23.07.2022 / Andacht

Von Gott befreit

Alles, was uns quält, bedrückt, gefangen hält, dürfen wir im Gebet vor Gott bringen.

„Der Herr macht die Gefangenen frei“  (Psalm 146,7).
 

Von welchen Gefangenen ist hier in diesem Psalmengebet die Rede? Sind es die, die physisch im Gefängnis sitzen? …die in Kriegsgefangenschaft, die in Fesseln und Ketten ihrer Freiheit beraubt sind? Oder sind es die, die sich selbst in ihren Süchten, Sünden und negativen Gefühlen verfangen haben?

Während ich darüber nachdenke, schreibt mir eine Freundin eine Nachricht: „Ich weiß nicht, was gerade passiert ist. Mein Herz ist leicht, es schmerzt nicht mehr. Ich habe viel und lange gebetet. Alles war nur noch schwer. Jetzt verspüre ich Leichtigkeit.“

Mir ist ihr Kummer bekannt: Durch Betrug und Trennung wird ihr viel Schmerz zugefügt. Ihr einziges Kind wird ihr genommen. Schmerz und Trauer machen sie nicht nur unglücklich, sondern geben Raum für Wut und Hass. Sie denkt, dass Vergeltung sie befreien kann. Die Gefühle werden zur Sucht. Legen sich wie Ketten um das Herz, zerstören Körper, Geist und Seele wie Gift.

Ihr Umfeld, ihre Freunde und Verwandte wandten sich von ihr ab. Mit den ständigen Hasstiraden können und wollen sie nicht umgehen. Ihr begreiflich zu machen, dass sie loslassen muss, ist schwer. Sie verrennt sich komplett in negativen Gefühlen, ist darin gefangen und findet keinen Ausweg mehr.

Ich biete an mit ihr zu beten, das nimmt sie in ihrer Verzweiflung dankend an. Und ganz offensichtlich findet sie im Gebet Erleichterung. Doch das hält nicht an. Sie bittet mich für sie zu beten. Klar, das tue ich aber mache ihr auch klar, dass sie eigene Schritte unternehmen muss; sich dem Guten zuzuwenden, die negativen Gefühle abzulegen und selbst Gottes Nähe im Gebet zu suchen – nur er kann befreien.

Mir fällt der Apostel Paulus ein. Er saß in Ketten gefesselt im Gefängnis und hätte jeden Grund gehabt, unglücklich zu sein, doch er war es nicht. Er war innerlich frei. Befreit durch Jesus Christus, durch das Evangelium, durch die Liebe Gottes, die er erfahren hatte.

Diese Kraft des innigen Gebets kannte der Beter des Psalms 146. Er wusste um die befreiende Liebe Gottes und dass dieser für Gerechtigkeit sorgt. Er wusste, dass er alles, was ihn quält, bedrückt, gefangen hält, im Gebet vor Gott bringen kann. Das können auch wir.

Im Gebet, das uns Jesus Christus gelehrt hat, heißt es: „…und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und erlöse uns von dem Bösen…“ In dieser Erlösung erfahren wir Befreiung an Leib und Seele. Kein Gefängnis, keine Ketten und Fesseln, wie auch immer geartet, können uns etwas anhaben. Das wusste der Beter des Psalms 146, das wusste Paulus. Und auch meine Freundin, von der ich berichtete, hat diese Befreiung durch das Gebet erfahren.

Ja, Gott macht die Gefangenen, er macht uns frei, immer und immer wieder im Glauben und Gebet. Mit und durch Jesus Christus erspüren wir die Erlösung.

Autor/-in: Heike Knauff-Oliver

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