27.01.2014 / Andacht

Wer ist schon fehlerfrei?

Was Helene Fischer mit einem biblischen Prinzip zu tun hat. Eine Andacht.

Eine inoffizielle Hymne macht in den Kopfhörern einiger Büros die Runde. „Fehlerfrei“ heißt der Titel von Schlagersängerin Helene Fischer, der sich hin und wieder durch vereinzelte Pfeiflaute von den Lippen eines Kollegen ankündigt. In diesem Ohrwurm besingt Frau Fischer die menschlichen Schwächen und ruft dazu auf, einmal von aller Perfektion abzusehen. Denn: Wer ist schon fehlerfrei?

Helene Fischer hat mit ihrem Lied scheinbar einen Nerv getroffen. Nicht nur ihre Fans, jeder fühlt sich befreit, wenn er nicht über Leistung definiert wird und nur dann etwas gilt, wenn er kaum erreichbaren Maßstäben genügt.  „Mal Fünfe gerade sein lassen“, das heißt, Mensch sein zu dürfen – mit allen Fehlern und Schwächen. Doch ist das biblisch?

Zuerst vor der eigenen Herzenstür kehren

Auch wenn der Rest des Liedtextes nur wenig mit meinem Glaubensleben zu tun hat, erinnert mich „Fehlerfrei“ an ein Prinzip Gottes, welches er durch seinen Sohn deutlich macht. Die Geschichte steht im Johannesevangelium. Jesus befindet sich gerade im Tempel und wird von den Schriftgelehrten und Pharisäern mit den Taten einer Ehebrecherin konfrontiert. Sie fordern ihn heraus, anhand des jüdischen Gesetzes über Recht und Unrecht zu entscheiden. Man ist gespannt: Würde Jesus nun dazu aufrufen, die Frau zu steinigen?

Aber Jesus weiß natürlich, was seine Gegner im Schilde führen. Seine Antwort: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie“ (Johannes 8,7). Oder mit anderen Worten: Wer ist schon fehlerfrei? Wer kann von sich selbst behaupten immer alles richtig zu machen? Wer darf sich überhaupt ein Urteil über andere erlauben? Der Knackpunkt an dieser Begebenheit ist nicht, dass Jesus den Ehebruch legitimieren will. Aber er stößt die Meckerer und Streitsucher vor den Kopf: Kümmert euch um euch selbst, bevor ihr andere verurteilt.

So werde ich fehlerfrei

Ähnlich befreiend wie diese Aussage Jesu wirkt wohl heute das Lied „Fehlerfrei“ auf seine Zuhörer. Keine Legitimation des Müßiggangs oder der Gesetzesverstöße, sondern die Erinnerung daran, dass alle Menschen fehlerhaft, also sündig sind - darum geht es Jesus und im übertragenen Sinn wohl auch der deutschen Schlagersängerin Fischer.

Wie gut, wenn man eine Beziehung zu Jesus hat und sich darauf berufen darf, dass er als einziger Mensch völlig fehlerfrei war. Frau Fischer vermittelt also – wenn auch unbewusst – ein äußerst biblisches Prinzip. Denn auf die entschuldigende und enthemmende Frage „Wer ist schon fehlerfrei?“ kann ich antworten: Jesus ist es. Er starb für meine Fehler am Kreuz und hilft mir, mit meinen Schwächen umzugehen.