09.11.2018 / Bericht

„Vielleicht haben wir verlernt, die Würde eines jeden Menschen zu verteidigen“

Schweigemarsch Berliner Christen anlässlich der Judenpogrome vor 80 Jahren.

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„Ich begrüße es sehr, dass die christlichen Kirchen Berlins den Jahrestag der Pogromnacht zum Anlass genommen haben, an die Opfer der Shoah zu erinnern.“ Das sagt niemand Geringeres als Michael Müller, der Regierende Bürgermeister von Berlin. Gemeinsam mit einigen hundert Teilnehmern hat er an einem Schweigemarsch zum 9. November teilgenommen, veranstaltet von den beiden großen Kirchen Berlins. Anlass: Vor 80 Jahren brannten Nazis Synagogen im ganzen Deutschen Reich nieder. Läden jüdischer Mitbürger wurden zerstört und geplündert. Rund 100 Menschen fanden den Tod. Horden von Schaulustigen sahen einfach zu.

Christen tragen Mitschuld

Der katholische Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, sucht nach einer Erklärung: „Vielleicht haben wir damals verlernt, die Würde eines jeden Menschen klar zu bekennen und zu verteidigen. Da haben wir als Christen Schuld.“

Es waren nur wenige Christen, die sich nach den schlimmen Ereignissen auf die Kanzeln stellten und das Verbrechen an den jüdischen Mitbürgern anprangerten. Der evangelische Bischof von Berlin, Dr. Markus Dröge, fordert, Konsequenzen für heute daraus zu ziehen: „Wir dürfen nicht nachlassen in unserem Engagement gegen Antisemitismus.“

Das ‚Nie wieder!‘ ernst nehmen

Am Schweigemarsch durch Berlin mit dabei ist auch der Beauftragte der Bundesregierung für den Kampf gegen Antisemitismus. In einer Zeit, in der Hass und Gewalt gegen Minderheiten zunähmen, so Dr. Felix Klein, „müssen wir das ‚Nie wieder!‘ umso ernster nehmen.“

Mehr Engagement gegen Antisemitismus: Das ist die Botschaft des von den Berliner Kirchen organisierten Schweigemarschs gewesen gestern in Berlin. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller bringt es auf den Punkt: Es komme auf jeden Einzelnen an, sich für Offenheit und Toleranz zu engagieren. „Heute und an jedem anderen Tag, hier und an jedem anderen Ort!“

Autor/-in: Oliver Jeske

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