05.04.2016 / Kommentar
Wenn die Angst regiert
Wieso Politiker wie Donald Trump so viel Zuspruch bekommen – ein Kommentar.
Am 08. November 2016 wird in den USA der 45. Präsident gewählt. Deshalb richten viele Medien aktuell den Blick auf Amerika – denn der Wahlkampf scheint dieses Mal spannender, kontroverser und schockierender denn je. Zumindest kann einem das in Zeiten von Social Media so vorkommen. Denn dort wird geteilt und kommentiert, ermahnt und gewarnt und wild spekuliert. Im Fokus: Donald Trump. Der möchte Präsidentschaftskandidat für die Republikaner im Land werden und galt bis vor einigen Tagen als größter Konkurrent zu Hillary Clinton, die auf der Seite der Demokraten kandidiert. Nun scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Trump muss wegen Äußerungen zum Thema Abtreibung herbe Verluste einstecken. Seine Meinung - dass Frauen, die abtreiben, bestraft werden sollen - erntet heftige Kritik, von Befürwortern wie Gegnern. Hat sich Trump damit selbst ins Aus geschossen? Oder holt er sich schon bald die Wählerstimmen zurück? Denn bisher ging seine Masche gut auf.
Den richtigen Nerv getroffen
Donald Trump hat trotz seiner rassistischen Äußerungen und seiner vor Arroganz triefenden Reden, eins geschafft: Den Nerv vieler Bürger zu treffen. Möchte man sich über Trumps Wahlprogramm und seine Ziele informieren, kommt man schnell an seine Grenzen. Außer Medienberichten im Tonus „da steckt nicht viel dahinter“ ist wenig zu finden. Aus den wenigen Zielen, die man findet und die Trump öffentlich anspricht, kann man eins herleiten: Er spielt mit der Angst und Unzufriedenheit der US-Bürger. Er schafft es, sie genau da abzuholen und von sich zu überzeugen. Das ist wohl der Hauptgrund für seinen Erfolg. Durch die weltweite Flüchtlingskrise und die Angst vor Terror, die gerade in den USA sehr präsent ist, macht sich in der Bevölkerung eine Stimmung breit, die von Vorurteilen und Hetze geprägt ist. Und genau auf diesen Zug springt Trump auf. Er schürt noch mehr Vorurteile und hetzt in seinen Reden über alles und jeden, der positiv gegenüber diesen „Migranten“ eingestellt ist. Doch anstatt dass die Bürger Amerikas – die den amerikanischen Traum der Unabhängigkeit leben und als ihr größtes Gut ansehen – erkennen, dass Trumps Worte völlig gehaltlos sind und ins Verderben führen, wird bei ihnen ein Nerv getroffen. Der Nerv der Angst. Sie fühlen sich durch die Aussagen Trumps in ihren irrationalen Ängsten bestätigt. „Wie sollen wir das schaffen?“ , „Was passiert mit meiner Stadt, wenn dort auf einmal Tausende Flüchtlinge leben?“ und „Ich hab mein ganzes Leben geschuftet, das soll mir keiner wegnehmen“ sind Fragen und Meinungen, die man nicht nur in Deutschland hört. Auch in Amerika gibt es sie – die Angst vor dem Unbekannten und davor, dass andere mir etwas wegnehmen könnten.
Aus Angst wird Krieg
Das Problem ist: Angst ist kein guter Ratgeber. Erst Recht nicht, um ein ganzes Land zu regieren. Wer mit der Angst seiner Bürger spielt und sie zu seinem Vorteil ausnutzt, kann nichts Gutes für sein Land im Sinn haben. Wer nicht mit Lösungsideen kommt, sondern nur Salz in die Wunde streut, scheint nicht Herr der Lage zu sein. Donald Trump will Amerika regieren. Aber wie? Indem er den Menschen so viel Angst vor dem Unbekannten macht, dass sie es nicht mehr wagen, ohne Waffe aus dem Haus zu gehen? Oder indem er eine noch größere Kluft zwischen Arm und Reich schlägt? Ich weiß es nicht. Weil er es nicht wirklich sagt – sondern nur große Reden schwingt, in denen er sich selbst bejubelt und Menschen um sich scharrt, die in Zeiten der Angst einen festen Anker suchen. Dabei ist die Gleichung einfach: aus Angst wird Hass und aus Hass wird Krieg. Krieg führt dazu, dass Millionen von Menschen ihre Heimat verlassen und fliehen – zu uns. Ein Teufelskreis.
Freiheit für alle oder Angst vor jedem?
Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen. Nicht mit Angst, sondern mit Liebe. Ein Blick in die Bibel zeigt, dass beides zusammen nicht funktioniert (1. Johannes 4,18): „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.“
Bezogen auf die Politik heißt das: Wo die Angst regiert, kann keine Liebe herrschen. Entscheidungen werden dann auf Kosten der Ärmsten getroffen. Wo die Angst regiert, wird es kein Leben in Freiheit und Gemeinschaft geben, sondern eine geteilte Gesellschaft, in der die eine Seite Angst vor der anderen hat. Kann das ein Ziel sein, das die Amerikaner anstreben? Lautet doch die Unabhängigkeitserklärung: „Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen worden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freiheit und das Bestreben nach Glückseligkeit…“.