andacht

Wer loslässt, gewinnt

Warum sich selbst aufgeben gewinnen heißt.

Bevor er als Missionar nach Südamerika ausreiste, musste er eine schwere Entscheidung treffen: Sollte er sein Leben in Deutschland aufgeben, seinen Traumjob an den Nagel hängen und allem, was er liebte, den Rücken kehren? Er war als junger Ehemann und Vater von fünf Kindern in Deutschland eingewandert und hatte gerade Fuß gefasst in seinem langjährigen Traumberuf.

Dann hörte er von den deprimierenden Lebensumständen einiger Menschen in Südamerika. Ihre Geschichten bewegten ihn. Mehrere Male reiste er dorthin, führte viele Gespräche und machte sich Gedanken über diese Menschen. Sein Herz hatte Feuer gefangen. Er wollte diesen Menschen helfen – doch auf der anderen Seite stand seine Familie, und sein chancenreiches Leben in Deutschland. Es war eine Entscheidung, die ihm nicht leicht fiel.

Loslassen, sich selbst aufgeben. Das klingt nicht gerade nach Freude und Glück. Unsere moderne Konsumgesellschaft verspricht uns auf ganz anderen Wegen ein erfülltes Leben: Noch mehr in Haus und Garten investieren, noch exklusivere Luxus-Urlaube, in denen ich meine Seele baumeln lassen kann.

Was ist das für ein Weg, den Jesus geht?

Doch Jesus schaut seinen Zuhörern ganz tief in die Augen und sagt: „Wer sich mir anschließen will, muss bereit sein, mit Vater und Mutter zu brechen, ebenso mit Frau und Kindern, mit Brüdern und Schwestern; er muss bereit sein, sogar das eigene Leben aufzugeben. Sonst kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir auf meinem Weg folgt, kann nicht mein Jünger sein.“ (Lukas 14, 3)

Ich muss nicht vor der Entscheidung stehen, in ein anderes Land zu gehen. Doch an anderen Punkten in meinem Leben werde ich herausgefordert, loszulassen: Eine Erfahrung, in der ich mich gekränkt und verletzt gefühlt habe. Oder die Verzweiflung, weil mich jemand alleingelassen hat, dem ich tief vertraut habe. Ein anderer ärgert sich vielleicht um nicht wahrgenommene Chancen, oder muss einen Wunsch aufgeben, der ihm seiner Ansicht nach zusteht. Es sind schmerzvolle Erfahrungen. Doch wohin führen sie mich? Was ist das für ein Weg, den Jesus gegangen ist?  

Das Geheimnis von Loslassen

Die letzte Etappe vor seinem Sterben war sicherlich auch die schmerzvollste Erfahrung Jesu. Es waren nicht nur die körperlichen Schikanen, denen er ausgesetzt war. Er war alleingelassen: Verleugnet von seinen besten Freunden, allein mit seinen Gefühlen. Selbst Gott, dem er sein ganzes Leben lang so hingebungsvoll gedient hatte, hatte ihn verlassen.

Doch das hielt Jesus nicht davon ab, diesen Weg zu gehen. Denn er kannte das Ende. Und er verlor sein Ziel keine Sekunde lang aus den Augen. Loslassen, sich selbst aufgeben setzt etwas ungleich viel Größeres frei. Das ist das Geheimnis vom Kreuz. Loslassen ist schwer, denn in diesem Moment verliere ich etwas, von dem ich immer meinte, dass es mir zustehe oder ich es brauche. Jetzt lasse ich zu, dass in mir ein Loch entsteht. Und noch ist nichts in Sicht, was dieses Loch füllt.

Doch wenn ich das Loslassen durchgehalten habe, spüre ich, dass ich gewonnen habe: Freiheit, Erleichterung, Freude und neue Lebensenergie. Loslassen hat einen hohen Preis. Doch am Ende stehe ich auf der Gewinnerseite.